Die Dürkheimer Gondelbahn

Das Ende einer unendlichen Geschichte

Happy End für eine unendliche Geschichte der Kurstadt? Zum Zwecke der Wiederbelebung der Dürkheimer Seilschwebebahn vom Wurstmarktplatz zum 160 Meter höher gelegenen Teufelsstein hat die Stadt mit dem Eigentümer einen notariellen Vertrag geschlossen. Jetzt wird ein Investor gesucht. 

Seilbahn Bad Dürkeim
Touristenattraktion: Von 1973 bis 1980 schwebte über Bad Dürkheim hinweg zum Teufelsstein eine Gondelbahn. Foto: Stadt Bad Dürkheim

Die Gondelbahn, neben der Riedburgbahn bei Edenkoben die einzige Seilbahn an der Haardt, war von 1973 bis 1980 eine Touristenattrak-tion der Kurstadt, gar der Pfalz. Sie lockte jedes Jahr immerhin um die 100.000 Fahrgäste an. Nach höchstrichter-lichem Urteil musste die Bahn dann aber den Betrieb einstellen. Der Grund: Das Bundesver-fassungsgericht bewertete die Interessen von einem halben Dutzend Klägern, deren Grundbesitz unter der Seilbahntrasse lag, letztinstanzlich höher als das kommunale Ziel der Tourismusförderung und den Allgemeinnutzen für den Fremdenverkehr.

Die Stützpfeiler der Gondelbahn mussten komplett abgebaut werden. Die Berg-station fiel im Jahr 2000 - mutmaßlich nach einer Brandstiftung -  in Schutt und Asche.

Übrig blieb allein das Gerippe der Talstation direkt an der viel befahrenen Bundesstraße beim Wurstmarktplatz. Ein auffällig sichtbarer, nun gut 35 Jahre funktionsloser und unschöner Stahltorso, vor dessen beklemmend schauerlicher Kulisse bislang regelmäßig das Eröffnungsspiel zum größten Weinfestes der Welt stattfand. Das soll in diesem Jahr beim Jubiläumsauftakt zum Wurstmarkt am 8. September anders sein, denn als Hintergrund ist der Gradierbau gewählt, auf den die Dürkheimer - zu Recht - wirklich stolz sind.

"Zwischen Zweckoptimismus und Luftschlossbauerei"

Eine Bürgerinitiative unterstützte die Regenerierung der Dürkheimer Gondelbahn. Foto: Bürgerinitiative
Eine Bürgerinitiative unterstützte die Regenerierung der Dürkheimer Gondelbahn. Foto: Bürgerinitiative

Der heutige Eigentümer trat das Erbe seines Vaters mit dem ungebrochenen Willen an, die Seilschwebebahn wieder zu beleben. Unterstützung erfuhr er anfänglich von einer Bürgerinitiative "Pro Gondelbahn", die unter dem Motto "Hoch soll sie schweben" über 7.000 Unterschriften für ihren Wiederaufbau sammelte, sich aber seit 20001 nicht mehr veranlasst sah, ihre Homepage zu aktualisieren.

Es ging nichts mehr voran, auch wenn es dem Eigentümer gelang, in zwanzig Jahren 31 Grundstücke entlang der Trasse aufzukaufen bzw. sich 28 Grund-dienstbarkeiten für die Überfahrtsrechte der Gondeln zu sichern. Auf dieser Basis aufbauend, erreichte er 2006 sogar die bis heute rechtsverbindliche Genehmigung für den Wiederaufbau.

Seitdem betrieb er mit allerhand nicht realisierten Ankündigungen sowie zunehmend suspekten Aktionen sein Lebensprojekt weiter - im Wesentlichen ohne Fortune. "Zwischen Zweckoptimismus und Luftschlossbauerei" beschreibt die Dürkheimer Lokalzeitung sein "Wunschdenken", das die Öffentlichkeit zunächst mit kopfschüttelndem Unverständnis, dann mit wachsendem Unglauben und - ob der Ruine an unübersehbarer Stelle - gar mit unverhohlenem Unmut quittierte. Auch gut gemeinte politische Initiativen halfen nicht weiter.

Vertrauen gegen Vertrauen: Zum "vernünftigen Preis" an einen Investor

Hat der Träumer am Ende den längeren Atem? Zwar traut dem heute 78-Jährigen niemand ernsthaft zu, das in der Zwischenzeit auf über zwölf Millionen Euro veranschlagte Projekt "Wiederaufbau" selbst stemmen zu können. Doch Bad Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger, ein ausgewiesener Kommunika-tionsspezialist und seit Januar 2016 im Amt, verschaffte sich offensichtlich Zugang zu dem als verschlossen geltenden Einzelkämpfer und muss sein Vertrauen gewonnen haben. Denn dieser Tage wurde dessen Bereitschaft notariell beurkundet, das Seilbahn-Projekt im derzeit genehmigten Zustand mit allen Dokumenten inklusive Baugenehmigung sowie Grundbesitz und -rechten zu einem, wie es hieß, "vernünftigen Preis" an einen Investor zu verkaufen.

Damit hat sich ein Weg eröffnet, die Investorensuche kommunal zu begleiten und zu intensivieren. Erste Interessenten und deren Konzepte will das Rathaus bereits Ende August (dieses Jahres!) präsentieren. Die Vorgespräche stimmen den Bürgermeister zuversichtlich: "In Bad Dürkheim wird wieder eine Gondelbahn fahren", wird er, viel versprechend, zitiert.

Und auch der Eigentümer verbreitet weiter Optimismus: Anhand der vorhandenen Unterlagen lasse sich das die Gondelbahn in gut einem halben Jahr realisieren.

Balanceakt im UNESCO-Biosphärenreservat

Neben nachgewiesener Finanzkraft und der Erfahrung, ein solches Projekt umzusetzen und dann auch langfristig zu betreiben, erwartet man im Dürkheimer Rathaus vor allem ein schlüssiges Konzept, die über einen Kilometer lange Luftseilbahn über den kurz gehaltenen Baumwipfeln naturnah einzubinden und insbesondere das Waldrevier rund um die Bergstation einem eher sanften Tourismus zu erschließen.

Denn die Bergstation auf dem Teufelsstein, dessen Kuppe ein riesiger sagenumwobener Findling ziert, liegt im UNESCO-Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, zudem in der Nähe eines Europäischen Vogelschutzgebiets und in einem prähistorisch interessanten Areal. Dies verlangt bei der Projektumsetzung ein gewisses Verantwortungsbewusstsein sowie ökologisches Fingerspitzengefühl und lässt allenfalls schonende Eingriffe zu. Das Projekt bietet die Chance, aber auch die Herausforderung, Wald und Natur erlebbar zu machen, ohne sie zu zerstören. Ein Balanceakt, bei dem wohl viele noch ein Wörtchen mitreden wollen und manche auch mitzureden haben - und der nicht immer gelingt.

Ende gut, alles gut?

Die Kurstadt, befleißigt sich ihr Rathaus zu betonen, gewährt dem Projekt finanziell keinerlei Unterstützung, auch nicht in Form einer Bürgschaft. Als vereinbart gilt auch, dass die Ruine der Talstation abgerissen wird, sollte sich bis Ende des Jahres kein Investor finden.

So oder so - die endlose Dürkheimer Gondelbahn-Geschichte wird in absehbarer Zeit zu Ende gebracht.

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