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Geologische Sensation: Der versteinerte Fußabdruck der Backenechse

Der Ursaurier vom uralten Strand der Pfalz

Sie spazierte einst im subtropischen Klima des späten Permzeitalters am Sandstrand des Zechstein-Meeres entlang, das vor 255 Millionen Jahren bis in die Südpfalz reichte. Die zwei bis drei Meter lange Backenechse hinterließ Spuren. Anfang Juli zufällig entdeckt, gilt der Fund als geologische Sensation. 

Fast wie eine menschliche Hand: Der versteinerte Fußabdruck der Backenechse ist etwa 22 mal 22 Zentimeter groß. Foto: Urweltmuseum/Burg Lichtenstein
Fast wie eine menschliche Hand: Der versteinerte Fußabdruck der Backenechse ist etwa 22 mal 22 Zentimeter groß. Foto: Urweltmuseum/Burg Lichtenstein

Denn, so wird der Leiter des Urweltmuseums Geoskop in der Burg Lichtenberg/Kreis Kusel, Sebastian Voigt, in den Medien zitiert, der spektakuläre Fund "ist der erste Beweis einer Fußspur eines solchen Sauriers in Deutschland überhaupt". Der weltweit anerkannte Experte für das Erdaltertum geht noch einen Schritt weiter: Die Versteinerung "ist eine seiner besterhaltenen Spuren auf der ganzen Welt“. Sie hat zweifelsfrei Ähnlichkeiten mit Brückenechsen-Fußabdrücken, die im marokkanische Atlasgebirge und in der Bletterbach-Schlucht in den Dolomiten gefunden wurden.

Durch Zufall entdeckt: Eine fossile Platte im rotbraunem Sandstein

Bruder Zufall führte Regie, als der urweltliche Fund in einem ehemaligen Buntsandsteinbruch im Wald bei Eschbach, am östlichen Rad des Wasgaus in der Nähe von Landau gelegen, entdeckt wurde. Einem Wanderer, durch das Studium der Geologie vorbelastet, war die fossile Steinplatte Anfang Juli


Das "durchdrehende Treibhaus"

Durch Vulkanausbrüche und vermutlich von einem oder mehreren Meteoriteneinschlägen unterstützt,  wurden am Ende des Erdaltertums riesige Mengen Kohlendioxid freigesetzt - der Beginn, so glauben viele Forscher, eines "durchdrehenden Treibhauses": Es führte zu einer Erwärmung, in deren weiteren Folge Methanhydrate am Grund des Ozean destabilisiert und riesige Mengen Methan freigesetzt wurden.

Methan ist ebenfalls ein Treibhausgas und verstärkte die Erwärmung weiter. Die Erde wurde damals um sechs Grad  wärmer.

Der Anstieg an Treibhausgasen ging so schnell, dass die Mechanismen, die normalerweise einen ansteigenden Kohlendioxid-Gehalt abfangen, nicht wirken konnten. So kam es zur ersten Klima-Katastrophe, in deren Folge 80 bis 90 Prozent der Lebenwesen ausstarben.


aufgefallen, die bei Unwissenden vermutlich wenig Aufmerksamkeit gefunden hätte.

Sein Hinweis elektrisierte die Wissenschaftler. Sie legten die zunächst geheim gehaltene Fundstelle vorsichtig frei und entdeckten in dem tonigen rotbraunen Sandstein auf etwa 20 Quadratmetern die versteinerten Spuren von mindestens vier weiteren Tierarten, darunter Würmer und Käfer und gar ein urzeitlicher Tausendfüßler. Weitere fossile Abdrucke von Pflanzen und Hölzern, Regentropfen und Wasserläufen ergänzen das Gesamtbild aus der spannenden, wissenschaftlich noch kaum ergründeten Permzeit. Denn der mit Bauschutt verfüllte Steinbruch verspricht weitere geologische Schätze aus einem längst vergangenen Ökosystem.

Kein Überleben in der Klimakatastrophe

Die Backenechsen, wissenschaftlich Pareiasaurier, lebten vor 255 Millionen Jahren. Die stattlichen Reptilien waren zwei bis drei Meter groß und wogen bis  zu einer halben Tonne. Als Vegetarier 


Die Backenechse, Vorfahre der Dinosaurier, in der Rekonstruktion mit deutlich erkennbaren Fußspuren. Foto: Dinosaurier Museum Altmühltal
Die Backenechse, Vorfahre der Dinosaurier, in der Rekonstruktion mit deutlich erkennbaren Fußspuren. Foto: Dinosaurier Museum Altmühltal

waren sie eher friedlich. Angreifer ließen sie an ihrem gepanzerten Gürtel abprallen.

Dass der Fußabdruck bei Eschbach für die Nachwelt erhalten blieb, hat mit dem Zechstein-Meer zu tun, das große Teile von Nord- und Mittel-europa überdeckte und bis in die heutige Südpfalz reichte. An dessen Ufer zurückgelassen, wurde die Fußspur von der Hitze getrocknet und von Sand, Schluff und Ton überspült und nach und nach versteinert.

Mit dem Klimawandel an der Perm-Trias-Grenze starben die Ursaurier aus. Erst 30 Millionen Jahre später konnten sich ihre Nachfahren, die Dinosaurier, entwickeln.


Die Fundstücke von Eschbach sind im Eigentum der Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und werden im Urweltmuseum Geoskop in der Burg Lichtenberg/Kreis Kusel verwahrt. Dort wurden sie dokumentiert und stehen der internationalen Forschung zur Verfügung.

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