Gemeinderat: Ja zur Wiederbelebung der Gondelbahn

Bad Dürkheims schwebender Traum

Fixiert an dicken Stahlseilen, schwebt die Gondel über der Kurstadt hinauf zum Teufelsstein, "vom Kurpark zum Naturpark", wo die Besucher Hochseilabenteuer und eine spaßige Schwebefahrt auf der "Fly-Line" erwartet ... Das ist noch eine Vision, doch die "verrückte Idee" überzeugt Gemeinderäte und geht in Planung. 

Schon früher warb die Dürkheimer Gondelbahn mit naturnaher Erschließung des Freizeitvergnügens am Haardtrand. Foto: Archiv BI Pro Gondelbahn
Schon früher warb die Dürkheimer Gondelbahn mit naturnaher Erschließung des Freizeitvergnügens am Haardtrand. Foto: Archiv BI Pro Gondelbahn

Nach dem viel gelobten Coup des Dürkheimer Bürgermeisters, den Gondelbahn-Eigentümer vom Verkauf seines über 35 Jahren brachliegenden Lebenswerkes zu überzeugen, präsen-tierte Christoph Glogger heute - wie versprochen - im Gemeinderat tat-sächlich einen ebenso glaub- wie ernsthaft interessierten Investor zur Wiederbelebung eines Dürkheimer Traums, der manchem allerdings mitt-lerweile auch zum Trauma geworden ist. Denn die Seilschwebebahn war 1981 auf höchstrichterliches Geheiß zwangsweise stillgelegt worden und hinterließ den unansehnlichen Stahltorso der Talstation - in exponierter Lage direkt am Wurstmarktplatz. Immerhin: In den rund acht Jahren ihres Betriebs hatte die Gondelbahn rund zwei Millionen Fahrgäste auf den Teufelsstein befördert und galt als eine der größten Attraktionen der Weinstraße (mehr zur Vorgeschichte hier).

Die "Fly Line"- einmalig in der Pfalz

Der Mann, der es anpacken, "planen, in absehbarer Zeit bauen, betreiben und im Familienbesitz behalten" will: Mathias Hensel, Chef einer inhabergeführten Projekt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft in Mannheim, zu deren Kerngeschäft u. a. der Erwerb und die Revitalisierung gewerblicher Objekten gehört. Die Unternehmung hat sich mit erfolgreichem Projektmanagement gar von kompletten Gewerbeparks auch bei Kommunen einen guten Namen gemacht. Hensel zeigt sich darüber hinaus gut vernetzt mit Umwelt- und Landschaftsplanern, einem Weltmarktführer der Seilbahn-Konstruktion und "Erlebnismachern", die rund um die Bergstation eine sog. "Fly-Line" errichten wollen, die dritte ihrer Art in Deutschland und für die Kurstadt gewiss ein Alleinstellungsmerkmal in der Pfalz. Die patentierte "Fly-Line“ ermöglicht den Fahrgästen, in einem Gurt sitzend und von einer zwischen Bäumen verspannten kurvenreichen Aluminium-Schiene geführt, fast lautlos durch den Pfälzerwald zu schweben.

Hensel ist darüber hinaus offen, behutsam in sein Konzept einfließen zu lassen, was der 165 Meter über der Kurstadt liegende Teufelsberg bietet: Kriemhilden-stuhl, Keltenwald ... Sein Schlüssel zum erhofften Erfolg: eine Verbindung von Geschichte, Natur(-schutz) und Abenteuer. Aber: "Wir wollen keinen Rummel dort", unterstreicht der Investor mehrfach und betont: "Es ist Ihr Berg."

Forest Park - der Investor lebt einen Traum vom naturnahen Freizeitvergnügen

Nicht zuletzt bringt Mathias Hensel seine Erfahrung als Co-Geschäftsführer der Fun Forest GmbH ein, die mit 130 Mitarbeitern in Kandel, Offenburg/Main und Homburg/Saar Erlebnisparks betreiben. Erfolgskonzept: "Fun Forest steht für den Erhalt des ganzen Waldes mit all seinen Bewohnern." Und weiter heißt es im Unternehmenscredo: "Wir räumen deshalb dem nachhaltigen Umgang mit allen Ressourcen und dem Schutz von Tieren und Pflanzen rund um unsere Anlagen größten Stellenwert ein. Es ist unser Anliegen, dass sehr viele Kinder und Jugendliche durch den Aufenthalt in unseren Kletterparks wieder einen schon teilweise verlorenen Bezug zur Natur zurückgewinnen und ein Bewusstsein für den Erhalt einer intakten Umwelt entwickeln."

150.000 Seilbahn-Gäste im Jahr - worst case - bei einem Durchschnittsbeförde-rungsentgelt von 7,50 € sollen laut Hensel reichen, um das Projekt wirtschaftlich zu betreiben. 

Klares Votum im Dürkheimer Gemeinderat

Angesichts der Referenzen und Expertise des Investors, vor allem aber ob seines überzeugenden Bekenntnisses zu einer naturnahen und umweltverträglichen Freizeitnutzung des ökologisch wie archäologisch sensiblen Teufelssteins und nicht zuletzt unter dem Aspekt der nachhaltigen Tourismusentwicklung der Kurstadt fiel dem Dürkheimer Gemeinderat heute das "Ja" zur weiteren Projektentwicklung nicht schwer. Zielführend war dabei sicher Hensels Zusage, alle Beteiligten und Behörden bis hin zu Umweltverbänden und Forstverwaltung mit ins Boot zu nehmen und im Rahmen des Projekts auch wichtige Themen wie Besucherlenkung, Parkplatzmanagement, Waldwegeausbau usw. zu berücksichtigen. Tatsächlich gilt es Bedenken auszuräumen, denn machen Stimmen befürchten, die Kurstadt könne gar vom Fremdenverkehr überrollt werden.

Keine Zweifel ließen die Projektmanager auch am Zeitplan aufkommen: Die Detailpanung wird mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Den Spatenstich terminieren die Projektplaner frühestens Mitte des nächsten Jahres. Ostern 2019, so Hensels "Traumziel" bei allen Unwägbarkeiten, könnten vielleicht die ersten Gondeln zum Teufelsstein schweben.

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Kommentare: 2
  • #1

    Bert S. aus Bad Dürkheim (Mittwoch, 06 September 2017 16:15)

    Das alles beschert uns nur noch mehr Tourismus. Wie soll Bad Dürkheim das verkraften, erste recht wenn auch noch die neuen Therme gebaut ist? Sanfter Tourismus? Beim Wurstmarkt sind heute schon die Straßen verstopft und es herrscht bittere Parkplatznot. Das Chaos pur!

  • #2

    Klaus Kochendörfer (Donnerstag, 07 September 2017 08:21)

    Lieber Bert S.
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie sprechen eine Thematik an, die bei dem Projekt sicher auch bedacht werden muss. Warten wir's ab, bis das Gesamtkonzept vorliegt, das gewiss auch schlüssige Lösungen für die Lenkung der Besucher und die Parkplatzsituation aufzeigen muss. Ich denke, diese Fragen sind mit allen Beteiligten zu diskutieren, und auch der Gemeinderat und die Behörden werden da noch ein Wörtchen mitreden wollen. Bislang ist ja nur beschlossen, dass nun eine Detailplanung erstellt wird. Sie wird die Grundlage für die weitere Abstimmung sein.
    Wenn der Wurstmarktplatz nicht durch Veranstaltungen belegt ist, steht er als (kostenloser) Parkplatz auch für Gondelbahnfahrer zur Verfügung. Und so viele Gäste, wie der Wurstmarkt an einem spätsommerlichen Samstagabend anzieht, werden wohl nicht auf einmal die Seilschwebebahn "stürmen".