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Wieder "Heilig Abend" im Theader Freinsheim

Die Uhr tickt: 90 Minuten Drama in Echtzeit

Passend zur Jahreszeit nimmt das Theader in Freinsheim wieder Daniel Kehl-manns Zweipersonenstück "Heilig Abend" in den Spielplan auf. Das 90-Minuten-Drama in Echtzeit ist brandaktuell und zeigt das Dilemma zwischen Freiheit und Sicherheit auf. Auch geht es um die ewig brisante Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Und wenn ja: Welcher Zweck heiligt welche Mittel?

Die Uhr tickt unablässig in diesem Verhör zwischen System und Systemkritik. Die linksintellektuelle Philosophie-Professorin wird verdächtigt, einen Bomben-anschlag an Heiligabend um punkt Mitternacht geplant zu haben, um auf die Missstände dieser Welt aufmerksam zu machen. Es ist etwa halb elf am Weihnachtsabend und die Zeit rennt, verschärft die Brisanz des Wortduells zwischen der verdächtigen Judith (Theader-Macherin Anja Kleinhans) und dem schroffen Ermittlungsbeamten Thomas (Riccardo Ibba), der seine Machtposition genüsslich ausspielt und mit allen Wassern eines abgebrühten Staatsschützers gewaschen ist. 

Bohrende Fragen - und letztlich keine Antwort ... aber die Zeitbombe tickt

Unter der Regie von Uli Hoch kommt der kontroverse Diskurs aktuell und realis-tisch auf die Ungerechtigkeiten der Welt zu sprechen – von Hunger über den Terror bis hin zur digitalen Manie unserer Zeit. Es werden hochaktuelle Themen gewälzt und viele Fragen aufgeworfen: Zu welcher Art von Überwachung und Angst führt der Terrorismus, wenn "das System" geschützt werden will? Wie schützenswert ist überhaupt dieses System, beispielsweise aus der Sicht eines hungernden Flüchtlings? Und: Lenkt uns der Terrorismus religiöser Fanatiker von den übrigen globalen Problem ab, zum Beispiel von der ungleichen Verteilung der Güter? Macht man sich allein schon verdächtig, wenn man sich als Inhaberin eines philosophischen Lehrstuhls mit Gesellschaftstheoretikern befasst, die revolutio-näre Gewalt im Namen der Emanzipation der Geknechteten und Entrechteten gutheißen?

Fragen über Fragen, bohrende Fragen, auf die das Verhör letztlich keine Antwort gibt - und auch nicht geben will. Der unerwartete Ausgang des Stücks erinnert an Berthold Brecht: "Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!"

Ob die Bombe zündet, bleibt ungewiss. Den Zuschauer entlässt das Stück nur mit der einen Gewissheit: In dieser Welt tickt mindestens eine Zeitbombe.


Der "Heilig Abend" ist im Theader Freinsheim, Casinoturm, vom 05. bis 07.12.18 und vom 20. bis 22.12.18 mitzuerleben, jeweils um 19.30 Uhr. Das Theader ist wohl Deutschlands kleinste Bühne, das gut 20 Zuschauern Platz gibt. Reservierung ist daher empfehlenswert.

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