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Treibstoff-Duschen über der Pfalz - Update

Keronisregen - nein, danke!

Gegen die Behäbigkeit der Politik, ohne Folgenabklärung weiterhin Kerosin-verrieselungen aus Flugzeugen über der Pfalz zu dulden, wendet sich jetzt eine Online-Petition. Innerhalb weniger Tage unterschrieben 55.000 Menschen (Stand 12.08.18).

Update 20.11.18: Das Luftfahrtbundesamt veröffentlicht zwar mittlerweile die bekannt gewordenen Treibstoffablässe von zivilen und militärischen (deutschen?) Flugzeugen, scheint dabei aber nicht mit deutscher Gründlichkeit vorzugehen. Seit 1. Juli dieses Jahres notiert die Liste zu den Ursachen nämlich regelmäßig "keine Angabe". Am 18. November ist gar ein Kerosinablass über dem Nordwesten Schleswig-Holsteins dokumentiert, allerdings ohne Angabe der Treibstoffmenge. Während Flugzeuge über Deutschland weiter ohne jede Folgenabschätzung Kerosin vernebeln, werden offensichtlich auch Daten, um die u. a. es in der seit langem geforderten Studie geht, systematisch vernebelt.

Update 08.11.18: Politik und Behörden verschleppen die Kerosin-Thematik weiter. Das ursprünglich für Anfang November angekündigte Gutachten zu den Auswirkungen von abgelassenem Kerosin verzögert sich. Bei Tagung der Umweltministerkonferenz Anfang November sollte das Umweltbundesamt eigentlich die komplette Expertise vorstellen. Allerdings fehlen noch wesentliche Teile – nicht zuletzt mangels aussagekräftiger Daten. Wann die endgültige Studie vorliegt und in welcher Form sie präsentiert wird, ist offen. Das Gutachten hatte die Umweltministerkonferenz auf Initiative der Mainzer Landesregierung in Auftrag gegeben. Irgendwelche weiteren Schritte wie zum Beispiel eigene Messungen wurden aber auch von der rheinland-pfälzischen Regierung nicht in die Wege geleitet.

Auf dieses Gutachten wartet aber beispielsweise auch der Bezirksverband Pfalz, der deshalb seine Entscheidung über weitere Schritte wie etwa ein Kerosin-Hearing auf Dezember vertagte.

Update 19./20.09.18: Das Bundesverkehrsministerium hat angekündigt, das  Luftfahrtbundesamt (LBA) werde Treibstoffablässe innerhalb von drei Tagen veröffentlichen. Tatsächlich findet man neuerdings auf der Homepage des LBA (Nachrichten) einen Rubrik "Treibstoffablass". Sie führt zu  einer Liste der von der Deutschen Flugsicherung gemeldeten Vorfälle. Sie beginnt am 01.01.18 und vermeldet auch einige Kerosinverrieselungen von Militärflugzeugen. 

Nach der Liste ist die Pfalz die beliebteste Region Deutschlands für das sog. "fuel dumping". Die Hälfte der 16 bisher veröffentlichten Kerosinablässe erfolgte über der Pfalz. Auch mengemäßig bekommt der Himmel über dem größten zusam-menhängenden Waldgebiet der Republik am meisten ab: 192 Tonnen bisher in diesem Jahr.

In der Pfalz ist man mit der Veröffentlichung der Treibstoffablässe noch nicht zufrieden und fordert: Das muss schneller gehen, nicht erst nach drei Tagen, sondern binnen 24 Stunden. Überdies wartet man noch vergeblich auf eine fundierte Untersuchung der Folgen der Treibstoffablässe.

Update 17.09.18: Die Initiative wird morgen, 18.09.18,  der rheinland-pfälzischen Landesregierung die Petition mit über 75.000 Unterschriften übergeben. Die Online-Petition läuft weiter.

Update 12.09.18: Die rheinland-pfälzische Landesregierung wird am 21. September im Bundesrat eine Entschließung einreichen. Darin werden eine rasche Information über Keronsin-Ablässe und eine wissenschaftliche Untersuchung der Folgen gefordert. Nach einer Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums wird das Luftfahrtbundesamt demnächst die Öffentlichkeit im Internet über Treibstoffablässe zeitnah informieren.

Update 02.09.18: Bei der Totenkopfhütte des Pfälzerwald-Vereins im Wald oberhalb von Maikammer fand eine Demonstration gegen Treibstoffablässe statt. Neben allerhand politischer Prominenz nahmen einige hundert besorgte Pfälzer teil. Über 74.000 Menschen unterstützen die Online-Petition.

Update 28.08.18: Auf Antrag der Grünen wird sich auch der Kreistag Kaiserslautern mit dem Thema befassen und eine Resolution verabschieden.

Update 25.08.18: In einer einstimmig beschlossenen Resolution fordert der Bezirksverband Pfalz als Träger des Biosphärenreservates Pfälzerwald Land und Bund auf, die Flugsicherung und militärische Stellen anzuweisen, umfassend über Treibstffablässe zu informieren. Die Mindesthöhe, ab der Kerosin abgelassen werden darf, sei deutlich zu erhöhen. Mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken müssten wissenschaftlich untersucht werden. Außerdem müssten schnellstmöglich technische Neuerungen entwickelt und eingesetzt werden, die das Ablassen von Kerosin unnötig machen.

Update 23.08.18: Mittlerweile unterstützen über 70.000 Menschen die Online-Petition. 


Keine Kondensstreifen: So sieht es aus, wenn ein Flugzeug Kerosin ausbläst. Fotomontage: Inititive Pro Pfälzerwald
Keine Kondensstreifen: So sieht es aus, wenn ein Flugzeug Kerosin ausbläst. Fotomontage: Inititive Pro Pfälzerwald

Dass Flugzeuge in einer Not-lage nach dem Start tonnen-weise Kerosin ablassen, um landen zu können und auch Passagiere wie Flugpersonal sicher zum Boden zu brin-gen, mag man ja noch als technische Notwendigkeit akzeptieren. Dass diese Kerosinverrieselungen der Deutschen Flugsicherung gemeldet werden müssen, sie darüber aber nicht zeitnah der Öffentlichkeit informiert bzw. informieren muss, ist mehr als ärgerlich. Dass all dies ohne eine aktuelle Risikoabschätzung für Mensch und Umwelt geschieht, ist nicht länger tragbar. Der Initiative Pro Pfälzerwald ist es nicht egal was über unsere Köpfe hinweg passiert und womöglich auf unsere Köpfe und den schönen Pfälzerwald, zusammen mit den Nordvogesen ein einmaliges und geschütztes Biosphären-reservat, abgelassen wird.

Die schöne Pfalz - auch bei zu schweren Flugzeugen beliebt

Im Jahr 2016 haben Flugzeuge mit 241 Tonnen doppelt so viel Kerosin über Rheinland-Pfalz abgelassen wie 2015. 2017 wurden bereits 368 Tonnen abgelassen, wie die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion im Januar mitteilte. Das entspricht zwei Dritteln der bundesweit abgelassenen Menge von 579 Tonnen.

Kerosin wird  - meist von Langstreckenflugzeugen, die für die große Distanz viel Treibstoff gebunkert haben - in einer Notsituation vorschriftsgemäß nach Meldung an die Deutsche Flugsicherung in einer Flughöhe von über 1.830 Metern über möglichst besiedelungsarmem Gebiet abgelassen, um das zulässige Landegewicht zu erreichen. Für Flugzeuge, die etwa in Frankfurt am Main oder Hahn gestartet sind, ist der Pfälzer Wald das bevorzugte Areal, um die Treibstofftanks zu öffnen. Dazu kommen noch etliche kleinere Flugplätze in Südwestdeutschland und in den angrenzenden Nachbarländern.

Nicht zuletzt: An der amerikanischen Airbase Ramstein, mitten im Pfälzerwald gelegen, kennt man freilich auch das sog. "Fuel Dumping" als wirkungsvolles letztes Mittel, wenn ein Flugzeug vor dem Landeanflug noch zu schwer ist. Und der US-Fliegerhorst Spangdahlem in der Eifel ist auch nur ein paar Flugminuten von der Pfalz entfernt. Tatsache ist: Vor Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen wird über Rheinland-Pfalz am meisten Flugsprit versprüht.

Rekord: 92 Tonnen Kerosin in anderthalb Stunden über der Pfalz versprüht

Am 28. Juli 2018 versprühte ein Fracht-Flugzeug, gestartet vom Flughafen Luxemburg, innerhalb von anderthalb Stunden auf vier Runden über der Pfalz 92 Tonnen Treibstoff - Rekord! Der Cargo-Flieger auf dem Weg nach Singapur bekam das Fahrwerk nicht geschlossen. Die Regionalzeitung "Rheinpfalz" berichtete darüber nach besorgten Anrufen von Lesern und verfolgte anhand der Zeugenaussagen die Flugroute der Cargolux-Maschine penibel. Dies war die fünfte bekannt gewordene Kerosindusche über der Pfalz seit Jahresbeginn. Kerosin enthält u. a. das krebserregende Benzol in hoher Konzentration - deutlich höher als im Norm-Kraftstoff für das Auto von Otto Normalverbraucher. 

Am 30. Juli 2018 folgte ein weiterer Kerosinablass von acht Tonnen. Eine Dunkelziffer der Flugpetrol-Duschen ist aufgrund der undurchsichtigen Informationslage im Kerosinnebel nicht abzuschätzen, aber wahrscheinlich, zumal militärisches Fluggerät bislang keiner Meldepflicht gegenüber der Deutschen Flugsicherung unterliegt - erst recht nicht die Air Forces verbündeter Luftstreitkräfte.

Petition an die rheinland-pfälzische Regierung

Die Petition #Kerosinregen, nein Danke! Transparenz, ja Bitte! fordert die von SPD und FDP gestellte Landesregierung Rheinland-Pfalz auf, endlich Ihre Koalitionsvereinbarung in die Tat umzusetzen: ""Wir wollen auf die Deutsche Flugsicherung einwirken, die Treibstoffschnellablässe zeitnah auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen", heiß es dort ohne Wenn und Aber. Darüber hinaus fordert die Petition Studien, die verlässlich untersuchen, was mit dem versprühten Kerosin in der Atmosphäre und auf dem Boden passiert und welche Folgen das hat.


Wenn auch Ihnen nicht egal ist, was auf einer Wanderung im Pfälzerwald über ihre Köpfe hinweg passiert, unterstützen Sie
https://www.change.org/p/kerosinregen-nein-danke

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