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Die Traubenlese für den Federweißen hat begonnen

Kerngesund und zuckersüß

Mitten in den Hundstagen und fast eine Woche früher als im vergangenen Jahr begann in Weisenheim am Sand am 10. August die Traubenlese für den Pfälzer Federweißen. Der wartet in diesem Jahr mit einer Überraschung auf, die die Aussicht auf ein gutes Weinjahr 2020 bestärkt.

102 Grad Oechsle: Mit sensationellem Mostgewicht wartet die Solaris-Traube in diesem Jahr auf.
102 Grad Oechsle: Mit sensationellem Mostgewicht wartet die Solaris-Traube in diesem Jahr auf.

Denn der zuckersüße Saft aus der Frühsorte Solaris überzeugt mit einem sensationell hohen Mostgewicht von 102° Oechsle - eigentlich ausreichend, um daraus einen Auslese-Wein zu vinifizieren.

Ebenfalls kerngesunde Ortega-Trauben brachten es beim traditionellen "Ankeltern" immerhin auf stolze 89° Oechsle. Offensichtlich haben die tief wurzelnden Reben die Dürre seit April bisher relativ gut überstanden. Das lässt trotz Hitze-Stress und Sonnenbrand-Gefahr für die bei dem Wassermangel etwas kleinwüchsigen Trauben auf dennoch hohe Qualitäten auch bei den Hauptrebsorten hoffen. Deren Ernte wird voraussichtlich in der zweiten Septemberwoche beginnen.

Gern mit Zwiebelkuchen genossen: Bitzelnder Federweißer
Gern mit Zwiebelkuchen genossen: Bitzelnder Federweißer

Weiße wirbelnde Federchen

Mit ein bisschen Fantasie und einem Schoppenglas des gärenden Mostes vor Augen erschließt sich unschwer, woher der Federweiße seinen Namen hat. Durch die bei der Gärung freigesetzte Kohlensäure werden die winzigen Hefeteilchen aufgewirbelt - sie erinnern an den Tanz von Tausenden kleiner Federchen. So entsteht auch die milchig-weiße Trübe des leicht prickelnden Herbstgetränks.

Ein Leichtgewicht ist der Federweiße deshalb noch lange nicht, denn seine Spritzigkeit und Süße verheimlicht gern den Alkoholgehalt, der bereits in ihm steckt. Je nach Körperkonstitution und Gewicht sind zwei bis drei Viertel eine gute Orientierung, um von seiner Wirkung weder im Kopf noch im Bauch überrascht zu werden.


Frisch von der Kelter oder bitzelnd

Mit der Lese frühreifer Sorten, zu denen auch der speziell in der Pfalz für den Federroten kultivierte Blaue Frühburgunder zählt, ist der Genuss des neuen Weins bis Ende Oktober gesichert. Mit ihm kommt die Vorfreude auf den neuen Jahrgang ins Dubbe-Glas.

Die einen mögen ihn ganz süß als Traubenmost frisch von der Kelter. Erfahrene Freunde des Federweißen üben sich jedoch etwas in Geduld und präferieren den mehr oder weniger vergorenen Federweißen, wenn er sich cremig-weißlich verfärbt, mit jedem Gärtag ein wenig herber schmeckt und von der Kohlensäure schon "bitzelt" - daher auch der Name "Bitzler".

Vitaminreich und gesund

Neuer Wein ist - in Maßen genossen - unserer Gesundheit in vielerlei Hinsicht zuträglich. Die Traube bringt per se schon reichlich wasserlösliche Vitamine mit und glänzt durch eine für die menschliche Ernährung optimale Kombination der Mineralstoffe Kalzium, Magnesium und Kalium. Die Hefe besorgt nicht nur die  Gärung, sondern hat in ihrem Produktionsportfolio auch fettlösliche Vitamine etwa der B-Familie.


Außerdem betonen Wissenschaftler, dass die Hefezellen nicht im Magen absterben, sondern auch noch im Darm entschlackend wirken. Über die verdauungsfördernde, ja abführende Wirkung des gärenden Mostes gibt es einschlägige Erfahrungsberichte - deshalb ist Mäßigung beim Trinkgenuss empfehlenswert, auch wenn's noch so gut mundet. 

Federweißer - ein Pfälzer Produkt mit europäischen Weihen

Bei der Produktion von Federweißem gehört die Pfalz zur Spitze in Deutschland. Nach Angaben der Pfalzwein-Werbung stammt mehr als die Hälfte des in Deutschland erzeugten Federweißen von der Deutschen Weinstraße. In den vergangenen Jahren wurden laut Weinbauverband Pfalz bis zu 1,5 Millionen Liter Bitzler oder Süßer vermarktet.

Dies ist zwar weniger als ein Prozent einer durchschnittlichen Pfälzer Jahresweinernte, doch die Nachfrage steigt ständig. Pfälzer Federweißer wird entweder an Getränkemärkte oder Fachhändler überall in Deutschland versandt, oder er wird ab Hof oder im Straßenverkauf direkt an Endverbraucher verkauft - gerne auch verbunden mit einem Federweißen-Fest.

Was als Federweißer vermarktet werden darf, ist inzwischen durch europäisches Recht geregelt. "Herkömmlich und üblicherweise" ist nach der Definition der Europäischen Gemeinschaft Federweißer ein im Zustand der Gärung befindliches frisches Erzeugnis. Wird die Gärung durch Konservierung zeitweise unterbrochen oder ganz unterbunden, so ist die Angabe Federweißer nicht mehr zutreffend. Ohne "Bitzel" kein echter Federweißer-Genuss.

 

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