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Der Eichenprozessionsspinner macht immer mehr Ärger

Die Raupe mit den gefährlichen Haaren

Der Eichenprozessionsspinner profitiert vom Klimawandel und macht mit seinen unangenehmen Nebenwirkungen auch in der Pfalz von sich reden. Doch vor den giftigen Haaren der Raupen, die Allergien auslösen können, kann man sich mit etwas Vorsicht schützen. Am Besten: Man meidet Eichen großräumig.

Bis zu fünf Zentimeter lang werden die Raupen des Eichenpro-zessionsspinners. Seinen Namen hat er von den prozessions-artigen Wanderungen bei der Nahrungssuche. Foto: SDA
Bis zu fünf Zentimeter lang werden die Raupen des Eichenpro-zessionsspinners. Seinen Namen hat er von den prozessions-artigen Wanderungen bei der Nahrungssuche. Foto: SDA

So zum Beispiel auch die stattliche Eiche am Wirt-schaftsweg in den Rebfeldern der Lage "Fronhof", von un-serem Ferienhof in Sichtwei-te nur ein paar Gehminuten entfernt. Der Baum ist seit einigen Jahren bekannt als Brutstätte für die lästigen Insekten. Im Sommer warnt eine Hinweistafel regel-mäßig vor den Gesundheits-gefahren. Das Areal rund um den Baum ist dann mit rot-weißem Flatterband abge-sperrt, damit ja keiner auf die Idee kommt, auf der Sitz-bank im Schatten des Eichen-laubs Platz zu nehmen.

Auch entlang des Rad- und Wanderweges Richtung Neustadt, unter Eichenalleen oder am lichten Waldrand breitet sich das Insekt, in seiner adulten Form eigent-lich ein unscheinbarer und dann auch ungefährlicher Nachtfalter, teilweise mas-senhaft aus.

Weniger betroffen sind Eichen in dichten Waldbeständen. Dort zählt der Spinner allenfalls zu den kalkulierbaren "wald-typischen Gefahren". Denn als Kinderstube bevorzugt er sonnige, warme  Standorte - lauschige Plätzchen also, wo auch Wandersleut Lust verspüren könnten zu rasten.

Er nistet - zum Glück - ausschließlich in Eichen, die die Raupen dann allerdings erkennbar kahl fressen können. Doch der Kahlfraß muss kein zwingendes Zeichen für einen Befall sein. Denn vor den Folgen der gefräßigen Raupen schützen sich Eichen mit dem sogenannten Johannistrieb. Sie setzen im Juni nochmals neues Blattwerk an und wehren sich so erfolgreich gegen den Laubverlust.

Gefahr von giftigen Nesselhaaren ab Mitte Mai bis weit in den Herbst

Gefahr droht Menschen ab Mitte Mai, wenn sich aus den im Herbst gelegten Eiern in den faust- bis fußballgroßen, meist an Astgabelungen sackartig hängenden Nestern der Nachwuchs entwickelt hat. Ab dem dritten Stadium bilden die Raupen feine gefährlichen Brennhaare aus, die in ihrem Hohlraum das Gift Thaumetopein, ein Nesselgift, enthalten. Eine einzige Raupe kann bis zu etwa 600.000 solcher giftigen Haare besitzen. Im Vergleich dazu besitzt der Mensch im Durchschnitt gerade mal 150.000 Haare.

Die giftigen Härchen sind so fein, dass sie unter die Hautoberfläche geraten können. Dort führen sie - als noch harmloseste Reaktion -  zu quaddelähnlichen Schwellungen und juckenden Ausschlägen, die sich meist in wenigen Tagen beruhigen. Aber: Diese Brennhaare können sich mit ihren kleinen Widerhaken auch in Schleimhäuten festsetzen und durch die damit einhergehende Schwellung zu Atemnot führen oder gar schwere allergische Reaktionen bis hin zum lebens-bedrohlichen allergischen Schock auslösen. Sie können nicht nur die Bindehaut des Auges reizen, sondern sogar im schlimmsten Fall in den Glaskörper des Auges geraten. 

Die Gefahr ist deshalb so groß, da ein Windstoß genügen kann, um mit den giftigen Raupenhaaren in Kontakt zu kommen. Und der Wind kann die Här-chen weit tragen ... Deshalb gilt übri-gens auch für warmblütige Tiere wie Hunde, Katzen oder Pferde: Befallene Eichen weiträumig meiden. 

Das Nesselgift ist zudem lange haltbar und deshalb auch in den Gespinsten ab-


Erste Hilfe bei Hautkontakt

Waldarbeiter, die den Kontakt mit dem Eichenprozissiosspinner nicht immer ganz vermeiden können, schwören auf Essigwickel und essigsaure Tonerde, die den Juckreiz lindern. Im Zweifelsfall sollte aber ein Arzt aufgesucht werden.



gelegter Raupenhüllen, die sich an der Baumrinde oder - abgefallen - haufenweise unter dem Baum finden, noch aktiv. Sie sind bis weit in den Herbst, wenn die Raupen längst als Schmetterlinge neue Eier legen, immer noch allergen - deshalb Hände weg, nicht berühren und schnell das Weite suchen!

Folgen des Klimawandels: Der Kuckuck fällt als Schädlingsbekämpfer aus

Der Eichenprozessionsspinner hat viele Feinde, die imstande sind, die lästige Population eigentlich unter Kontrolle zu halten. In manchen Jahren gelang das bisher auch. 

Der Hauptfressfeind der Raupen allerdings wird klimabedingt immer seltener: der Kuckuck. Seine Magenschleimhäute erneuern sich regelmäßig, so dass er den Härchen standhalten kann. Die Vöge aberl, denen er seine Eier in die Nester legt, brüten immer früher im Jahr. Er findet deshalb kaum noch Zieheltern, die sich der Kuckuckkinder annehmen. Der Kuckuck fällt bei der Schädlingsbekämpfung also zunehmend aus.

Aus der Not geboren sind die Abwehrmaßnahmen des Menschen. Insektizide ver-bieten sich im Wald -  erst recht im FSC-zertifizierten Staatsforst - und auch an vielen typischen Eichen-Standorten. Wo die Eichenbäume sich als beliebte Schattenspender großen Publikumsverkehrs erfreuen - etwa im Bereich der Außengastronomie, auf Spielplätzen, Stadtplätzen oder unter viel frequentierten Alleen -, bemüht man sich, den Raupen schon in einem frühen Stadium mit staubsaugerähnlichen Gerätschaften zu Leibe zu rücken - ausschließlich im vollen Schutzanzug mit Kapuze, Schutzbrille und Atemmaske 

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