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Großvater Trump: Bordellbesitzer und - in bayerischen Augen - Deserteur

"Wenn er kommt, dann kommt er"

Die Verwaltung des Königreichs Bayern hätte uns den umstrittenen amerikani-schen Präsidenten namens Donald Trump wohl ersparen können. Das belegen Akten aus dem ehemaligen Bezirksamt Bad Dürkheim. Den unberechenbaren Blondschopf ficht das nicht an: Er will nun doch partout Deutschland besuchen.

Neben Wangenküsschen brachte Trump zum jüngsten G7-Gipfel in Biarritz für Kanzlerin Angela Merkel auch die Botschaft mit, in absehbarer Zeit Deutschland besuchen zu wollen, um das er bisher  - entgegen aller transatlantischen Gepflogenheiten - einen Bogen gemacht hat. Zweimal war er in Frankreich oder Großbritannien, auch ging er Kim Jon-un zwanzig Schritte auf nordkoreanischem Boden entgegen, doch der Heimat seiner Großeltern stattete er bisher keinen offiziellen Staatsbesuch ab. Stattdessen haben sich die Bilder eingeprägt, als der Präsident der Kanzlerin im März 2017 am Kamin des Oval Office im Weißen Haus den Handschlag verweigerte  - vor laufenden Kameras .

"We will come soon" - "Vielleicht steht er morgen zum Frühstück vor der Tür"

"We will come soon", wird Donald Trump vom Rande de G7-Gipfels verheißungsvoll zitiert. Genauere (Termin-)Pläne waren vom Präsidenten nicht zu vernehmen, doch deckt sich seine Ankündigung mit den ebenso vagen Einlassungen von Richard Grenell, dem US-Botschafter in Deutschland, Ende des letzten Jahres.

Kallstadts Bürgermeister Thomas Jaworek (CDU) bringt das nicht aus der Ruhe, wie er der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte. „Wenn er kommt, dann kommt er, wenn er nicht kommt, dann kommt er nicht. Bis dahin schlägt unsere Kirchturmuhr ganz normal weiter.“

Und auch danach, so Jaworek gelassen, „werden wieder ganz viele normale Tagen folgen“. Konkrete Pläne seien ihm nicht bekannt. „Aber so, wie ich Donald Trump wahrnehme, ist er durchaus für Überraschung gut. Vielleicht steht er ja morgen zum Frühstück vor der Tür“...

 

Gleichwohl: Auf einen solchen Staatsgast, noch dazu mit deutschen Wurzeln, will man gut vorbereitet sein, und die Gastgeber sollte, wenn er denn kommt, auch die Trumpsche Familiengeschichte im Hinterkopf haben. Roland Paul, früher Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte in Kaiserslautern, hat sich darum verdient gemacht und die 1904, 1905 und 1906 verfassten, negativ beschiedenen Bittbriefe des Großvaters Trump an die bayerischen Behörden im Landesarchiv in Speyer ausfindig gemacht. Die Schreiben stammen ursprünglich aus dem ehemaligen Bezirksamt Dürkheim.

Trotz aller Bittbriefe und 80.000 Goldmark: Kein Wohnrecht für Deserteure

Friedrich alias Frederick Trump, Großvater des amerikanischen Präsidenten, nach seiner Auswanderung ohne Wohnrecht in der bayerischen Pfalz. Foto: wikipedia
Friedrich alias Frederick Trump, Großvater des amerikanischen Präsidenten, nach seiner Auswanderung ohne Wohnrecht in der bayerischen Pfalz. Foto: wikipedia

Großvater des US-Präsidenten ist der 1869 in Kall-stadt geborene, Friseurlehrling Friedrich Trump. Er reiste 1885 in die Vereinigten Staaten aus. Tatsächlich, so der Historiker Roland Paul, war es wohl eher eine Flucht. Denn nach Befund des Bayerischen Königreichs wollte sich Friedrich Trump mit der Emi-gration der zweijährigen Wehrpflicht entziehen. Er wurde 1892 gar amerikanischer Staatsbürger und nannte sich fortan Frederick Trump.

Indessen, für desertierte, in ihrem neuen Land einge-bürgerte ehemalige Deutsche gab es zwar ein Be-suchs-, aber kein Wohnrecht in Bayern, zu dem der damalige Rheinkreis Pfalz gehörte. Frederick Trump bat dennoch darum, heimkehren zu dürfen, weil sich seine ebenfalls in Kallstadt geborene Frau Elisabeth in den USA nicht wohlfühlte und „krank vor Heimweh“ sei, wie es in einem seiner Bittbriefe heißt. Die beiden hatten 1902 bei einem geduldeten Heimatbesuch geheiratet.

Das Königreich Bayern, vertreten durch die Kreisregierung in Speyer wie auch die Militärbehörde in München, blieb in seiner Entscheidung unbestechlich auch angesicht des für damalige Verhältnisse gewaltigen Vermögens von 80.000 Goldmark, das Trump in die Waagschale legen konnte. Trotzdem wollten ihn die Bayern nicht wieder haben, er kehrte samt Ehefrau wieder in die Vereinigten Staaten zurück. 

Großvater Trump machte in den USA - finanziell - sein Glück

Finanziell hatte der Großvater Donald Trumps in den USA sein Glück gemacht, wie Pauls Recherchen zeigen: Friedrich Trump fand zunächst in einem New Yorker Friseurladen Arbeit. In Seattle, Bundesstaat Washington, fand er später Brot und Arbeit in einem Boardinghouse, einem Beherbergungsbetrieb mit hotelähnlichen Leistungen.

Im Städtchen Monte Cristo, das nordöstlich von Seattle liegt und heute eine „Geisterstadt“ ist, und machte Frederick Trump schließlich selbst ein Geschäft auf. „Aus einem damaligen Zeitungsbericht", so der Pfälzer Historiker, "geht eindeutig hervor, dass es sich hierbei um ein Bordell handelte.“ Diesem Gewerbe blieb der Donald-Trump-Ahne auch in der kanadischen Goldgräber-Region am Yukon-River treu.

Wie die Geschichte wohl ausgegangen wäre, hätten die Trumps in der Pfalz bleiben dürfen? 

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