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Erfindung eines Pfälzer Schreinermeisters

Barrique im Rechteck

Seit gut 2000 Jahren ist das Weinfass rund - mit gutem Grund. Ein Schreiner- meister aus dem pfälzischen Bellheim hat nun eine eckige Variante entwickelt. "rebarriQue" soll Holz und Lagerfläche sparen. Die Fachwelt ist skeptisch. 

Design definiert sich nicht nur durch äußerliche Schönheit, Design will auch einen möglichst hohen Gebrauchswert haben. Und gutes Design ist auch nachhaltig. Das Urteil der rheinland-pfälzischen Design-Preis-Jury fiel eindeutig aus: „Gegenüber den bisher bekannten Barrique-Fässern kann die Fasswand eines rebarriQues innenseitig mehrfach erneuert und für unterschiedliche Röstungen rekonditio-niert werden. Dies ermöglicht ein lösbares Verschluss-System zwischen den Dauben und Schichtringen, das ein einfaches Zerlegen, chemiefreies Nachbearbei-ten und schnelles Zusammenbauen der Fassdauben erlaubt. So können auch Daubenhölzer mit verschiedenen Toastprofilen in einem rebarriQue kombiniert werden. rebarriQues können bis zu 80 Prozent des Holzbestandes für die Produktion von Fassdauben einsparen.“

Ein Schrank aus Eichenholz und Edelstahl

Wein Barrique Fass Erfindung
Schreinermeister Thomas Lutz und sein preisgekrönter Barrique-Schrank.

Thomas Lutz, der Erfinder, hat mit der Tradition runder Fässer - das weltweit größte ist in Bad Dürkheim zu besich-tigen - gebrochen und den eckigen Be-hälter für Barrique-Wein gebaut.  Das Konstrukt seiner Fasswand sieht aus wie ein mannshoher Schrank. Der Be-hälter hat einen Edelstahlrahmen, der auf einer rechteckigen Grundfläche mit untereinander verbundenen Profil-leisten die Ecken zusammenhält. Die Eichenholzbretter,die bei traditionel-len Fässern gebogen sind, sind hier gerade. Sie lassen sich an jeder Seite von oben in die Leisten einschieben und bilden so, übereinander lappend, die Wände. Der Auslass befindet sich auf dem Edelstahldeckel oben, von dort aus wird der Wein abgezogen. 

Barrique-Weine sind vor allem im ro-ten Premiumbereich zu finden. Sie rei-fen in Eichenholzfässern, deren Innen-seiten geröstet bzw. „getoastet“ sind, was dem Wein besondere Aromen wie etwa Vanilletöne verleiht. Beim Toas-ten werden die Fässer ohne Boden und Deckel über ein offenes Feuer gestellt, so dass die Flammen durchschlagen und auf der Innenseite die typische Barrique-Schicht ausbilden. Billigere Barrique-Methoden lassen Kenner die Nase rümpfen: Wer Holz sparen will, der arbeitet mit Chips, also großen gerösteten Eichenspänen, die in einen Edelstahltank geworfen werden. Oder man schiebt Eichenbretter in die Großtanks - die Weinwelt ist erfinderisch ... 

Weniger Holzeinschlag, weniger Lagerfläche

Weil die Röstaromen aber mit der Zeit im Eichenholz verloren gehen, ist die Lebensdauer eines originalen Barrique-Fasses auf fünf, sechs Jahre begrenzt. Das Fass zu zerlegen, es zu reinigen, neu zu rösten und wieder zusammenzu-bauen, gilt als unrentabel. Die Mühe macht sich keiner.  

Die geraden Fassbretter des "rebarriQue" lassen sich hingegen aus den Profilen nehmen und abhobeln, neu toasten und wieder zusammensetzen Bis zu 24 Durchgänge seien so möglich, versichert Thomas Lust. Der nachhaltige Vorteil: Über einen langen Zeitraum wird ein und dasselbe Holz verwendet. Außerdem nutzt der Fassschrank die Lagerfläche besser als ein rundes Fass - um bis zu 80 Prozent könne die Lagerfläche verringert werden, rechnet der Berufsschullehrer vor. 

Eine "Lachnummer"?

Die Fachwelt, Winzer wie Küfer, hegen ihre Zweifel und stellen insbesondere in Frage, ob die eckigen Holzbehälter denn auch längerfristig dicht sind. Von einer "Lachnummer" gar spricht ein Professor aus Neustadt, wenngleich dort im Teilort Duttweiler ein Spätburgunder seit Juni letzten Jahres in einem Prototypen des Barrique-Schranks reift - und nicht tropft. 

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