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Café Pompöös - Harald Glööcklers Glanz und Glamour in Bad Dürkheim

Kronleuchter im Kurgarten

Ein bisschen Glanz und Glamour könne Bad Dürkheim gut tun, meint der weltbe-kannte Star-Designer Harald Glööckler und hat mit allem Pomp am Rande des  Kurparks das erste Café Pompöös eröffnet. Wir zählten zu den ersten Gästen
und genossen den Blick übers gepflegte Grün zum Fontänenbrunnen.

Harald Glööckler kam wohl gestylt im feinen, üppig dekorierten Zwirn und auf High-Heels zur Eröffnung des ersten Café Pompöös im Dürkheimer Kurpark.

Eine weite Anreise hat er nicht, denn der Exzentriker domiziliert - gut bewacht von seiner Security - seit einiger Zeit in Kirchheim an der Weinstraße. Im Dürkheimer Kurpark ist der rote Teppich ausgerollt, als er auf hochhackigen Stiefeletten daherstolziert. Die Partitur für seinen Auftritt verfehlt nicht die gewollte Wirkung. 

Eingetragenes Warenzeichen mit Glööckler-Krone und zwei "Ö": Café Pompöös. Fotos Kochendörfer
Eingetragenes Warenzeichen mit Glööckler-Krone und zwei "Ö": Café Pompöös. Fotos Kochendörfer

Glööckler inszeniert sich in der ihm eigenen Art selbst vor den laufenden Kameras der zahlreichen Medienver-treter. Selbst "Das Erste" ist da zur Eröffnung des ersten Cafés Pompöös in Deutschland, nein: weltweit.

Stets umgeben von Bodyguards im diskreten dunklen Anzug, begrüßt Glööckler die illustre Schar geladener Promi-Freunde und den Dürkheimer Bürgermeister, rückt über dem Botox-geglätteten Teint immer wieder die silberblonde, heute mal rechtsge-scheitelte Haarsträhne zurecht. Er zelebriert seine pompös beringten Hände, die schließlich das rote Eröffnungsband durchschneiden - ein dezentes Rot, das Glööcklers knallig orangeroter Nagellack spielend toppt.

Er lauscht andächtig der klavierbegleiteten hochtönenenden Gesangseinlage des irokesengeschnittenen Counter-Tenors Nils Wanderer, gibt etliche Interviews, plaudert sichtlich gut gelaunt über die Pfalz und verbreitet ganz unverstellt seine Philosophie vom Luxus zu erschwinglichen Preisen. Dann lässt er sich hinreißen und gabelt für die Kameras ein Stück der leckeren Torte - probiert hat er nur wenig. Die Figur!

Es ist sein Business as usual: Am 21. September wird er in ähnlicher Manier in Baden-Baden die Kollektion eines deutschen Edel-Schuhmachers präsentieren. Erstaunlich fußbequem, trägt auch sie seinen Namen und als Markenzeichen - typisch Glööckler - seine pompööse Krone.

Die barbusige Winzerin hätte viel zu erzählen

Nicht leibhaftig, aber immer da: Harald Glööckler wacht in einer Ecke über das Entrée zum Café Pompöös. Gelegentlich will er auch persönlich auf einen Kaffee vorbeikommen.
Nicht leibhaftig, aber immer da: Harald Glööckler wacht in einer Ecke über das Entrée zum Café Pompöös. Gelegentlich will er auch persönlich auf einen Kaffee vorbeikommen.

Die barbusige Winzerin mit ihrer Traubenschale - wohl kaum eine "Prinzessin" aus Glööcklers fantastischer Konsumwelt, sondern steinernes Relikt aus den Zeiten, als hier noch das altehrwürdige Café "Traubenkur" zu Hause war - schaut dem glamourösen Treiben vom Rand der wunderschön gelegenen, frisch gepflasterten Terrasse ungerührt zu. Sie könnte viel erzählen. Denn vieles hat sich verändert, seit sich die Kurstadt als Eigentümerin vom langjährigen Vorpächter nach einem Intermezzo vor Gericht trennte.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde erweitert, um-gebaut, renoviert und dem Geschmack des Franchise-Gebers angepasst. Gebrochenes Pastell-Weiß, das mit der kaffeeschwarzen Thekeninstallation kontrastiert, dominiert den luftigen Innenraum, der sich als dezen-tes Cross-over von Wiener Kaffeehaus-Charme und Modernität versucht. Reichlich Stuck, vergoldete Kandelaber an den teilweise krönchen-verzierten Wänden, kristallene Kronleuchter, darunter eine Bestuhlung der modernen Art, wie heute auch in vielen Filialen der Bäckerketten üblich. Zwei üppig gerahmte Glitter-Bilder hängen als Glööckler-Gabe an der Wand, dazu ein ebenso pompös gestylter Spiegel als Reminiszenz an die Zeiten, als die "Prinzessinnen", zu der Harald Glööckler alle Frauen machen will, ihr Selfie noch analog betrachteten.

Der Modezar höchstselbst wacht aus einem überdimensionalen Schwarz-Weiß-Porträt über dieser gewiss einzigartigen Atmosphäre. Ob man sie nun mag oder nicht - das Café Pompöös könnte eine Bereicherung für die Kurstadt, ihren Kur-park oder auch die hiesige vielgestaltige Gastronomie sein.

Eine Schatztruhe mit vielen Kuchen- und Tortenkreationen

Im Zentrum des luftigen Innenraums: Die üppige Kuchentheke mit ihren süßen Verführungen.
Im Zentrum des luftigen Innenraums: Die üppige Kuchentheke mit ihren süßen Verführungen.

Die LED-glitzernde Kuchen- und Torten-theke erweist sich als zentraler Blickfang und Schatztruhe des Hauses. Ein Konditor aus Mannheim be-stückt sie mit gut einem Dutzend ver-führerischer Köst-lichkeiten. Die oppu-lente Auswahl an süßen Kreationen ist variantenreich und bleibt preislich im Rahmen. Das kommt jenen Damen mit Hüftgold sehr entgegen, die am liebsten Diätkuchen bestellen - aber bitte mit doppelter Sahneportion. Darf's noch ein Stückchen mehr sein? Die Leckermäulchen sind voll des Lobes und schwelgen in der Kunst des Pompöös-Konditors.

Nur Standard dagegen ist die Eiskarte, die die gefrosteten Kugeln zu alltäglichen Schlemmereien komponiert. Für einen gediegenen Eisbecher gibt es wahrhaftig bessere Genuss-Adressen in der Kurstadt.

Frühstück in gängigen Kombinationen - oder zum pompösen Preis

Das Café Pompöös will nicht nur am Nachmittag besucht sein, sondern öffnet täglich um 9 Uhr. Die Frühstückskarte wartet mit gängigen Kombinationen zu ortsüblichen Preisen auf, wobei man die Extras erfreulicherweise auch einzeln bestellen kann.

Eine allerdings exquisite Ausnahme stellt das in Bad Dürkheim wohl beispiellose Champagner-Frühstück dar, das den feinperligen Pikkolo einer Weltmarke französischer Provenienz samt Lachs und allem, was so ein pompöses Frühstück ausmacht, einschließt. Mit knapp 60 Euro - pro Person - ist es jedoch auch so pompös kalkuliert, dass es einem am frühen Morgen schon den Magen verschla-gen könnte. Es geht zum Glück auch 35 Euro preiswerter mit dem Secco vom nahen Weingut Fitz-Ritter - nicht Fritz, wie die Karte insinuiert. Doch in Dürkhei-mer Hotels hält mancher Gast trotz eines reichhaltigen Büffets selbst 15 oder 17 Euro pro Nase für's Frühstück schon für überzogen. 

Licht und Schatten auf der Café-Terrasse

Wir fanden bei unserem Erstbesuch auf Anhieb leider keine Getränkekarte, die wegen der Weinpräsentation in der Pfalz doch nicht ganz unwichtig ist. Vielleicht gäb's ja eine pompöse Kreszenz zu entdecken ...? Ungeklärt blieb deshalb leider auch, welchen Wein das Café Pompöös in die Schorle mischt, die, wie zu erfahren war, zum Wurstmarkt-Fest-Preis von 4,50 Euro im Halbliterglas ausgeschenkt wird.

Interessiert hätte uns auch, ob das Café Pompöös Harald Glööcklers "Dark Elle-gance" Espresso-Bohnen oder seine "Golden Shine"-Mischung mit der Silhouette des Exzentikers aufbrüht. Oder welche auch immer erlesene oder gar fair gehan-delte (!) Kaffee-Sortierung durch die - einzige, zur Kaffeezeit vermutlich überforderte Siebträgermaschine - gepresst wird. Derlei Informationen gibt's mittlerweile sogar im Straßencafé.

Angenehm überrascht waren wir von der Qualität der Apfelschorle, die - wahr-haftig - ungefilterten Saft enthielt. Der schmeckt wirklich - nämlich bananig - nach Apfel und hat nichts mit dem geschmacksentleerten, ziemlich faden Filtrat zu tun, das einem ansonsten meist unter den Sprudel gejubelt wird - lebensmit-telrechtlich korrekt, aber doch weit entfernt von einem Apfelgenuss und einer auch Streuobstwiesen-Gegend nicht würdig. Traubensaft wurde leider nicht als Schorle serviert - ein echtes Manko erst recht in der Pfalz.

Dazu orderten wir den Flammkuchen mit frischen Pfifferlingen, die ein wenig gründlicher geputzt hätten werden können. Zwar sautiert, waren sie auch schon wieder kalt, bis sie den Weg auf unseren Terrassentisch gefunden hatten, und boten auf der vorgefertigten, dann nur noch lauwarmen Teigunterlage mit Schmand und Zwiebeln einen etwas lieblosen Anblick.

Für wahrlich pompöse Genüsse bleibt noch Luft nach oben

Aller Anfang ist schwer, und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das redlich bemühte Servicepersonal bat bei unserem Besuch denn auch brav um Nachsicht.

Man mag den verwandtschaftlich mit Harald Glööckler verbandelten Betreiber-Gebrüdern Bernd und Jochen Frey und ihrem Team zugute halten, dass an diesem Freitag-Spätnachmittag nach der Eröffnung natürlich Hinz und Kunz das neue Café Pompöös beehren wollten. Sie standen sogar an um die Outdoor-Tische, die auf der Freifläche allerdings noch hätten erweitert werden können. Doch die neuen Kaffeehaus-Wirte wären nicht die ersten Gastronomen in der Pfalz, die mit Personalsorgen kämpfen ...

Für wahrlich pompöse Genüsse bleibt aber noch Luft nach oben über dem Dürkhei-mer Kurpark, und von der Fünf-Sterne-Location, die Glööckler bei der Eröffnung gefeiert wissen wollte, ist das Café Pompöös noch ein ganzes Stück weit entfernt. Ihm bleibt jedoch, was diese Örtlichkeit schon immer ausgezeichnet hat: eine der schönsten Café-Terrassen der Pfalz mit Blick über die Haadt, Rebfelder, den schmucken Kurpark, den Bachlauf der Isenach und das Wechselspiel der Fontänen vor der Brunnenhalle.

Beliebtes Plätzchen für einen Kaffeeplausch: die gut beschattete Terrasse des Cafés Pompöös.
Beliebtes Plätzchen für einen Kaffeeplausch: die gut beschattete Terrasse des Cafés Pompöös.

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Kommentare: 1
  • #1

    Klaus Kochendörfer (Mittwoch, 16 Oktober 2019 17:36)

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