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Treibstoff-Duschen über der Pfalz

Keronisregen - nein, danke!

Gegen die Behäbigkeit der Politik, ohne Folgenabklärung weiterhin Kerosin-verrieselungen aus Flugzeugen über der Pfalz zu dulden, wendet sich jetzt eine Online-Petition. Innerhalb weniger Tage unterschrieben 55.000 Menschen.

Keine Kondensstreifen: So sieht es aus, wenn ein Flugzeug Kerosin ausbläst. Fotomontage: Inititive Pro Pfälzerwald
Keine Kondensstreifen: So sieht es aus, wenn ein Flugzeug Kerosin ausbläst. Fotomontage: Inititive Pro Pfälzerwald

Dass Flugzeuge in einer Not-lage nach dem Start tonnen-weise Kerosin ablassen, um landen zu können und auch Passagiere wie Flugpersonal sicher zum Boden zu brin-gen, mag man ja noch als technische Notwendigkeit akzeptieren. Dass diese Kerosinverrieselungen der Deutschen Flugsicherung gemeldet werden müssen, sie darüber aber nicht zeitnah der Öffentlichkeit informiert bzw. informieren muss, ist mehr als ärgerlich. Dass all dies ohne eine aktuelle Risikoabschätzung für Mensch und Umwelt geschieht, ist nicht länger tragbar. Der Initiative Pro Pfälzerwald ist es nicht egal was über unsere Köpfe hinweg passiert und womöglich auf unsere Köpfe und den schönen Pfälzerwald, zusammen mit den Nordvogesen ein einmaliges und geschütztes Biosphären-reservat, abgelassen wird.

Die schöne Pfalz - auch bei zu schweren Flugzeugen beliebt

Im Jahr 2016 haben Flugzeuge mit 241 Tonnen doppelt so viel Kerosin über Rheinland-Pfalz abgelassen wie 2015. 2017 wurden bereits 368 Tonnen abgelassen, wie die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion im Januar mitteilte. Das entspricht zwei Dritteln der bundesweit abgelassenen Menge von 579 Tonnen.

Kerosin wird  - meist von Langstreckenflugzeugen, die für die große Distanz viel Treibstoff gebunkert haben - in einer Notsituation vorschriftsgemäß nach Meldung an die Deutsche Flugsicherung in einer Flughöhe von über 1.830 Metern über möglichst besiedelungsarmem Gebiet abgelassen, um das zulässige Landegewicht zu erreichen. Für Flugzeuge, die etwa in Frankfurt am Main oder Hahn gestartet sind, ist der Pfälzer Wald das bevorzugte Areal, um die Treibstofftanks zu öffnen. Dazu kommen noch etliche kleinere Flugplätze in Südwestdeutschland und in den angrenzenden Nachbarländern.

Nicht zuletzt: An der amerikanischen Airbase Ramstein, mitten im Pfälzerwald gelegen, kennt man freilich auch das sog. "Fuel Dumping" als wirkungsvolles letztes Mittel, wenn ein Flugzeug vor dem Landeanflug noch zu schwer ist. Und der US-Fliegerhorst Spangdahlem in der Eifel ist auch nur ein paar Flugminuten von der Pfalz entfernt. Tatsache ist: Vor Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen wird über Rheinland-Pfalz am meisten Flugsprit versprüht.

Rekord: 92 Tonnen Kerosin in anderthalb Stunden über der Pfalz versprüht

Am 28. Juli 2018 versprühte ein Fracht-Flugzeug, gestartet vom Flughafen Luxemburg, innerhalb von anderthalb Stunden auf vier Runden über der Pfalz 92 Tonnen Treibstoff - Rekord! Der Cargo-Flieger auf dem Weg nach Singapur bekam das Fahrwerk nicht geschlossen. Die Regionalzeitung "Rheinpfalz" berichtete darüber nach besorgten Anrufen von Lesern und verfolgte anhand der Zeugenaussagen die Flugroute der Cargolux-Maschine penibel. Dies war die fünfte bekannt gewordene Kerosindusche über der Pfalz seit Jahresbeginn. Kerosin enthält u. a. das krebserregende Benzol in hoher Konzentration - deutlich höher als im Norm-Kraftstoff für das Auto von Otto Normalverbraucher. 

Am 30. Juli 2018 folgte ein weiterer Kerosinablass von acht Tonnen. Eine Dunkelziffer der Flugpetrol-Duschen ist aufgrund der undurchsichtigen Informationslage im Kerosinnebel nicht abzuschätzen, aber wahrscheinlich, zumal militärisches Fluggerät keiner Meldepflicht gegenüber der Deutsche Flugsicherung unterliegt - erst recht nicht die Air Forces verbündeter Luftstreitkräfte.

Petition an die rheinland-pfälzische Regierung

Die Petition #Kerosinregen, nein Danke! Transparenz, ja Bitte! fordert die von SPD und FDP gestellte Landesregierung Rheinland-Pfalz auf, endlich Ihre Koalitionsvereinbarung in die Tat umzusetzen: ""Wir wollen auf die Deutsche Flugsicherung einwirken, die Treibstoffschnellablässe zeitnah auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen", heiß es dort ohne Wenn und Aber. Darüber hinaus fordert die Petition Studien, die verlässlich untersuchen, was mit dem versprühten Kerosin in der Atmosphäre und auf dem Boden passiert und welche Folgen das hat.


Wenn auch Ihnen nicht egal ist, was auf einer Wanderung im Pfälzerwald über ihre Köpfe hinweg passiert, unterstützen Sie
https://www.change.org/p/kerosinregen-nein-danke

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