Der stählerne Torso am Wurstmarktplatz wird abgerissen

Dürkheims Gondelträume schweben dahin

Dürkheims Ungetüm am Wurstmarktplatz, die ehemalige Talstation der Gondelbahn, fällt bis spätestens Mai dieses Jahres. Denn die Mannheimer Investoren, durchaus potent und willens, haben das Handtuch geworfen: Zu groß die Hürden, zu hoch die Risiken, um auf den Teufelsstein zu schweben.

Bleibt Episode der Stadtgeschichte und ein Traum: die Dürkheimer Gondelbahn. (Postkarte Ende der 70er-Jahre).
Bleibt Episode der Stadtgeschichte und ein Traum: die Dürkheimer Gondelbahn. (Postkarte Ende der 70er-Jahre).

In der Kurstadt nahm man die Kunde vom geplatzten Traum-projekt mit durchaus gemischten Gefühlen auf. Manche winken ab und sind nicht traurig, dass der befürchtete Ganzjahres-"Rummel" auf dem Dürkheimer Hausberg und - verkehrstechnische Probleme inklusive - in der Kleinstadt nun definitiv ausbleibt. Andere trauern um die verpasste letzte Chance für eine touristische Attraktion, die - unbestritten -die Gondelbahn in den 1970er-Jahren ja war. 

Umplanungen und eine diffizile Entscheidung im Rathaus - Ausgang ungewiss

Mit dem grundsätzlichen Segen des kurstädtischen Gemeinderats hatten die Investoren aus Mannheim monatelang ernsthafte und dem Vernehmen nach auch konstruktive Gespräche mit den Genehmigungsbehörden geführt, um die formalrechtlich seit 2006 bis heute bestehende Baugenehmigung für die Schwebeseilbahn realistischerweise in eine Betriebsgenehmigung umzumünzen.  Für diese Herausforderung hatten die Investoren eigens Spezialisten mit ins Boot geholt, die ihre Expertise unlängst auch beim Bau der neuen Rekord-Seilbahn auf die Zugspitze eingebracht hatten.

Doch der Teufelsstein ist nicht Deutschlands höchstes Bergmassiv, und was theoretisch denkbar scheint, scheitert in der Praxis: Die Technik des heutigen Seilbahnbaus begnügt sich nicht mit Anforderungen einer Gondelbahn der 1970er-Jahre und hätte erhebliche Umplanungen und tiefere Eingriffe erforderlich gemacht - bis hin zu einer neuen, deutlich weiter in den Wurstmarktplatz hinein ragenden Talstation für die größeren Kabinen.

Mit neuen Plänen aber wären Widersprüchen und Klagen Tür und Tor geöffnet worden - Ausgang ungewiss, das finanzielle Risiko der Investoren schwerlich kalkulierbar und letztlich untragbar.

Ganz abgesehen von der für die Dürkheimer Kommunalpolitik ungemein diffizilen Entscheidung, dem Seilbahn-Projekt einen Teil des Wurstmarktgeländes dauerhaft zu opfern, wo im September alle Jahre traditionell gut und gern gefeiert wird und ausgesuchte Dürkheimer Weine die Kehlen hunderttausender Besucher benetzen und ihre Gaumen schmeicheln. Dieser Kelch, so mag man im Rathaus frohlockt haben, geht an den Ratsherren und -damen nun vorüber.

Zwei Hürden - zu hoch auch für willige Investoren

Letztlich ausschlaggebend waren offenbar zwei hohe Hürden, die die Investoren nicht nehmen wollten bzw. konnten.

Zum einen hätte das Projekt eine arten- und vogelschutzrechtliche Prüfung vorausgesetzt - in sensibler Natur am Rande des UNESCO-Biospärenreservats Pfälzerwald - Nordvogesen . Eine solche Untersuchung nimmt mindestens anderthalb Jahre in Anspruch und könnte darüber hinaus womöglich langwierige Einsprüche nicht nur des Naturschutzes provozieren.

Zum anderen hätten die bestehenden grundrechtlichen Vereinbarungen erweitert werden müssen, um die Überflugsrechte für eine auch breitere Trasse einer moderneren Seilbahn zu sichern. Mindestens zwei Grundstückseigner, die ja schon vor dem Bundesverwaltungsgericht obsiegten und damit 1980 das Aus der Gondelbahn besiegelten, hätten sich diesem neuerlichen Ansinnen nach eigenem Bekunden widersetzt.

Spätestens im Mai fällt der stählerne Torso

Damit ist das Schicksal der Dürkheimer Gondelbahn endgültig besiegelt, auch wenn der Eigentümer, der sich der Erfüllung seines Lebenstraums nahe fühlte, zunächst noch überlegte. Absprache mit dem Dürkheimer Bürgermeister, der die Wiederbelebung des Projekts eingefädelt hatte, ist jedoch, dass der Stahltorso am Wurstmarktplatz abgerissen wird, wenn die Bemühungen der Investoren im Sande verlaufen.

So wird es nun kommen. Bis Mai, so ließ der Eigentümer schriftlich wissen, soll das Ungetüm beseitigt sein. Bis Mai 2018. Die Kurstadt atmet auf.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0