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Keine Unkrautvernichter auf kommunalen Flächen

Schmucker Kurpark ohne Herbizide

Auf kommunalen Flächen verzichtet Bad Dürkheim beim Unkraut-Management auf die chemische Keule. Ob Friedhof oder der schmucke Kurpark: Man will, wenn nötig, Wildkräutern mit alternativen Methoden zu Leibe Rücken: Jäten, Heißluft oder die Gasfackel. 

Handarbeit ist gefordert, wenn auf Dürkhiems kommunlaen Flächen Unkraut stört. Fotos: Klauis Kochendörfer
Handarbeit ist gefordert, wenn auf Dürkhiems kommunlaen Flächen Unkraut stört. Fotos: Klauis Kochendörfer

Ein entsprechender Antrag der grünen Fraktion fand Ende Ok-tober 2018 nach kontroverser Debatte in verschiedenen Aus-schüssen eine breite Mehrheit des Dürkheimer Gemeinderats. Letztlich stimmte nur ein CDU-Ratsmitglied gegen den Vor-schlag, weil eine gesundheits-schädliche Wirkung von Glypho-sat in keiner Studie belegt sei. Glyphosat ist der von Monsanto entwickelte und heute vom Che-miekonzern Bayer vertriebene und heftig verteidigte Markt-führer unter den Unkrautver-nichtern. In den USA wurde Ba-yer zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt, weil Glyphosat bei Anwendern Krebs ausgelöst haben soll. Das Unternehmen hat gegen die Urteile Rechtsmittel eingelegt.

Längst geübte Praxis im Kurpark

Der Antrag der Grünen schreibt längst geübte Praxis in den kurstädtischen Grünanlagen fest und verknüpft den Verzicht auf Unkrautvernichtungsmittel mit einem verbesserten Informationsangebot für Grundstückseigner und Hobbygärt-ner zu alternativen Maßnahmen sowie Vorkehrungen zum Reptilienschutz. In einem Punkt allerdings konnte sich die grüne Ratsfraktion nicht durchsetzen: Auf ihren verpachteten Flächen, u. a. Rebgärten, verbietet die Stadt den Herbizidein-satz nicht - dagegen hatte sich die starke Winzerlobby im Dürkheimer Gemeinde-rat dann doch vehement verwahrt.

Der Kurpark im Herbst - längst ist es hier Praxis, auf Unkrautvernichtungsmittel zu verzichten.
Der Kurpark im Herbst - längst ist es hier Praxis, auf Unkrautvernichtungsmittel zu verzichten.

Herbizideinsatz - im Weinbau ein heißes Thema

Denn während viele und nicht nur Biowinzer im Weinbau bei der Pflege des Rand- und Unterwuchses zwischen den Rebzeilen längst ohne die Herbizide auskommen, ihre Verwendung drastisch reduzieren oder gar den Nutzen einer gezielten Bei-kraut-Aussaat etwa von Stickstoff bindenden Pflanzen entdecken, sind andere überzeugt, auf die chemische Keule nicht verzichten zu können.

Das führt in der Pfalz gelegentlich zu absonderlichen, in den Medien gern breit diskutierten  Kontroversen. So ging In der vergangenen Wachstumsperiode der Fall eines Winzers wochenlang durch die Gazetten, der im Naturschutzgebiet "Fel-senberg-Berntal" zwischen dem Dürkheimer Teilort Leistadt und Herxheim am Berg Glyphosat ausbringt. Nun weiß jedes Kind, dass es in einem Naturschutzge-biet kein Pflänzchen ausreißen und auch nichts Unnatürliches einbringen darf. Jener Winzer aber beruft sich auf sein verbrieftes und unbestrittenes Recht zum Weinbau in der Schutzzone, bei dem er in logischer Konsequenz auch die "übli-chen" Bewirtschaftungsmethoden einsetzen dürfe - chemische Unkrautvertilgung inklusive. Zudem ihm habe keine Behörde den Herbizideinsatz untersagt.

Der Winzer behielt in dieser Grauzone zwischen Naturschutz und Landwirtschaft Recht.

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