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Ein liebestoller Einbrecher auf sanften Pfoten - Update

Kuder Lucky ganz im Glück

Sonst eher ein Einzelgänger, ist der Kuder, der männliche Luchs, im Februar und März ranzig. Während der Brautschau ist ihm keine Mühe zu schwer, einer begehrten Partnerin die Aufwartung zu machen und sie zu begatten. In diesem Jahr probierte Lucky, vom Fortpflanzungsdrang heftig getrieben, neue Wege.

Update 23.02.2019: Sollte Lucky die diesjährige Ranzzeit nutzen wollen und wei-ter auf Freiers Pfoten wandeln, dann könnte er bei einer neuen Liebsten fündig werden: Seit gestern streift nämlich auch Gaupa (isländisch: Luchs) durch das Revier. Die mehr als fünf Jahre alte Luchsin stammt aus der Schweiz und wurde am 22.02.19 bei Waldleiningen freigelassen.

Luchs Pfälzerwald
Stolzer Kuder: Lucky erkennen die Prohejtmitarbeiter an seinem rechten Knickohr, das er sich bei einer Rauferei vor einiger Zeit zugezogen hat: Foto: Stiftung Natur und Umweltschutz RLP

Der junge Mann, im Sommer 2016 in den Karpaten gefangen und Rahmen des Projekts zur Wiederansiedlung der Luchse im Pfälzerwald aus-gewildert,  ist mit seinen mittlerweile vier Jahren im besten Alter und gewiss kein Kind von Traurigkeit. Kaum in der Pfalz hei-misch geworden, zeugte er 2017 mit Kaja, die eben-falls aus Slowenien stammt, Filou und Palu. Im vergangen Jahr schenkte die in der Schweiz gebürtige Luchsin Rosa dem stolzen Vater gar drei Sprösslinge. Die Vaterschaft ist akkurat jeweils durch genetische Tests dokumentiert.

Neue Wege der Nachwuchspflege

Der Januar und der beginnende Februar waren kalt, es gab so-gar ein wenig Schnee. Was soll ein Kuder auf der Suche nach seiner Liebsten lange durch den Pfälzerwald stapfen und die Fährte aufnehmen? Sich womög-lich vollkommen unnötigerweise mit fünf männlichen Artgenos-sen - teils die eigenen Söhne - herumschlagen, die  mittlerweile das Revier südlich von Kaisers-lautern ihr Zuhause nennen und dort zur Ranzzeit um sechs ge-schlechtsreife Luchsinnen - teils Luckys eigene Töchter - buhlen?

Was immer Lucky angetrieben
haben mag - er sann auf neue Wege der Nachwuchspflege. Im Luchsgehege des Wildparks Bet-zenberg machte er findig die schöne Chiara aus, die in der Umzäunung des Tierparks allein von einem Kuder namens Kofu beäugt wird.  Dem zeigte Lucky erst mal, was ein echt ausgewil-derter Luchs und wer Herr im Revier ist, nachdem er ins Tier-gehege eingebrochen war und sich über alle Schutzzäune hin-weggesetzt hatte. 


Das Luchs-Projekt

Als Beute-Konkurrent vom Menschen ver-folgt und aus seinem natürlichen Lebensraum immer mehr verdrängt, galt der Eurasische Luchs (lat. Lynx lynx) in West- und Mitteleu-ropa seit dem 19. Jahrhundert  - bis auf wenige Reliktvorkommen - als ausgerottet.

Für seine Wiederansiedelung im grenzüber-schreitenden Biosphärenreservat Pfälzer Wald/Nordvogesen hat die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz die Federführung übernommen. Sie wird unterstützt mit Mit-teln der EU sowie privater und institutionel-ler Förderer, ferner von zahlreichen Natur-schutzverbänden und einem 2010 gegründe-ten Verein. Immerhin 10.000 Euro kostet allein der Umzug eines Luchses - ohne wis-senschaftliche Begleitung durch das Projekt-team.

Seit Sommer 2016 wurden 14 Luchse beiderlei Geschlechts im Pfälzer Wald ausgesetzt. Eingefangen teils in Slowenien, teils in der Schweiz, waren sie gechipt und mit GPS-Sen-dern ausgerüstet worden, so dass ihr Verhal-ten im  Revier verfolgt werden kann.

Mittlerweile haben die ausgewilderten Tiere für reichlich Nachwuchs gesorgt und fühlen sich offenbar heimisch. Sieben Tiere sind im Pfälzerwald geboren.

Gelegentlich reißen Luchse auch Nutztiere.



Eine hartnäckig erkämpfte Nacht bei der Angehimmelten

Nicht schlecht freilich staunten der Tierpfleger, als er am vergangenen Freitag das Mittagessen reichte und gar von drei hungrigen Wildkatzen begrüßt wurde: Vom etwas konsternierten Kofu, der bei der Rauferei unter gestandenen Männern offenbar den Kürzeren gezogen hatte und seitdem ein wenig humpelt; von der unversehrt schönen Chiara; und von Lucky, der es sich in der Nähe seiner neuen Eroberung sichtlich gemütlich gemacht hatte.

Alle Versuche, den lüsternen Eindringling durch ein offenes Tor wieder in die freie Wildbahn zu lenken, scheiterten. Lucky wollte partout nicht von der Seite seiner
Angehimmelten weichen und erkämpfte sich hartnäckig eine Nacht im Gehege - gegen den Willen der Tierpfleger, aber bei freier Kost und Logis und freilich ganz nahe der Liebsten, der Luchsin seiner Wahl. 

Lohnte sich der liebestolle Ausflug?

Um weiteren Streit mit womöglich schlimmeren Verletzungen zwischen den buhlenden Kudern zu vermeiden, traf Lucky am Samstag der Narkosepfeil eines treffsicheren Projektmitarbeiters. In eine Kiste gepackt, wurde Lucky wieder in sein Heimatrevier verbracht. Ein Batterie-Wechsel am GPS-Sender, mit dem Luckys Pirsch verfolgt wird, bot sich ebenso an wie ein Gesundheits-Check des schlafenden Kuders. "Er ist gut genährt und hat ein wunderschönes Fell", wird die erfreute Projektleiterin Sylvia Idelberger zitiert.

Ob sich für Lucky der liebestolle Ausflug in den Lauterer Tierpark Betzenberg lohnte, steht dahin. Selbst wenn Chiara in etwa zehn Wochen Nachwuchs zur Welt bringen sollte, ist die Vaterschaft zunächst noch ungeklärt. Doch auch die wis-senschaftliche Begleitung des Wiederansiedelungsprojekts ist freilich sehr daran interessiert, ob dann Kofu oder Lucky der Glückliche ist.

Die beiden dürfte das herzlich wenig interessieren. Lucky, so steht zu vermuten, ist eh der Glücklichere. Er hat angesichts der mittlerweile attraktiv besetzten weiblichen Luchs-Population in der Wildnis des Pfälzerwaldes noch viele Gelegen-heiten, sich als Mann zu beweisen. Jetzt ist die Zeit dafür, der Frühling naht.


Mehrfach schon berichteten wir in unserem Blog über das spannende und erfolg-reiche Pfälzer Luchs-Projekt. Die frohe Kunde über Nachwuchs oder auch den abenteuerlichen Ausflug eines pinselohrigen Rhein-Schwimmers können Sie hier in der Rubrik Natur & Umwelt nachlesen.  

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