· 

Bis Ende April: Die "rosaroten Wochen" der Pfalz

Mandelbäume blühen auch an Werktagen

Allenfalls den Wurstmarkt sehnen Besucher der Pfalz so sehr herbei wie die Man-delblüte, die im März und April die Deutsche Weinstraße in Pastellfarben taucht.
Bad Dürkheim ist - abseits vom Zentrum und doch mittendrin im Blütenrausch - ideal, um das einzigartige Frühlingserwachen genussreich zu erleben.

Mandelbäume und Weinreben vertragen sich gut und prägen entlang der Deutschen Weinstraße das typische Landschaftsbild. Fotos: Pfalz-Touristik
Mandelbäume und Weinreben vertragen sich gut und prägen entlang der Deutschen Weinstraße das typische Landschaftsbild. Fotos: Pfalz-Touristik

Zwar wurde das Gimmeldinger Mandelblütenfest, das zuletzt an die 30.000 Besucher an einem März-Wochenende in den Neustadter Teilort lockte, auch in diesem Jahr unter dem Eindruck der Corona-Pandemie aus präventiven Gründen abgesagt, doch die Farbenpracht des Pfälzer Frühlings lässt sich nicht aufhalten: Die Mandelbäume blühen trotzdem, übrigens nicht nur in Gimmeldingen. Dort sind an Wochenenden während der "rosaroten Wochen" die Zufahrten gesperrt, um den sonst üblichen Massenauflauf zu verhindern.

Unser Tipp: Mandelbäume blühen nicht nur am Wochenende, wenn die Weinstraße von frühjahrslaunigen Besuchern (über-)bevölkert wird. Der wahre Genießer ge-nießt Natur und echt Pfalzer Flair, wenn er es einrichten kann, in aller Gemüts-ruhe an den Tagen unter der Woche.

Pfälzer Mandelpfad von Bad Dürkheim bis Bockenheim verlängert

Man kann das Naturschauspiel auch abseits der rosafarbenen Hot Spots bewundern. Der Pfälzer Mandelpfad wurde von Bad Dürkheim bis an das nördliche Ende der Deutschen Weinstraße verlängert und erstreckt sich nunmehr über rund 100 Kilometer von Schweigen-Rechtenbach bis nach Bockenheim. Hierfür wurden bereits etliche hundert Mandelbäume neu gepflanzt, weitere werden folgen.

Kaffeemühle Bad Dürkheim Mandelblüte
Der Aussichtsturm über der Kurstadt, das Kaffeemühlchen, hat in der Mandelblüte einen besonderen Reiz. Foto: Stadt Bad Dürkheim

Bad Dürkheim unterstützte diese Initiative tatkräftig. Vor einiger Zeit wurden zwischen der Michaelskapelle bis an die nördliche Gemarkungsgrenze bei der Römervilla Weilberg Mandelbäume gepflanzt. Sie sind ziemlich schnellwüchsig, bieten also schon nach wenigen Wachstumsperioden eine blütenvolle Pracht. Dafür bot die Kurstadt sogar Mandelbaum-Patenschaften an.

Mandelblüte Pfalz Bad Dürkheim
Die "Perlen der Weinstraße" zieren alleeartig die Bundesstraße zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim. Foto: Klaus Kochendörfer

Die Kurstadt liegt nun also mitten am Mandelpfad. Man könnte sogar meinen, der Mandelpfad habe sein Zentrum im Dürkheimer Kurpark, um dessen Gradierbau sich im Frühjahr die feurige Pracht einer Wildkirschensorte entfaltet. Weit gefehlt - sie ist zwar artverwandt mit der Mandel und mit ihr just zur selben Zeit in betörend üppiger Blüte, doch die wahrhaftigen "Perlen der Weinstraße", eine allerdings ungenießbare Bitter-Mandelsorte, finden sich eher außerhalb der Stadt. Sie stehen - unweit von unserem Ferienhof - am Wanderweg entlang der Bundesstraße zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim beim "Weinstraßenfenster" in Reih' und Glied. Alleeartig gepflanzt, legen sie den Bergfuss unterhalb des Flaggenturms alle Jahre wieder in eine zauberhafte Pracht.

Gut zwei Wochen früher

Je nach Sorte: Mandelbäume strahlen in Weiß über Hellro-sa bis hin zu einem kräftigen Rosa-Rot um die Wette, wäh-rend der Frühling andernorts noch letzte Scharmützel mit dem Winter ausficht.

Wann genau das Naturschau-spiel stattfindet und die Man-delblüten aufbrechen, hängt von den Witterungsbedingun-gen zum Jahresbeginn ab - irgendwann zwischen März und April. 

Gewiss ist allerdings, dass dank des milden Klimas der "Toskana Deutschlands" 


Das rosarote Leuchten

Die Wachtenburg  im rosaroten Lichterglanz.
Die Wachtenburg im rosaroten Lichterglanz.

Seit 2010 haben die schmucken Weindörfer ent-lang der Deutschen Weinstraße besondere Man-delblüten-Akzente gesetzt: Burgen, Schlösser und Sehenswürdigkeiten präsentieren sich im März und April entlang des Haardtrandes ab Einbruch der Dunkelheit in rosa Lichterglanz. 



Pfälzer Mandelbäume als erste erblühen, gut zwei Wochen vor anderen der Republik. In diesem Jahr ist  Ostern in der Pfalz rosarot.

Steinfrucht mit Migrationshintergrund

Die Mandel, die wir essen, ist der Same des Baumes, umge-ben von einem harten Kern  und dem dünnen Fruchtfleisch, das während der Reife aufplatzt und meist abfällt.
Die Mandel, die wir essen, ist der Same des Baumes, umge-ben von einem harten Kern und dem dünnen Fruchtfleisch, das während der Reife aufplatzt und meist abfällt.

Die Mandel zählt zu den Rosengewächsen (lat. Prunus dulcis) und wird bereits im Alten Testament im Buch Mose erwähnt. Als Ursprungsregion des Mandelbaums gelten Kleinostasien bis Mittelasien, also das Gebiet des heutigen Iran und Afghanistan. Von dort breitete sich die Mandel in Zentralasien (China) und über die heutige Türkei und Griechenland nach Afrika und Europa aus. Mit den Römern kam die Mandel - wahrscheinlich als fruchtbringende Begleitkultur zu Reben - weiter zunächst nach Nordafrika sowie Italien, später in das südwestliche Europa und auch in die Vorder- und Südpfalz. Dort fühlt sie sich im Windschatten des Pfälzerwaldes sichtlich wohl. 

Im 15. Jahrhundert wurde von Kurfürst Friedrich IV., unter dessen Ägide der Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses entstand, angeordnet, in den Weinbergen Mandeln und Walnüsse anzubauen. Ziel war, die Einkommen der Landbevölkerung zu erhöhen und zeitlich in die Wintermonate auszuweiten. Diesem Ziel diente auch der Auftrag des Bischofs von Speyer, rund um das heutige Hambacher Schloss Mandelbäume anzupflanzen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden 1.500 kg Mandeln (mit Schale) am Großmarkt in (Bad) Dürkheim angeliefert.

Während die essbare Süßmandel (Prunus amygdalis dulcis) meist weiß oder hellrosa blüht, chargiert die aktiver blühende Bittermandel (Prunus amygdalis amara) zwischen Rosa und Dunkelrosa. Die meisten Schmuckbäume in der Pfalz sind heute Bittermandeln. Ihre Samen sind nur sehr bedingt genießbar und enthalten oft in hohen Konzentrationen das Gift Amygdalin, aus dem durch enzymatische Zersetzung die sehr giftige Blausäure entsteht.

Die größte Mandelplanatage der Pfalz

Die Süßmandel wird aber in den letzten wieder verstärkt kultiviert - auch im Garten unseres Ferienhofes.

Die größte Mandelplantage der Pfalz befindet sich auf Freinsheimer Gemarkung. Dort hat die Familie Oberholz Anfang der 1990er-Jahre begonnen, die  Steinfrucht professionell anzubauen und zu kultivieren. Die Ernte von über 1.200 Bäumen wird über einen Hofladen und im Feinkosthandel vertrieben.



Kommentare: 0