· 

Feigen - frisch aus unserem mediterranen Garten

Die feine Frucht vom Paradiesbaum

Fast birnenförmig, versteckt sie sich unter großlappigen Blättern, wo sie in  ihrer braun-grünen Haut fast übersehen wird. Ab Mitte Juli bis weit in den Herbst reift die Frucht in unserem mediterranen Garten und ergänzt den Obstteller unserer Gäste. Einfach lecker, das rosa- bis purpurrote Fleisch der Feige.

Unsere Feigen im Garten sind ab Mitte Juli reif. Fotos: Waree Kochendörfer
Unsere Feigen im Garten sind ab Mitte Juli reif. Fotos: Waree Kochendörfer

Feigen sind wahrhaftig Paradies-früchte. Denn nach der Bibel pflück-ten laut Moses Adam und Eva Fei-genblätter und "flochten sich daraus Schürzen, um ihre Blößen zu ver-decken". Vom Apfel ist dort nicht die Rede, und ob der Baum der Er-kenntnis ein Apfelbaum war, steht dahin.

 

Die Pfalz - ein Garten Eden

Die Pfalz ist also  - als hätte es noch eines Beweises bedurft - der Garten Eden(koben), na sagen wir: ein Paradiesgarten. Denn in der Toskana Deutschlands wachsen so viele Feigenbäume wie sonst nir-gendwo in der Republik. Wieviele, weiß niemand genau, denn die Feige gilt nicht als marktfähiges Produkt des heimischen Obstbaus und wird deshalb in keiner Landwirtschafts-statistik erfasst. Bis heute sträubt sich die Bürokratie der rheinland-pfälzischen Landes- und Kultur-pflege auch, den Feigenbaum als heimisch anzuerkennen. In der Landeshauptstadt Mainz wachsen ja, wenn überhaupt, nicht allzu viele.

 

Feigen-Online-Handel für Selbstabholer

Dennoch hat die Feige einen kleinen lokalen Markt in der Pfalz, sogar online. Denn einerseits steht sie hoch in der Gunst vieler Genießer, andererseits weiß manch stolzer Feigenbaumbesitzer in der Reifezeit nicht, wohin mit den  Früchtchen. Um hier zu helfen, bietet das Pfalz-Portal seit vielen Jahren stets zur Erntesaison eine Feigenbörse im Internet an, die auch rege genutzt wird und die Liebhaber der Paradiesfrucht zusammenbringt.

Schätzungen von 50.000 Feigenbäumen in der Pfalz scheinen realistisch, denn überall zwischen Speyer und Bockenheim, zwischen Bad Bergzabern und Frankenthal trifft man in Vorgärten oder Innenhöfen auf die südländische Pflanze mit den typischen, großgelappten Blättern, die den reifen Früchten Schutz und vor allem viel Schatten bieten.

Zwei dieser Exemplare stehen bei uns im Garten. Von dem Bäumchen hinter dem Haus wissen wir mit Sicherheit, dass es ein weiblicher Feigenbaum mit satter Frucht ist. Der andere wirft wohltuenden Schatten im Innenhof und ist vermutlich ein männliches Exemplar, das aber dennoch - später bis weit in den Herbst hinein - auch essbare, wenngleich nicht ganz so intensiv schmeckende Früchte trägt, abschätzig auch Holzfeige genannt. Wir wollen die komplizierte Sexualität der Paradiesbäume an dieser Stelle nicht vertiefen. Sie ist wahrhaftig komplizierter als bei Adam und Eva - sieht man mal von den zwischenmenschlichen Gefühlsregungen dabei ab, die Bäumen nun mal nicht zugesprochen werden.

200 Tonnen Pfälzer Feigen - ausschließlich zum sofortigen Verzehr

Während die Feigenbäume, botanisch Ficus carica, am Mittelmeer bis zu zehn Meter hoch werden, nehmen sie in der Pfalz meist die Form eines drei bis sechs Meter hohen Strauchs mit einem kurzen, dicken Stamm an. Hundert bis zweihundert der etwa 80 Gramm schweren Früchte trägt ein ausgewachsener Baum. Die Pfälzer Ernte kann daher auf 200.000 Kilogramm geschätzt werden. Mindestens.

Da fragt man sich freilich, warum die Pfalz, sonst in der Vermarktung ihrer einzigar-tigen Genüsse und seltenen Schätze recht findig,  kein Feigenfest feiert. Denn blü-hende Mandelbäume - etwa zur gleichen Zeit übrigens wie die freilich viel unschein-barere Blüte der Feigen -, Esskastanien und - zu aller-erst natürlich - der Wein geben doch auch reichlich Hintergrund für derlei Anlässe.

Leicht verderbliche Ware

Ein Grund dafür ist erstens die kurze Haltbarkeit der Feigenfrüchte sowohl am Baum oder Strauch und erst recht, wenn sie gepflückt sind. Sie müssen frisch ver-arbeitet werden. Zweitens reifen nicht alle Feigen an einem Baum gleichzeitig, sondern nacheinander. Das freut uns durchaus, denn so gibt's während der Erntezeit jeden Morgen ein paar fri-sche Früchtchen zu pflücken, die den Frühstückstisch bereichern. An guten Tagen reicht's sogar für unseren begehrten Feigenkuchen (Rezept siehe rechts) oder - vor allem von der späteren Ernste - für ein paar Gläser Marmelade. Auch nicht schlecht. Eine Vermarktung im großen Stil aber setzte angesichts dieser Eigenarten der Pflanze einen Anbau auf großen Flächen voraus. Und die sind in der Pfalz nun mal meist mit Reben bestockt.

Echt was für Feinschmecker

Deshalb machen die Pfälzer nicht viel Aufhebens um die  

Der gestürzte Feigenkuchen

Feigen wollen frisch verarbeitet werden. Unser Lieblingsrezept für einen Feigenkuchen stammt aus Frankreich. Vive la France!

Unser Feigenkuchen - eine sommerliche Leckerei.
Unser Feigenkuchen - eine sommerliche Leckerei.

Der Feigenkuchen ist einfach von den Zutaten her, einfach und genial in der Zubereitung und nur genial im Geschmack.

Es ist ein gestürzter Kuchen. Dazu werden etwa ein zentimeterdicke runde Scheiben von acht bis zehn frischen Feigen (ohne Haut) eng nebenein-ander und mit der roten Seite der Frucht nach unten auf den gut gefetteten, mit Mandelblätt-chen ausgelegten und mit zwei bis drei Esslöffeln Zucker bestreuten Blechboden einer Kuchenform (24 bis 26 cm) gelegt. Während des Backens werden Feigen und Mandeln karamellisieren und später das süße fruchtige Topping des Kuchens bilden.

Der Kuchenboden wird aus zwei Tassen Mehl, ei-ner halben Tasse Sonnenblumenöl, drei Eiern, je einer Tasse Zucker (gerne auch weniger), ge-mahlener Mandeln und Joghurt sowie einem Beu-tel Backpulver gerührt, wobei nach Geschmack auch etwas Bittermandelaroma zugegeben wer-den kann. Die zähflüssige Masse wird gleichmäßig auf den Feigen verteilt - Glattstreichen erübrigt sich fast.

Lassen Sie den so geschichteten Kuchen im vorgeheizten Backofen bei 180°C (Umluft) 30 bis 40 Minuten backen (Stichprobe). Danach kühlt er mindestens 30 Minuten ab. Nach dem Umdrehen und Öffnen der Kuchenform wird der Boden der Kuchenform vorsichtig abgehoben. Feigen und Mandeln grüßen verlockend aus einer rötlichen Zuckerschmelze. Dazu passen nicht nur Kaffee oder Tee in allen Variationen, auch ein leichter säurearmer Sommerwein erhöht den Genuss. Wohl bekomm's!


Paradiesfrucht, ihre kulinarischen Qualitäten indessen sind in der Pfalz schon lange bekannt und geschätzt. Einige Konditoren haben Feigenkonfitüre, Feigenpralinenoder sogar eine Feigentorte im Angebot. Obstgüter und Brennereien verarbeiten die Früchte zu Feigenlikör. Winzer verwöhnen ihre Kunden mit Feigen aus ihrem Garten, eingelegt in Wein. 

Ein Gaumenkitzler: Quiche mit Feigen und Schinken - ohne Melone

Natürlich nutzen auch die hiesigen Köche das Geschenk des milden Klimas. Denn wer glaubt, zum Schinken passe am besten Melone, hat - zumindest im Juli und August - die Rechnung ohne die Feige gemacht. Im Gegenteil: Die Feige war früher der natürliche Begleiter zum Schinken und wurde erst in jüngerer Zeit von der Melone verdrängt. So findet sich in alten Pfälzer Kochbüchern beispielsweise eine Rezeptur, eine Quiche mit Schinken und Feigen herzustellen.

Der Feigenbaum ist wie die Weinrebe ein nobler römischer Import

Feige Weintraube
Weintrauben und Feigen - eine in vielerlei Hinsicht genussreiche Kombination.

Wie auch die Weinrebe, so haben die Pfäl-zer den Feigen-baum den Rö-mern zu ver-danken. Das be-legen Feigen-kerne, die in Latrinen aus der Römerzeit gefunden wur-den. Die Vermutung liegt nahe, dass die Römer neben ihren Weinstöcken Feigen-bäume pflanzten - beide begnügen sich nämlich mit ähnlichen Standortbedingun-gen. Wie das ausgesehen haben könnte, lässt sich noch heute an vielen Orten entlang der Deutschen Weinstraße bewundern, am besten vielleicht am römischen Weingut auf dem Weilberg bei Bad Dürkheim-Ungstein.

Gleich eine ganze Allee von Feigenbäumen ist in Deidesheim in der Deichelgasse zu bewundern. Ihre Pflanzung wurde von einem früheren Bürgermeister Anfang des 20. Jahrhunderts veranlasst. Wer diese berühmteste Feigenlage der Pfalz besuchen möchte, sollte lieber gleich nach der Feigengasse fragen, wie der Volksmund sie benennt. 

Maulbeergewächs mit Migrationshintergrund

Tatsächlich bilden Wein(-reben) und Feigen(-bäume) eine nicht nur in kulinarischer Hinsicht harmonische Kombination: Beide zählen seit alters her zu den edelsten Gewächsen und haben ähnliche Ansprüche an Standort und Klima. Sie lieben Sonne und Wärme. Niederschläge von 500 bis 600 Millimeter pro Jahr reichen dank ihrer meterlangen Wurzeln, die bis ins Grundwasser reichen, aus. Auch leichten Frost ertragen sie. Nur lang anhaltende Temperaturen unter -15^C Grad machen ihnen zu schaffen, weshalb sie gerne an geschützten Stellen z. B. in Mauernähe gesetzt werden.

Die eigentliche Heimat der Feige, die botanisch zu dem Maulbeergewächsen zählt,  sind Vorderasien und die Länder am östlichen Mittelmeer. Nach ägyptischen Dokumenten wurde die Pflanze schon 2000 bis 3000 vor Christus in Kanaan angebaut. Die Griechen brachten sie von dort nach Italien. Heute besiedeln Feigen fast alle tropischen und subtropischen Gebiete der Erde.

Das Vorkommen der Feige in Deutschland ist erstmals in einer Schrift von Karl dem Großen von etwa 800 nach Christus belegt. Wolfram von Eschenbach berichtet im "Parzival”, in den Burggärten werde unter anderem der "Vigenboum" kultiviert. Hildegard von Bingen zählte Feigen zu den "bedingt guten Nahrungsmitteln". Man wusste damals schon, dass "frische Feigen dem Magen nicht zum besten bekommen” und "den Bauch erweichen”, also abführende Wirkung haben. Hyronimus Bosch  empfahl gar bei Hartleibigkeit drei bis fünf Feigen - eine eher homöopathische Dosis - und ließ die Folgen einer solchen Kur recht drastisch in einer Illustration darstellen.

Wie das so ist mit den Genüssen: Auf die Dosierung kommt es an. Alles in Maßen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0