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Anonyme Giddarischde "middags zum Kaffee" und "fer umme"

Pfälzer Kultband "In der Weilach"

Die Pfälzer Kultband Anonyme Giddarischde spielt am 25.08.18 ab 16 Uhr in der Pfälzerwaldvereinshütte "In der "Weilach" oberhalb Bad Dürkheims auf. Ein veritables Sommervergnügen "middags zum Kaffee", umsonst und - womöglich - draußen.

Wurstmarkt Bad Dürkheim Mundart
Die Anonyme Giddarischde beim Literarischen Frühschoppen auf dem Wurstmarkt.

Schon Schulkinder be-kommen in der Pfalz das legendäre  „Palzlied“ im Unterricht beigebracht, ihre Ode an die „Lewwer-worscht“, aufgestoßen offenbar besonders deli-kat, ist ein Gassenhauer und eigentlich ein rusti-kales Liebeslied.

Ob auf dem Betzenberg beim Drittligisten 1. FCK,
ob als standesgemäßer Opener beim Dürkheimer Stadtfest oder beim abgelegensten Weinfest in der Pfalz - man kann sich ihnen fast nicht entziehen: Irgendwo wird in der Pfalz immer ein Lied der Anonyme Giddarischde gespielt. Meist spielen die fünf Musikanten selbst auf und zelebrieren auf ihre unverwecheselbare Art mit viel Humor und philosophischen Ausflügen ihre Pfalz-Hits. 

Dem Dürkheimer Pfälzerwaldverein fühlen sie sich besonders verbunden seit ihrem gemeinsamen Auftritt beim großen Festumzug vor zwei Jahren zum 600-Jahr-Jubiläum des größten Weinfests der Welt. Nun spielen sie - so die Original-Ankündigung - "middags zum Kaffee" in der beliebten Wanderhütte auf. Das ist sozusagen ein Vorgeschmack auf den Wurstmarkt, der 13 Tage später auf den Brühlwiesen wieder Hundertausende von Gästen willkommen heißt, u. a. auch zum Literarischen Frühschoppen, bei dem die Anonyme Giddarischde als umjubelte Stammgäste von ihren Fans gefeiert werden.

Kultband, Alltagsphilosophen und Hohepriester der Pfälzer Mundart

Anonyme Giddarischde Pfalz Lebensart Mundart Musik
Einst "musikalische Selbsthilfegruppe", heute Hohepriester der Pfälzer Mundart und Botschafter der Pfälzer Lebensart. Einfach Kult.

Niemand hätte bei der Gründung der Anony-me Giddarischde vor über 20 Jahren ge-mutmaßt, dass sie einmal generations-übergreifend als die Hohepriester der Pfälzer Sprache gel-ten werden. In ihrer Lyrik vermitteln sie ein Stück Pfälzer Lebensart und feiern ihren Stolz auf ihre Herkunft auf sympa-thische und doch eigenwillige Art, ohne zu verkennen, dass "onnerschtwu" auch Heimat sein kann - "awwer onnerschtwu is onnerscht, und halt net wie in de Palz".

Auch die Homepage ist in Pfälzisch

Getroffen haben sich die drei Gründungsmitglieder Edsel Merz, Roman Nagel und Michael Lange auf einem Gitarrenseminar. Schnell kam es zu eigenen Stücken der „musikalischen Selbsthilfegruppe“, wie sie sich noch heute scherzhaft bezeichnen. Selbstverständlich in Pfälzisch, der Landessprache, so wie man hier eben so „babbelt“ - selbst die Homepage ist in allerbester Mundart gehalten: Die Startseite heißt "Dehääm", und Fotos sucht man vergeblich, findet aber "Bildscher".

Ihr Liedgut befasst sich mit eher männlichen Themen - was angesichts der Besetzung der Band, die keine Frauenquote kennt, nahe liegt. Gleichwohl, bei allfälligen Weinfesten, zuletzt auch beim obligatorischen Auftritt zum Dürkheimer Stadtfest, lassen sich die Anonyme Giddarischde gern von Pfälzer Weinköniginnen und deren Gefolge umringen. Und Wein, ob pur oder als Schorle im traditionellen "Dubbeglas" gehört natürlich auch dazu, "denn mir sin Pälzer, und mir derfen des".

Ihre genau und einfühlsam beobachteten Episoden von den kleinen Abenteuern und Begegnungen des Alltags führen regelmäßig dazu, dass auf den Konzerten der Anonyme Giddarischde gestandene Mannsbilder „Im Baumarkt, do wu Männer noch so rischtisch Männer sin“ aus vollem Hals und mit ganzer Inbrunst mitgröhlen. Seien es die abendlichen Fressorgien am Kühlschrank („Im Kielschrank laft moi liebschtes Programm“) oder der Kampf auf der heimischen Toilette mit einem allzu anhänglichen Insekt („Die AB Mick“) - es ist die Hingabe zur Pfälzer Sprache, die genaue Beobachtungsgabe und die spitzfindige Überhöhung alltäglicher Situationen, die das Publikum immer wieder mitreißt.

Dass sie auch bei der Damenwelt einen hohen Wiedererkennungswert erzielen, liegt an nachdenklich-eindrücklichen Liebesliedern wie „Peterles Hochzeit“ (wo "aus Medscher Fraue un aus Buwe Männer wär´n“, die irgendwann vorm Traualtar stehen).

In der Pfalz einer der gefragtesten Live-Acts

Alles begleitet von gefälligen, niemals seichten Melodien, griffig und prägnant arrangiert. Hinzu kommt eine ungekünstelte Spielfreude gepaart mit launigen Ansagen, welche die mittlerweile mit Achim Kaul und Steppes Brot zum Quintett erweiterte Combo in der Pfalz zu einem der gefragtesten Live-Acts gemacht hat.

Sie sind Kult, authentisch, unverfälscht und eigenwillig und dabei nahezu abgöttisch verehrt von ihren Anhängern, die am grünen T-Shirt mit unübersehbarem selbstbewusstem Aufdruck "Pfalz" auf der Brust leicht erkennbar sind.

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