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Freinsheimer Hans-Sinsheimer-Preis ehrt Herta Müller

Großer Bahnhof für große Literatur

Freinsheim bereitet sich auf einen großen Bahnhof für große Literatur vor. Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin 2009, wird im März 2019 der Hermann-Sinsheimer-Preis der Stadt Freinsheim verliehen.

Herta Müller. Foto: wikipedia
Herta Müller. Foto: wikipedia

Die vielfach geehrte Autorin, die im rumäni-schen Banat aufwuchs und 1987 nach Deutschland aussiedelte, wird die Auszeich-nung, die ihr die Stadt angetragen hat, voraussichtlich am 24. März kommenden Jahres entgegennehmen.

 

Ein Preis für Verdienste um die Literatur

 

Der Hermann-Sinsheimer-Preis wird seit 1983 alle zwei Jahre von der Stadt Freinsheim vergeben. Der Preis ist mit 2.500 € dotiert. Die Geehrten werden nicht unbedingt als Li-teraten, sondern in erster Linie wegen ihrer Verdienste um die Literatur gewürdigt. Preisträger waren unter anderem Marcel Reich-Ranicki (1991), Christa Wolf (2005), Peter Scholl-Latour (2007), Dieter Hildebrandt (2013) sowie Navid Kermani (2017).

 

Die Auszeichnung erinnert ebenso wie die Hermann-Sinsheimer-Plakette, die in den geraden Jahren vergeben wird, an den in Freinsheim geborenen jüdischen Schriftsteller, Theaterkritiker und Journalisten Hermann Sinsheimer (1883–1950). Er musste in der Zeit des Nationalsozialismus nach England fliehen; zwei seiner Geschwister wurden Opfer des Holocaust. 

Die Folgen von Diktatur und Zwang

Die 65-jährige Herta Müller setzt sich in ihrem Werk insbesondere mit den Folgen von Diktatur und Zwang auf die Menschen und ihre Identitäten auseinander. Ihre Essays beleuchten, dass bei Unterdrückung und Entwürdigung immer auch die Sprache eine Rolle spielt.

 

 

Ihre Romane schöpfen aus ihrer Bio-grafie. Herta Müller wurde als Banater Schwäbin geboren. Die Banater Schwa-ben sind eine deutsche Minderheit in Rumänien. Ihr Großvater war ein wohl-habender Landwirt und Kaufmann und wurde unter dem kommunistischen Re-


„Ständig schreib ich dir Karten.
Die Karten vollgeschrieben.
Und ich leer.“

Herta Müller: Reisende auf einem Bein (1989)



gime in Rumänien enteignet. Ihre Mutter wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu mehrjähriger Zwangsarbeit in ein ukrainisches Lager deportiert. Ihr Vater, ehemals Soldat der Waffen-SS in der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“, verdiente seinen Lebensunterhalt als Lkw-Fahrer. 

 

Neben dem Nobelpreis erhielt Herta Müller bereits 2002 die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz. Sie ist auch dem Künstlerhaus Edenkoben verbunden,

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