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Kommt Donald Trump nach Kallstadt? - Update

Auf den Spuren der Großeltern

Großdemonstrationen befürchtend, sagt er schon mal Staatsbesuche - typisch - per Twitter ab. Doch  dem beschaulichen Pfälzer Weinort Kallstadt, wo die Wiege seiner Großeltern stand, will der der US-amerikanische Präsident offenbar einen Besuch abstatten. Der Generalkonsul aus Frankfurt sondierte im Januar 2018, jetzt hat sich der Berliner US-Botschafter geäußert. Vage, ohne Terminangabe.

Kallstadt, idyllisch gelegen am Haardt-Rand inmitten von Weinlagen wie dem "Saumagen". Bekannt für seine gute Gastronomie und feinen Weine - und wegen großer Namen wie Trump oder Heinz.
Kallstadt, idyllisch gelegen am Haardt-Rand inmitten von Weinlagen wie dem "Saumagen". Bekannt für seine gute Gastronomie und feinen Weine - und wegen großer Namen wie Trump oder Heinz.

Update 30.12.18: "Wenn Trump nach Kallstadt käme ..." - unter diesem Titel öff-nete die "Rheinpfalz am Sonntag" nach der Besuchsankündigung durch den ameri-kanischen Botschafter, Richard Grenell, ihre Leserbriefspalten. Die, so die Rhein-pfalz, "repräsentative" Auswahl der Leserstimmen gerät zur Abrechnung mit  "diesem Menschenverachter", der auf die sprichwörtliche Pfälzer Gastfreund-schaft kaum hoffen darf.

Echte Fake News

Ein Leser will gar "eine deutsche Fahne auf Halbmast mit Trauerflor deutlich sichtbar anbringen". Andere wollen vor allem die Kosten dieses Staatsbesuchs nicht mittragen: "Wer seine Verwandten besuchen möchte, sollte auch den Aufwand selbst finanzieren." Ein Leser aus Birkenheide formuliert 


es so: "Wend fort bleibscht, kenne merviel Geld spare fer die nexte Schobbe. Wäscht - mir brauchen die, wenn mer deu dummes Gebabbel im Fernseh ohgugge missen."

Etliche kündigen Protest an, etwa "Stop drone wars" oder "Stop killing innocent people". Eine Eiselthumerin würde gar zum ersten Mal auf eine Demo gehen, ihr Motto:" Das 'Trumpeltier' soll in Washington bleiben." Eine andere Idee zum Um-gang mit dem ungeliebten Staatsbesuch kommt aus Birkweiler: "Stell Dir vor, es kommt Trump, und keiner geht hin."

 

Fazit: Donald Trump ist in den Augen vieler Leserbriefschreiber ein ungebetener Gast, sein Besuch "für Kallstadt keine Ehre, sondern eine Schande". 

Update 28.12.18: Zwar hat er noch keinen Fuß ins Heimatdorf seiner Großeltern gesetzt. aber über Kallstadt hinweggeflogen ist der amerikanische Präsident immerhin schon mal. Denn in der Nacht zum 27.12.18 schwebte er im Luftraum über dem Winzerdorf zur 60 Kilometer entfernten Airbase Ramstein ein. Von dem geheimnisumwitterten Truppenbesuch im Irak, der innen- wie außenpoli-tisch  für Furore sorgte, zurückkehrend, setzte die Air Force One bei einer Zwi-schenlandung Donald Trump und die First Lady Melanie auf dem Luftwaffenstütz-punkt in der Pfalz ab -  Zeit genug für ein paar Selfies mit den dort stationierten und ob des  hohen Besuchs sichtlich überraschten GIs.

Update 21.12.18: Nach Angaben des US-Botschafters in Deutschland, Richard Grenell, möchte der US-Präsident nach Deutschland kommen und Kallstadt, den Heimatort seiner Vorfahren in Rheinland-Pfalz, besuchen. "Ich weiß nicht wann, aber er hat mir gesagt, dass er kommen und den Heimatort seiner Familie sehen will", wird Grenell in den Medien zitiert.

Von einer offiziellen Anfrage der Botschaft zu einem Besuch des amerikanischen Präsidenten ist in der Pfalz nichts bekannt. Auch in Kallstadt weiß man nur aus den Medien von der vom Botschafter in Berlin erklärten Absicht Trumps.


Friedrich Trump, Großvater des US-Präsidenten
Friedrich Trump, Großvater des US-Präsidenten

James W. Harmann, amerikanischer Generalkonsul aus Frankfurt, war im Januar 2018 zur Vorerkundung an die Weinstraße entsandt. Er sieht das idyllische Dorf nahe Bad Dürkheims als "number one destination". Er wollte daher der US-Botschaft in Berlin Kallstadt zur Stippvisite bei einem Deutschlandbesuch des Präsidenten vorschlagen.

Dort steht das Geburtshaus seines Großvaters Fried-rich Trump, eines gelernten Frisörs, der 1885 im Al-ter von 16 Jahren seine Heimat verließ. Gegenüber in der Freinsheimer Straße wuchs die Großmutter Do-nald Trumps, Elisabeth Christ, auf. Der Großvater hatte sich mit ihr vermähllt, nachdem er als deutsch-amerikanischer Unternehmer, der im Goldrausch als Betreiber von Restaurants im Nordwesten der USA und Kanada ein Vermögen gemacht hatte, in die damals bayerische Pfalz zurückgekehrt war. Weil ihm als Auswanderer und "Wehrdienstverweigerer" letztlich die deutsche Staatsbürger-schaft aberkannt wurde, kehrte das Paar nach New York an die Bronx zurück.

Das große Glück mit eingemachtem Meerrettich und Essiggurken

Unscheinbar: Friedrich Trumps Elternhaus steht zum Verkauf, weil der heutige Eigentümer den Medienrummel satt hat.
Unscheinbar: Friedrich Trumps Elternhaus steht zum Verkauf, weil der heutige Eigentümer den Medienrummel satt hat.

Das 1.200-Einwohner-Dorf Kall-stadt, zu dem auch eine einzigartige Weinlage namens "Saumagen"  gehört, hat im transatlantischen Kontext noch mehr zu bieten: Wie Trumps Großeltern wanderte im 19. Jahrhun-dert von hier auch Johann Heinrich Heinz aus, dessen Sohn Henry John im Land der tausend Möglichkeiten zu-nächst mit eingemachtem Meerrettich und Essiggurken sein Glück machte. Erfolgreich, denn die Markenprodukte für allerhand gewürzt-gezuckerte Soßen genießen heute Weltruf und wurden nach Deutschland quasi reimportiert. Gerne in Kunststoffflaschen, zwischen den aufgebackenen Sesam-Hälften eines Hambur-gers und schließlich gar - verfeinert und dann doch typisch deutsch - als Dressing auf der Currywurst.

Immerhin: Für die Renovierung der Orgel in Kallstadts protestantischer Kirche wies die Familie Heinz aus den Vereinigten Staaten 50.000 Euro an. Das hat man nicht vergessen und hofft in Kallstadt insgeheim auf eine weitere Spende für die anstehende Sanierung des Kirchturms im gemeindlichen Besitz.

Auch manches Anderes bleibt unvergessen. Denn Simone Wendel hat ihrem Heimatdorf und seinen früheren und heutigen Einwohnern mit den "Kings of Kallstadt" einen liebevollen Dokumentarfilm gewidmet. Sie sucht und findet das Geheimnis Kallstadts, in dem die Vorfahren namhafter Persönlichkeiten heranwuchsen, und durfte dafür sogar Donald Trump - noch vor seiner Wahl zum amerikanischen Präsidenten - in seinem Tower in New York besuchen und inter-viewen.

Eine Chance für unverhoffte Einsichten?

Trumps Ausflug nach Kallstadt zu seinen Pfälzer Wurzeln könnte nicht nur die geografischen Kenntnisse des Immobilien-Moguls erweitern helfen, sondern gar zur kulturhistorischen Exkursion geraten und ein veritables Stück amerikani-scher Geschichte, gar der Weltgeschichte in den Horizont des Präsidenten rücken. Vielleicht reifen an der Weinstraße gar unverhoffte Einsichten, dass trotz aller gern zugestandenen Errungenschaften der Neuen Welt und in aller Freundschaft auch zum NATO-Partner Deutschland  nicht "America first" ist, sondern dass der Aufstieg zur Weltmacht auch auf der - legalen oder illegalen - Einwanderung von tüchtigen Menschen aus aller Herren Länder gründet.  

Der Abgesandte aus Frankfurt, James Hermann, befleißigte sich denn auch, seiner Visitation unter dem Hinweis auf die Auswanderungen von vielen Pfälzern nach Nordamerika eine unverdächtige historische Dimension zu geben. So zeigte er sich beim Dorfrundgang unter Anderem am Konfirmationsbecher von Trumps Großeltern interessiert. 

Die Ramstein Airbase - ein hochpolitisches Ziel in der Pfalz

Freilich, so vernahm man den Generalkonsul, liege auch die Airbase Ramstein ganz in der Nähe. Sie ist mit über 9.000 uniformierten und zivilen Bediensteten der größte Stützpunkt der US Air Force außerhalb der USA.

Spätestens an dieser Örtlichkeit würde Trumps Besuch auf den Spuren seiner Vorfahren politisch hochaktuell. Denn der Flugplatz in der Pfalz ist militärische Transport- und Frachtdrehscheibe Richtung Nahost und in Kooperation mit dem Landstuhl Medical Center, dem größten GI-Lazarett außerhalb der USA,  Ziel für Evakuierungsflüge aus den arabischen Staaten. Er war im Kalten Krieg und zumindest bis ins Jahr 2005 US-amerikanischer Atomwaffenstützpunkt und dient heute u. a. der Planung und Steuerung von völkerrechtlich umstrittenen Kampfdrohnen-Einsätzen der Air Force im Nahen Osten und selbst in Pakistan.

Darum stand und steht die Ramstein Airbase in der Bundesrepublik Deutschland immer wieder im Brennpunkt von Friedensaktivisten und Menschenrechtlern . Die Vorwürfe reichen vom - schwerlich zu beweisenden - Atomwaffen-Versteck bis zur Kriegsführung von deutschem Boden. Deshalb erlebte Ramstein gelegentlich zum Beispiel an den 1.-Mai-Feiertagen Demonstrationen - legale und legitime Kundgebungen, die schwerlich ins Weltbild des Präsidenten passen, der seit fast zwei Jahren im Oval Office das Sagen hat und seitdem mit denkwürdigen Entscheidungen nicht nur das Weiße Haus in Angst und Schrecken versetzt.

Weitere Sondierungen und vage Termine

Doch zunächst sollte bezüglich eines Besuchs des Präsidenten in der Pfalz weiter sondiert werden. Für das Frühjahr 2018 war der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, republikanischer Hardliner und ein ausgewiesener Unterstützer des außenpolitischen Kurses von Donald Trump, in Kallstadt angesagt. Den Botschaf-ter hat man in Kallstadt noch nicht gesehen - er kam bisher nicht.

Stattdessen vernimmt man nun in der Pfalz nur vom Hören-Sagen und deshalb doch etwas irritiert die Kunde von der erklärten Besuchsabsicht Trumps. Manche sehen das gelassen abwartend, für manche andere ist die vage Ankündigung auch eine Drohung.

Wohl nicht in erster Linie, um den feinen Kallstadter Wein probieren, käme der Präsident, denn er schätzt den vergorenen Traubensaft nun gar nicht. Doch die vielen Begleiter im Tross des Präsidenten, so scherzte James Herman, der bei seiner Vorerkundung mit Saumagen und Riesling aus dem Dubbeglas verwöhnt wurde, "werden das schon übernehmen."

Das klang im Frühjahr 2018 doch recht zuversichtlich, und auch des Botschafters neuerliche Einlassungen machen glaubhaft, dass er kommt. Der Präsident him-self, also höchstpersönlich. Wenn er nicht mal wieder eine Absage twittert ...

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Kommentare: 2
  • #1

    C. Müller (Samstag, 05 Januar 2019 14:19)

    Ich finde es nicht okay, wenn man sich über einen demokratisch gewählten Staatsmann hier so lustig macht. Wenn er die Pfalz besucht, wo seine Großeltern zu Hause waren, dann ist das doch die allerbeste Werbung für diesen Landstrich. Man sollte Herrn Trump gastfreundlich empfangen.

  • #2

    100% Pfälzer (Donnerstag, 10 Januar 2019 16:04)

    Auf solche Werbung können wir Pfälzer gerne verzichten.