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Pfälzer Kult in 48 Donnersbergen Höhe

Erstes Dubbeglas im All - leider all

Ein Dubbeglas, vor allem für Weinschorle das beliebteste Trinkgefäß der Pfalz, wurde Anfang Juli von einem Wetterballon in die Stratosphäre getragen. Der Flug des "Space-Dubbe" endete erfolgreich 140 Kilometer vom vorderpfälzischen Startplatz entfernt im mittelfränkischen Uffenheim. Jetzt ist das Gefäß an den Ort zurückgekehrt, wo es einst erfunden worden sein soll: nach Bad Dürkheim. 

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Dubbeglas auf Höhenflug - das typische Halbliter-Trinkgefäß der Pfalz, bodenständig am besten mit einer frischen Rieslingschorle gefüllt.

Es ist das Gefäß schlechthin, aus dem der trinkfreudige Pfälzer seine Lieb-lingsschorle, die "Schobbe-Schorle", genießt: spritzig-süffiger Riesling, perfekt gemischt mit höchstens, allerhöchstens 40% Sprudel und eis-kalt serviert. Nicht nur an Festtagen wird Wein aus dem Dubbeglas schon auch mal unverdünnt konsumiert - im Schoppen, halbliterweise. Für Vier-tels-, Achtels- oder gar 0,1-Liter-Gläser erübrigt der Pfälzer besten-falls ein müdes Lächeln oder gar Spott - schoppenweise. Zwar ist das Dubbe-glas - in der Ausführung für soge-nannte "Außergewärdische", also Nicht-Pfälzer - mittlerweile mit einem halben Schoppen Inhalt zu haben, also fragwürdigen 0,25 Litern bis zum Eichstrich. Doch einen "echten Pälzer" befremdet diese Miniaturausführung eher, und er würde sie wohl in die Vitrine mit den tunlichst unbenutzten Sammeltassen und -gläsern stellen. Wer sollte denn damit wirklich den guten Wein genießen, geschweige denn den Durst stillen können? Pfälzer Weisheit:

De Dorschd, der machd erschd rischtisch Spaß,

hoscht so e Pälzer Dubbeglas.

Angeblich eine Dürkheimer Erfindung

Der Überlieferung nach soll das gut in der Hand liegende Dubbeglas mit seinen fingerkuppen-großen Vertiefungen von Dürkheimer Metzgern erfunden worden sein, weil bei Schlachtfesten glatte Gläser leicht aus der fettigen oder feuchten Hand rutschen. Typischerweise zählt das Standard-Schoppenglas 37 "Dubbe" rund um den sich nach unten kegelartig verjüngenden Zylinder. Man könnte sich nötigenfalls auch mit zwei Händen daran festhalten.

Der ursprüngliche "Dubbeschobbe" in wertiger Ausführung wird aus Kristallglas gefertigt, in das die "Dubbe" mit viel handwerklicher Akuratesse eingeschliffen werden. Das macht ihn zu einem gediegenen Trinkgefäß, das der vorgesehenen Verwendung und dem köstlichen Inhalt durchaus angemessenen, aber nicht ganz billig ist. Für den täglichen Hausgebrauch - für Kinder und alkoholfreie Genießer gerne auch mit (Trauben-)Säften und deren Schorle-Mischungen gefüllt - und nicht zuletzt in den Schubkärch-Ständen des Dürkheimer Wurstmarkts wird in der Regel das preiswertere Pressglas verwendet, bei dem die "Dubbe" durch die Pressform quasi eingedrückt werden. Sonst wäre das Glaspfand auf den Wein-festen ja wohl teurer als der Inhalt ...

Dubbeglas auf Höhenflug - eine Idee mit tieferem Sinn

Sorgsam in einer kleinen Schaumstoffkiste verkapselt, starteten am 3. Juli 2016 eine - auch das soll's geben - Kunststoff-Abart des Dubbe-Schoppens in Heßheim zu einem rekordverdächtigen Höhenflug. Dort hatten drei Pfälzer Tüftler eigens ein Flugobjekt ersonnen und konstruiert. Ein Wetterballon trug die kostbare Fracht 33,8 Kilometer weit in den Himmel - also, um mit der höchsten Erhebung des Pfälzer Waldes im bodenständigen Maß zu bleiben, rund 48 Donnersberge hoch. Wie vorgesehen, zerplatzte in dieser stratosphärischen Höhe der Ballon. Die Flugkapsel sank an einem sich selbst entfaltenden Fallschirm zu Boden - genauer: in einen Baum bei Uffenheim. Geortet durch GPS-Signale, konnte das unbekannte Flugobjekt mit Unterstützung der örtlichen Feuerwehr geborgen werden - selbstredend mit unversehrtem Dubbeglas.

Es ist nicht überliefert, nach wieviel "Dubbeschobbe" den drei Flugpionieren aus der Vorderpfalz das Projekt "Space-Dubbe" in den Sinn gekommen ist. Ein tiefe-rer Sinn steckt jedenfalls dahinter: Das Trinkgefäß, das vom Himmel fiel, wurde für 1.299 Euro zugunsten des Kinderhospiz Sterntaler in Dudenhofen bei Speyer versteigert - inklusive Gravur: "Das erste Dubbeglas im Weltall". "Leider all", würde der Pfälzer hinzufügen - leider ohne Inhalt. Dabei wird auch bleiben, denn für die Befestigung am Flugapparat musste ein Loch in den Gefäßboden gebohrt werden.

Der neue Besitzer, Thomas Hensel, ein Winzer und Segelflieger aus Bad Dürkheim, wird dem Kult-Gefäß in seinem neuen Showroom einen Ehrenplatz widmen.

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