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Ehemalige Gondelstation: Wurstmarkt könnte Zuwachs bekommen

Größtes Weinfest noch größer?

Das größte Weinfest der Welt, der Wurstmarkt, könnte vielleicht ab 2020 noch größer werden. Denn der Eigener der ehemaligen Gondelbahn, deren Talstation im Mai dem Boden gleich gemacht wurde, will die Fläche der Kurstadt übergeben. Eine Vereinbarung ist unterschrieben, doch es gibt weiter Vorbehalte.

Ein Aufkleber als Erinnerungsstück an die  Dürkheimer Gondelbahn, die von 1973 bis 1981 in Betrieb war.
Ein Aufkleber als Erinnerungsstück an die Dürkheimer Gondelbahn, die von 1973 bis 1981 in Betrieb war.

Denn ganz zu Ende scheint die endlose Ge-schichte der Gondelbahn wohl noch nicht. Der Eigentümer ist nämlich weiterhin willens, seinen Traum von einer Luftseilschwebebahn zum 317 Meter hohen Teufelsstein wieder zu beleben. Er sucht jetzt nach einer gebrauchten Gondelbahn, die heutigen Anforderungen ge-nügt, um sie in Bad Dürkheim wieder aufzubau-en.

Das Investitionskapital für das wohl millionenschwere Projekt, von dem andere durchaus willige und ernstzunehmende Investoren wegen zu hoher Risiken im letzten Jahr die Finger ließen, will der Eigentümer dem Vernehmen nach durch eine Bürgerbeteiligung aufbringen.

Umzüge von Seilbahnen sind technisch möglich und durchaus erprobt: Ein Teil Gondeln der Seilbahn, die im Jahr 2000 über dem Expo-Gelände Hannover schwebte, bringen heute in den Kitzbüheler Alpen Fahrgäste zum Skigebiet Fieberbrunn. Ein anderer Teil der Expo-Gondeln pendelt erfolgreich zwischen Multen und dem Belchen-Haus auf dem zweithöchsten Gipfel des Schwarzwalds.

Und tatsächlich werden gebrauchte Seilbahnen im Internet auch angeboten.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

So hat denn die Vereinba-rung, die vom Dürkheimer Bürgermeister Christoph Glogger und dem Eigner unterschrieben wurde, eine wesentliche Einschränkung: "Längstens bis zur Wiederin-betriebnahme oder endgül-tigen Aufgabe der Gondel-bahn" soll die Stadt das etwa 330 Quadratmeter große Gelände nutzen dürfen, auf dem einst die Talstation stand.

Die vorbehaltliche Nutzungs-vereinbarung für die Brach-fläche könnte man juristisch auch als Vorvertrag für einen Grundstücksankauf durch die Stadt werten, doch

ihr Bürgermeister äußert sich zurückhaltend: "Die Hoffnung stirbt zuletzt", wird Glogger in der Bewertung der neuen Ideen des Eigen-tümers zitiert, dem er ob seines jahrzehntelangen hartnäckigen Durchhaltever-mögens aber allen Respekt zollt.


Ab Mitternacht unplugged

In diesem Jahr greifen auf dem Wurstmarkt er-

weiterte Lärmschutzauflagen, um den Anwohnern einen ruhigeren Schlaf zu gönnen. Erstmals gibt's Limo in den Festzelten - allerdings nur pur.

Wie bisher schon an anderen Wochentagen, dür-fen Fahrgeschäfte und Festzelte nach 24 Uhr nur noch ohne Beschallung bis maximal 2 Uhr weiter-machen. Der Ausschank ist bis 2 Uhr erlaubt, aber ab 0 Uhr ist Musik tabu. Von der Neurege-lung nicht betroffen sind die Schubkarchstände, das Weindorf sowie Geschäfte ohne technische Anlagen.

Politikum: Mixgetränke - außer Schorle

Der Schorle-Preis wurde moderat um 20 Cent auf 4,50 € angehoben (im Dubbeglas 0,5 l).

Erstmals darf in den Festzelten auch Cola- und Orangenlimonade ausgeschenkt werden, aber nur pur, nicht in Mixgetränken. Dagegen hatten sich Dürkheimer Winzer vergeblich gewehrt. Sie sehen den Qualitätsanspruch des Wurstmarkts unter-graben, weil die Limonaden Mixgetränken wie Cola-Rot, Cola-Weiß oder Weißherbst-Fanta Tür und Tor öffnen werden. Die Winzer hatten als Kindergetränke Apfelsaftschorle, Fassbrause oder Bio-Limonade vorgeschlagen - auch unter dem Gesichtspunkt der Förderung nachhaltiger regionaler Produkte.



Ein Fortschritt, aber weiter Planungsunsicherheit

Während die Seilbahntrasse auf den Teufelsberg allmählich zuwuchert, hat die Verhandlungsstrategie des Bürgemeisters immerhin zum Abriss des unansehnlichen Stahltorsos der einstigen Talstation geführt. Gewiss ein sichtbarer und allseits begrüßter Fortschritt. Denn die Ruine, in exponierter Lage direkt am Wurstmarktkreisel gelegen, gereichte viele Jahre lang nicht unbedingt zur Zierde der Kurstadt.

Für den Wurstmarkt könnte das nun brachliegende Areal als Erweiterungsfläche genutzt werden, bis über dessen endgültige Verwertung befunden ist. In diesem Jahr wird daraus freilich nichts mehr. Denn die Planungen für das größte Weinfest der Welt sind abgeschlossen und die Tieflader der Fahrgeschäfte und Zeltbauer bereits angerollt. Angesichts der langen Vorplanungen für das Fest der Dürkheimer Feste scheint auch 2019 wenig realistisch. Aber 2020 könnte vielleicht passen, die Fläche in den Wurstmarkt mit einzubeziehen.

Wenn es bis dahin nicht neue Ideen und Überlegungen des Grundstückseigners gibt. Denn der letzte Akt, wie man in der Kurstadt schon frohlockte, ist in diesem Possenspiel noch nicht aufgeführt. Es wird, so mutmaßen Skeptiker, noch einiges Wasser der Isenach durch den nahen Kurpark fließen., bis das Grundstück der Stadt übereignet ist und endgültig Planungssicherheit herrscht.

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