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Kommt Donald Trump nach Kallstadt?

Auf den Spuren der Großeltern

Großdemonstrationen befürchtend, hat er seinen London-Besuch gerade - typisch - per Twitter abgesagt. Nun will der US-amerikanische Präsident offenbar dem beschaulichen Pfälzer Weinort Kallstadt, wo die Wiege seines Großvaters stand, einen Besuch abstatten. Der Generalkonsul aus Frankfurt sondierte dieser Tage.

Kallstadt, idyllisch gelegen am Haardt-Rand inmitten von Weinlagen wie dem "Saumagen". Bekannt für seine gute Gastronomie und feinen Weine - und wegen großer Namen wie Trump oder Heinz.
Kallstadt, idyllisch gelegen am Haardt-Rand inmitten von Weinlagen wie dem "Saumagen". Bekannt für seine gute Gastronomie und feinen Weine - und wegen großer Namen wie Trump oder Heinz.
Friedrich Trump, Großvater des US-Präsidenten
Friedrich Trump, Großvater des US-Präsidenten

James W. Harmann, zur Vorerkundung an die Wein-straße entsandt, sieht das idyllischen Dorf nahe Bad Dürkheims als "number one destination". Er will daher der US-Botschaft in Berlin Kallstadt zur Stippvisite bei einem Deutschlandbesuch des Präsidenten vor-schlagen.

Dort steht das Geburtshaus seines Großvaters Fried-rich Trump, eines gelernten Frisörs, der 1885 im Al-ter von 16 Jahren seine Heimat verließ. Gegenüber in der Freinsheimer Straße wuchs die Großmutter Do-nald Trumps, Elisabeth Christ, auf. Der Großvater hatte sich mit ihr vermähllt, nachdem er als deutsch-amerikanischer Unternehmer, der im Goldrausch als Betreiber von Restaurants im Nordwesten der USA und Kanada ein Vermögen gemacht hatte, in die damals bayrische Pfalz zurück-gekehrt war. Weil ihm als Auswanderer und "Wehrdienstverweigerer" letztlich die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, kehrte das Paar nach New York an die Bronx zurück.

Das große Glück mit eingemachtem Meerrettich und Essiggurken

Unscheinbar: Friedrich Trumps Elternhaus steht zum Verkauf, weil der heutige Eigentümer den Medienrummel satt hat.
Unscheinbar: Friedrich Trumps Elternhaus steht zum Verkauf, weil der heutige Eigentümer den Medienrummel satt hat.

Das 1.200-Einwohner-Dorf, zu dem auch eine einzigartige Weinlage na-mens "Saumagen"  gehört, hat im transatlantischen Kontext noch mehr zu bieten: Wie Trumps Großeltern wanderte im 19. Jahrhundert von hier auch Johann Heinrich Heinz aus, dessen Sohn Henry John im Land der tausend Möglichkeiten zunächst mit eingemachtem Meerrettich und Essig-gurken sein Glück machte. Erfolgreich, denn die Markenprodukte für allerhand gewürzt-gezuckerte Soßen genießen heute Weltruf und wurden nach Deutschland quasi reimportiert. In Kunststoffflaschen, zwischen den aufgebackenen Sesam-Hälften des Hamburgers und schließlich gar - verfeinert und dann doch typisch deutsch - als Dressing auf der Currywurst.

Immerhin: Für die Renovierung der Orgel in Kallstadts protestantischer Kirche wies die Familie Heinz aus den Vereinigten Staaten 50.000 Euro an. Das hat man nicht vergessen und hofft in Kallstadt insgeheim auf eine weitere Spende für die anstehende Sanierung des Kirchturms im gemeindlichen Besitz.

Auch manches Anderes bleibt unnvergessen. Denn Simone Wendel hat ihrem Heimatdorf und seinen früheren und heutigen Einwohnern mit den "Kings of Kallstadt" einen liebevollen Dokumentarfilm gewidmet. Sie sucht und findet das Geheimnis Kallstadts, in dem die Vorfahren namhafter Persönlichkeiten heranwuchsen und durfte dafür sogar Donald Trump - noch vor seiner Wahl zum amerikanischen Präsidenten - in seinem Tower in New York besuchen und interviewen.

Eine Chance für unverhoffte Einsichten?

Trumps Ausflug nach Kallstadt zu seinen Pfälzer Wurzeln könnte nicht nur die geografischen Kenntnisse des Immobilien-Moguls erweitern, sondern gar zur kulturhistorischen Exkursion geraten. Vielleicht reifen an der Weinstraße gar unverhoffte Einsichten, dass trotz aller gern zugestandenen Errungenschaften der Neuen Welt und in aller Freundschaft auch zum NATO-Partner Deutschland  nicht "America first" ist, sondern dass der Aufstieg zur Weltmacht auf der -legalen oder illegalen - Einwanderung von tüchtigen Menschen aus aller Herren Länder fußt.  

Der Abgesandte aus Frankfurt, James Hermann, befleißigte sich denn auch, seiner Visitation unter dem Hinweis auf die Auswanderungen von vielen Pfälzern nach Nordamerika eine unverdächtige historische Dimension zu geben. So zeigte er sich beim Dorfrundgang unter Anderem am Konfirmationsbecher von Trumps Großeltern interessiert. 

Ramstein Airbase - ein hochpolitisches Ziel

Freilich, so vernahm man den Generalkonsul, liege auch die Airbase Ramstein ganz in der Nähe. Sie ist mit über 9.000 uniformierten und zivilen Bediensteten der größte Stützpunkt der US Air Force außerhalb der USA.

Spätestens an dieser Örtlichkeit würde Trumps Besuch auf den Spuren seiner Vorfahren politisch hochaktuell. Denn der Flugplatz in der Pfalz ist militärische Transport- und Frachtdrehscheibe Richtung Nahost und in Kooperation mit dem Landstuhl Medical Center, dem größten GI-Lazarett außerhalb der USA,  Ziel für Evakuierungsflüge aus den arabischen Staaten. Er war im Kalten Krieg und zumindest bis ins Jahr 2005 US-amerikanischer Atomwaffenstützpunkt und dient heute u. a. der Planung und Steuerung von völkerrechtlich umstrittenen Kampfdrohnen-Einsätzen der Air Force im Nahen Osten und selbst in Pakistan.

Darum stand und steht die Ramstein Airbase in der Bundesrepublik Deutschland immer wieder im Brennpunkt von Friedensaktivisten und Menschenrechtlern . Die Vorwürfe reichen vom - schwerlich zu beweisenden - Atomwaffen-Versteck bis zur Kriegsführung von deutschem Boden. Deshalb erlebte Ramstein gelegentlich zum Beispiel an den 1.-Mai-Feiertagen Demonstrationen - legale und legitime Kundgebungen, die schwerlich ins Weltbild des Präsidenten passen, der seit einem Jahr im Oval Office des Weißen Hauses das Sagen hat.

Weitere Sondierungen im Frühjahr

Doch zunächst wird weiter sondiert. Im Frühjahr soll der desgnierte US-Botschafter Richard Grenell, republikanischer Hardliner und ein ausgewiesener Unterstützer des außenpolitischen Kurses von Donald Trump, nach Kallstadt kommen. Wohl nicht in erster Linie, um den feinen Kallstadter Wein probieren, denn sein Boss schätzt den vergorenen Traubensaft nicht. Doch die vielen Begleiter im Tross des Präsidenten, so scherzte James Herman, der bei seiner Vorerkundung mit Saumagen und Riesling aus dem Dubbeglas verwönht wurde, "werden das schon übernehmen."

Klingt zuversichtlich, dass er kommt. Der Präsident. Wenn er nicht wieder eine Absage twittert ...

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