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Die Pinselohren sind im Pfölzerwald wieder heimisch

Der Luchs erobert seine Heimat zurück

Es gab Rückschläge, aber das Projekt wurde ein Erfolg. Vor fünf Jahren wurden die ersten drei Luchse aus den Karpaten im Pfälzerwald ausgesetzt, mittlerweile haben sie sich ihr Habitat zurückerobert. Zwei Dutzend Pinselohren streifen wieder durch das Biosphärenreservat, etliche davon hier geboren. 

Der Luchs - wieder heimisch in seiner Heimat.
Der Luchs - wieder heimisch in seiner Heimat.

Bis im vergangenen Jahr wurden 20 Luchse, die in der Slowakei beziehungsweise in der Schweiz eingefangen worden waren, im Biosphärenreservat ausgesetzt. Mindestens 16 Luchse wurden seitdem in der Pfalz geboren. Möglich gemacht hat die Rückkehr der im 19. Jahrhundert ausgerotteten Art ein von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz organisiertes Projekt. Ende September läuft es planmäßig aus.

Kaum ein unüberwindliches Hindernis auf der Suche nach Nahrung und Partner

Der Luchs scheut den Menschen zwar, aber er ist seinen Wegen nicht abgeneigt.

 

Die beiden Grünbrücken über die A6 und die B10 werden von den Pinselohren geschätzt, wie Fotofallen-Aufnahmen belegen. Skeptiker hatten befürchtet, dass die Tiere solche stark befahrenen Straßen entweder scheuen oder auf ihnen verunglücken könnten.

Aber selbst die Zaberner Steige im Nordelsass stellt für die Katzen kein unüberwindliches Hindernis dar, wie vier Exemplare auf ihren über Sendehalsbänder überwachten Wanderungen bewiesen haben. Dabei müssen die Tiere dort die Autobahn A 4, die Hochgeschwindigkeitstrasse der europäischen Eisenbahnmagistrale Paris - Straßburg und den Rhein-Marne-Kanal überwinden - gefährliche, aber nicht unüberwindliche Hindernisse auf der Suche nach Nahrung oder einem Paarungspartner.

Pfälzer Kinderstube und abenteuerliche Liebesgeschichten

Kinderstube im Pfälzerwald: Filou und Palu, die Söhne von Kira und Lucky. Fotos: Foto: SNU RLP
Kinderstube im Pfälzerwald: Filou und Palu, die Söhne von Kira und Lucky. Fotos: Foto: SNU RLP

Cyril, einer der wieder angesiedelten Kuder, schwamm sogar über den Rhein, um die baden-württembergische  Auen zu erkunden. Er wurde nach zwei Wochen wieder eingefangen und in sein linksrheinisches Revier zurück gebracht.

Besondere Furore machte Lucky. Das Männchen sorgte nicht nur für den ersten Nachwuchs im Projekt (Filou und Palu), sondern drang auch in das Luchsgehege des Kaiserslauterer Wildparks ein, um dort als ungebetener Gast bei einem Weibchen zu nächtigen. Davor hatte Lucky für Schlagzeilen gesorgt, als er in der Südwestpfalz in zwei Weiden eindrang und Ziegen und Lämmer riss.

Wenige Monate nach seinem Wildpark-Rendezvous wurde er von einem Auto überfahren, als er ein Reh jagte. Insgesamt vier der ausgesetzten Tiere wurden tot aufgefunden, zwei davon starben eines natürlichen Todes, weil sich ihre Pfoten entzündet hatten.

Ein erfolgreiches Millionenprojekt von EU und Rheinland-Pfalz

Der Schaden, den die Neusiedler im Pfälzerwald bei ihrer Beutezügen angerichtet haben, ist überschaubar. 5.300 Euro an Entschädigungen und fast 7.800 Euro für Weidezäune wurden bisher ausgezahlt. Für Fang, Transport und Untersuchungen wurden pro Tier rund 10.000 Euro aufgewendet. Der Löwenanteil der Projekt-Kosten von 2,75 Millionen Euro entfiel auf wissenschaftliche Begleitung, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Hälfte davon kam von der EU, das Land steuerte 400.000 Euro bei, den Rest stemmten Sponsoren und Spender.

Wenn das Projekt Ende September ausläuft, bleiben die Luchse im Pfälzerwald nicht sich selbst überlassen. An der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt entsteht ein Koordinationszentrum für Luchs und Wolf. Dort wird man die Entwicklung der Population begleiten. Um Inzucht zu vermeiden, wird für die Pinselohren im Pfälzerwald langfristig eine Vernetzung mit anderen Vorkommen erforderlich sein.

 

 

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