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Neustadt will in die autonome Elektromobilität einsteigen

Mit dem E-Shuttle hinauf zum Schloss

Innerhalb der nächsten vier,fünf Jahre sollen die ersten autonomen Fahrzeuge durch Neustadt an der Weinstraße fahren – auch rund um das Hambacher Schloss. Bereits im kommenden Jahr soll  ein selbstfahrender E-Shuttle Besucher zur "Wiege der deutschen Demokratie" chauffieren.

Aus der Vogelperspektive ist die kurvenreiche Strecke zum Hambacher Schloss gut zu erkennen. Sie umrundet den geschichtsträchtigen Demokratieberg.

"Hinauf, hinauf zum Schloss“, riefen 1832 die Vorkämpfer der Demokratie auf ihrem Weg zum Hambacher Schloss, wo sie sich mit einem "Volksfest" gegen die Repressalien der bayerischen Verwaltung zur Wehr und für die Presse- und Meinungsfreiheit einsetzten.

Hambacher Fest Schloss
Historische Darstellung des Hambacher Festes 1832. Der Anmarsch hinauf zum Schloss erfolgte damals zu Fuß.

Unterstützt von der Stadt-verwaltung Neustadt, wollen nun Pioniere der autonomen Elektromobilität ebenfalls hi-nauf zum Schloss. Im kommen-den Jahr soll ein Shuttle-Dienst vom historischen Kern des Neustadter Ortsteils zum Hambacher Schloss fahren - zunächst versuchsweise und  vorerst auch mit einem Fahrer an Bord, der zur Not eingreifen kann. Denn das E-Mobil hat sich an die Straßenverkehrs-ordnung zu halten und genießt keine Sonderrechte. Und es muss sich - zugege-benermaßen - erst das Vertrauen seiner Fahrgäste und anderer Verkehrsteil-nehmer wie auch der Menschen in Neustadt, die damit leben (lernen) sollen, ver-dienen.

Stefan Rouwen (49), Elektrotechnik-Ingenieur bei der BASF, und die von ihm als zweites Standbein gründete Mobility-on-Demand (MoD) GmbH in Neustadt brin-gen mit mehreren Gesellschaftern 1,3 Millionen Euro ein, um den E-Shuttle zum Rollen zu bringen. Zwei Millionen Euro Zuschuss kommen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Projektpartner sind zwei Lehrstühle der Fachbereiche Stadtplanung und Bauingenieurwesen der Technischen Universität Kaiserslautern, die die Testfahrten wissenschaftlich begleiten.

Prestigeträchtig: Ein ebenso anspruchs- wie reizvolles Projekt

autonom Elektromobilität Hambacher Schloss
So oder ähnlich muss man sich den autonomen E-Shuttlebus vorstellen, der selbststeuernd hinauf aufs Schloss fährt. Im Bild ein Selbstfahrer des Pariser Flughafens. Fotos: Wikipedia

Das ehrgeizige Projekt ist unter verschiedenen Gesichtspunkten ebenso anspruchs- wie reizvoll und könnte gleich meh-rere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Seine Entwickler und Unter-stützer führen zuvor-derst ökologische, ver-kehrssteuernde und städtebauliche Vorteile ins Feld. Zudem wäre die sechs Kilometer lange kurvenreiche Auffahrt hinauf zum Schloss in Deutschland eine der längsten Versuchsstrecken für die neue selbst-steuernde Elektro-Mobilität. Sie führt durch Hambachs enge Gassen und über-windet die anspruchsvolle Topografie des Haardt-Rands - ein ideales Versuchs-feld für realitätsnahe Tests.

Bei allen Vorbehalten, die innovative Technologien immer auf sich ziehen, ver-spricht sich das urtümliche Winzerdorf Hambach eine lang ersehnte Verkehrs-entlastung. Denn hunderttausende Touristen strömen Jahr für Jahr - freilich möglichst individual-mobil - hinauf zum Demokratieberg. Er freilich macht das Projekt besonders prestigeträchtig - das hat man auch in Berlin erkannt, wo man sich auch deshalb schnell für das Vorhaben erwärmen konnte.

Ein lösbares Problem: Sperrung einer Kreisstraße

Funktionieren soll das System nach dem Ruftaxi-Prinzip. Per Knopfdruck können Fahrgäste in einer App mit Ihrem Mobilphone den selbstfahrenden E-Bus bestel-len, der nachts seine Batterien lädt, um tagsüber mit 15 bis 30 Stundenkilome-tern und maximal elf Passagieren zum Schloss zu fahren. Der Testbetrieb soll 2019 mit zwei Fahrzeugen - Stückpreis etwa 300.000 Euro - aufgenommen werden, 2020 sollen zwei weitere E-Shuttles beschafft werden.

Die Fahrpreise sind vergleichbar mit den Tarifen innerstädtischer Busfahrten. In der Testphase soll der Shuttlebus sogar kostenlos angeboten werden.

Das einzige, gleichwohl lösbare Problem: Für die Testfahrten zum Schloss müsste eine Kreisstraße, die K 4, gesperrt werden. Denn solche Testfahrten sind im regulären Straßenverkehr - noch - nicht erlaubt.

Nach einem erfolgreichen Test beabsichtigt MoD, ab 2023 selbstfahrende Shuttle-Busse im Stadtzentrum Neustadts einzusetzen und die zahlreichen Ortsteile entlang des Haardt-Rands mit einzubinden.


Das Hambacher Schloss ist seit Neuestem auf der Kulturplattform vom Google auch virtuell zu besuchen und zu besichtigen. Dabei erfährt man auch viel über seine Geschichte und seine Bedeutung für die deutsche Demokratie.

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