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30 Jahre Bildhauer Mathias Nikolaus

Skulpturen aus Stein und Stahl

Er gestaltet öffentliche Räume, hämmert - am liebsten - den bruchrauen gelben Sandstein der Region, kreiert daraus Brunnen, Torsi und Tiere, brennt mensch-liche Figuren in Cortenstahl. Vom 23. bis 30. September 2018 blickt der Dürkheimer Bildhauer Mathias Nikolaus auf 30 Jahre erfolgreichen Schaffens und Wirkens mit einer Ausstellung im Atelier(-garten) am Triftweg zurück.

Der Leistadter Kreisel: Sonnenstrahlen vor der Kulisse des Odenwalds. Fotos: Klaus Kochendörfer
Der Leistadter Kreisel: Sonnenstrahlen vor der Kulisse des Odenwalds. Fotos: Klaus Kochendörfer

Nicht wenige Gemeinden und Institutionen in der Pfalz sind stolz auf ihren "Nikolaus". Sei es ein Brunnen, sei es eine Skulptur, sei es ein immer wie-der überraschender Blickfang in der Mitte eines Verkehrskrei-sels. Mathias Nikolaus hat vie-len öffentlichen Räumen in der Pfalz zu neuem Leben verhol-fen, sie bereichert und ihnen seinen kunstvollen Stempel aufgedrückt.

Mancher eher funktional-nüchterne Ort lebt erst durch seine Bildhauerei und gewinnt erst durch seine Kunst an Bedeutung, an zeitloser Ästhetik und auch an bodenständiger Originalität. Manche Nische im urbanen Alltag wird durch seine Werke zur Oase der Sinnlichkeit, gar zu einem Zentrum der Inspiration. Nikolaus

konfrontiert mit archaischem Materi-al, regt zur Auseinandersetzung mit seiner Formgebung an, spielt mit Posi-tiv/Negativ-Kontrasten, mit Schatten und Licht, mit Hell und Dunkel, mit Leere und Fülle. Gern will seine Kunst immer wieder neu, aus anderen Blick-winkeln oder bei anderem Licht gese-hen, entdeckt und interpretiert wer-den. Mathias Nikolaus - so auch der Titel seiner Jubliäumsausstellung - "beflügelt". 

Auf Schritt und Tritt in Bad Dürkheim

Erst recht in Bad Dürkheim, wo er 1988 nach der Meisterprüfung zum Bildhau-er seine Atelierwerkstatt eröffnete, 
begegnet man seinen Werken auf Schritt und Tritt.


Die Vita des Künstlers

Mathias Nikolaus wurde 1962 in Landau/Pfalz in eine Bildhauerfamilie der 4. Generation geboren 1979 begann er die Ausbildung zum Bildhauer an der Meisterschule in Kaiserslautern. Nach dem Abitur 1983 Abitur legte er 1987 die Meisterprüfung als Bildhauer ab. Ein Jahr später gründete er sein Ate-lier im Triftweg bei der Jet-Tankstelle in Bad Dürkheim. Der Atelier-Garten ist immer einen Blick wert.

1994 bis 2004 folgten Studien in der Bildhauerklasse bei Prof. Duttenhoefer in Schifferstadt .



"Der Wächter" am Eingang zur Fußgängerzone in der Mannheimer Straße.
"Der Wächter" am Eingang zur Fußgängerzone in der Mannheimer Straße.

"Der Wächter" (2002) aus gelbem Sandstein steht an Eingang zur Fußgängerzone in der Mannheimer Straße, wo die frühere Stadtmauer verlief. Dort wacht er - selbst ein Relikt vergangener Zeiten, das allmählich Moos an-setzt - über die Gegenwart, die Stadt und ihre Menschen. Die Skulptur belegt eindrucksvoll Nikolaus' Entwicklung vom naturalistischen Akt in die eher strenge Abstraktion kubischer Formen.

Ebenso gelungen ist der Gedenkstein auf dem Dürkheimer Obermarkt, der - eindringlich und sensibel zugleich, aber auch mahnend - an die  ehemaligen jüdischen Mitbürger der Kurstadt erinnert.

Eher profan und schlicht erlebt man ganz in der Nähe der Bildhauer-Werkstatt das Tor zum östlichen Teil des Kurparks . Die solide Steinmetzarbeit fokussiert den Blick auf einen Ausschnitt des Gradierbaus und erinnert an den Eingang in die frühere königlich-bayrische Saline.

Niklaus' Spezialität: Das Monument im Verkehrskreisel

Mathias Niklaus Wurstmart Kreisel Bad Dürkhiem
Die Stele im Wurstmarkt-Kreisel.

Unweit davon steht sein bei den Pfälzern beliebte-ste Verkehrskreisel-Monument, das an 365 Tagen im Jahr für den Wurstmarkt Werbung macht - mit allem, was zum größten Weinfest der Welt dazu ge-hört: das Pfälzer Dubbeglas, nach der Überliefe-rung in Bad Dürkheim erfunden, das Riesenrad, ein Wahrzeichen des Wurstmarkts, Stielgläser für edelste Tropfen, die Traube ... Ein markanter Win-zerkopf ehrt den Berufstand, der Jahr für Jahr mit ausgesuchten und prämierten Wurstmarkt-Weinen ausschließlich Dürkheimer Provenienz die Gau-men von hundertausenden Besuchern kitzelt, ge-nussreich ihre Sinne betört - und bisweilen auch betäubt.

Magische Blickpunkte in der Mitte eines Rondells, um das der Autoverkehr kurvt, sind eine Spezialität Nikolaus'. Kurz vor dem Dürkheimer Ortsteil Lei-stadt geht - Tag und Nacht und auch bei wolkenver-hangenem Himmel - die Sonne auf, die sich mit sandsteinernen Strahlen über die Anhöhe schiebt. Nach einem Entwurf des Leistadter Künstlerehe-paars Gisela und Henning Bauer hat Mathias Niko-laus 2005 die Leistadter Sonne in den gelben Sand-stein gemeißelt.

Bei Ungstein tritt ein Römer, mit Trinkbecher und Traube an Gott Bacchus erinnernd,  aus der Cortenstahl-Stele und stampft im Kelterbecken die Rebfrüchte - historisch belegte Maischebereitung, wie sie anno 350 n. Chr. an der nahegelegenen Ungsteiner Römervilla praktiziert wurde.  

Mathias Nikolaus Römer Kreisel Ungstein
Der Trauben stampfende Römer-Jüngling im Ungsteiner Kreisel.

An diesem archäologischen Sensa-tionsfund auf dem Weilberg, zu-gleich ein beliebter Aussichtspunkt und Festplatz der Kurstadt, begeg-nen wir Mathias Nikolaus wieder: Sechs ionische Säulen hat der Bild-hauer dort nachgebildet. Mit diesen lang gestreckten Monumenten, die sich über den Ausgrabungen in den Himmel recken und dem geschichts-trächtigen Ort eine besondere Aus-strahlung, ja Würde geben, vermit-telt der Künstler auch eine Vor-stellung von den Ausmaßen des römischen Landguts mit einstmals 14 Gebäuden. Wer will, kann auf einer dreisitzigen Latrine, die er in Sandstein gehauen hat, nachempfinden, wie - auch das ist historisch belegt - die Römer geschäftliche Sitzungen abzuhalten pflegten.

Brunnen - das inspiriernde Spiel mit dem Wasser

Mathias Nikolaus Rathaus Brunneb Bad Dürkheim
Der Dürkheimer Rathausbrunnen: Vier große Weinblätter fangen die Rinnsale von der Stele auf.

Ein aus einem Stück gehauener Brun-nen, der sich lotusblütenähnlich öffnet und aus dessen Mitte eine kleine Was-serfontäne über die filigranen Staub-blätter tänzelt, war 1982 nach der Ausbildung an der Meisterschule in Kaiserslautern das Gesellenstück des jungen Bildhauers. Dem Brunnenthe-ma blieb er in seinen frühen Werken treu.

1989 schuf er den Dürkheimer Rathaus-brunnen, eine Brunnenstele, umrankt von einer pralle Frucht tragenden Weinrebe mit filigran eingearbeiteten stadtgeschichtlichen Motiven. Aus dem
Quellstein an der Spitze plätschert das Wasser in vier Außenbecken, die großen Weinblättern nachempfunden sind.

Ins Zentrum des Römerplatzes in der Fußgängerzone stellte Nikolaus drei Jahre später einen sechseckigen Stockbrunnen aus Sandstein, der auf Bronze-Reliefs die Stadtteilwappen Bad Dürkheims zeigt.

Kontraste: Die korrodierte Patina des Cortenstahls und der rote Sandstein

Mathias Niklaus Brunnen Winzergenossneswchaft Kallstadt
Detail des Brunnens dr Winzergenossenschaft Kallstadt: Der roite Sandstein kontrastiert mit dem Cortenstahl. Foto: WG Kallstadt

Nikolaus' zweiter Lieblingswerk-stoff, der Cor-tenstahl mit sei-ner korrodierten Patina, den er erst später ent-deckte, spielt
beim Brunnen der Winzerge-nossenschaft Kallstadt eine schon prägende Rolle und erweitert die künstlerische Ausdruckskraft. An ein Weinfass erinnernd, hält ein kräftiges Stahlband den kreisrunden sandsteinernen Trog zusammen. Die Stele zeigt in den Stein gehauene vollreife Trauben und üppiges Weinlaub,. Doch einige schon deutlich verfärbte Weinblätter, aus Stahl gebrannt, scheinen von der Rebe bereits abzufallen. Eines von ihnen blies der Wind sanft auf den Rand des Troges. Da liegt es seit 2008. 

Tierisches Vergnügen: Marksteine im Kurpark

Mathias Nikolaus Kurpark Bad Dürkheim
Der Uhu im Kurpark

Sind Sandstein und Stahl seine Lieblingsmaterialien, so scheint der Bad Dürkheimer Kurpark nach der Renaturierung der Ise-nach zu einem Lieblingsort des Künstlers geworden zu sein. Auch dort hat er mit Auftragswerken Marksteine gesetzt. Ein Uhu, Sinnbild für Weisheit und Humor, blinzelt keck dem auf-merksamen Besucher zu. In den Steinbrüstungen der Hoch-zeitsbrücke hat Mathias Nikolaus ein Brautpaar verewigt.

Spiel mit Licht und Schatten: Der fliegende Fisch

Mathias Nikloaus Bad Dürkheim Kurpark Sandstein Skulptur
Spiel mit Licht und Schatten: Fliegender Fisch am Ufer der Isenach.

Sein fliegender Fisch springt über das Ufer der Isenach, trotz in all sei-ner Erhabenheit stoisch  dem Wind - und scheint dabei frech zu lachen. Er lädt zur genaueren Be-trachtung ein und spielt - je nach Tageszeit, Licht und Schatten - mit den dynamischen Farbmar-morierungen seiner stei-nernen Schuppenhaut. die durch Oxid-Einlagerungen eine erfrischende Lebendigkeit erfährt.

Der Fisch macht eindrucksvoll sichtbar, was Mathias Nikolaus bei seinen Sandstein-Arbeiten wichtig ist. Er widmet sich dem gewachsenen Stein mit innerer Hingabe, begegnet dem Naturmaterial geradezu mit Ehrfurcht. Nikolaus bearbeitet den Stein behutsam, einfühlsam und formt ein Unikat, das seine natürlichen Schönheit, seine Ausstrahlung sowie seine ursprüngliche Kraft bewahrt und vielleicht sogar noch eindrucksvoller erkennen lässt.


Die Jubiläumsausstellung "beflügelt" findet im Garten und Atelier von Mathias Nikolaus vom 23. bis 30. September statt.

Mit einer Finissage am Niklolaustag, 06. Dezember 2018 ab 14 Uhr, geht der Künstler in die Winterpause. Zum Abschluss gibt es Glühwein und Lebkuchen.

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