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Der Pfälzer Weinjahrgang 2018: Verheißung trotz Hitze

Der "Oechslekönig" im Glas

Die ersten Flaschen des Pfälzer Weinjahrgangs 2018 sind abgefüllt, gespannt warten wir auf den ersten guten Tropfen im Glas. Einen Namen immerhin hat dieser Jahrgang schon: Der "Oechlekönig" erinnert an den heißen Sommer, der auch für die Pfalz ausnehmend sonnig und besonders lang war.

Die Weinwelt misst den Zuckergehalt im unvergorenem Traubenmost in Oechsle- Graden (°Oe), benannt nach ihrem Erfinder Ferdinand Oechsle (1754 - 1852), einem Goldschmied und Feinmechaniker aus dem Schwäbischen. Schon mit dem frühen Beginn der Weinlese wurden die Winzer vom durchweg gesunden Erntegut mit unerwartet hohen Oechsle-Graden angenehm überrascht.

In froher Erwartung eines sehr guten Jahrgangs

Der Pfalzjahrgang 2018 lässt Spitzenweine erwaten. Ins Glas kommt der "Oechlsekönig".
Der Pfalzjahrgang 2018 lässt Spitzenweine erwaten. Ins Glas kommt der "Oechlsekönig".

Der Pfälzer Traubenmost  bie-tet heuer mit hohem Zuckerge-halt, also reichlich Oechsle-Gra-den eine exzellente Grundlage für die Vinifizierung und nährt die gute Hoffnung, dass die Pfälzer Weine des Jahrgangs 2018 in den Listen der Weingüter und Genos-senschaften einen prominenten Platz einnehmen werden.

Denn den Reben hat die  mitun-ter tropisch anmutende Saison kaum geschadet - die Tiefwurzler holen ihren Wasserbedarf mit ihren oft zig-meterlangen Wurzeln auch aus tieferen Erdschichten. Frost- und Hagelschäden waren in diesem Jahr allenfalls lokal und sehr begrenzt aufgetreten - kaum der Rede wert. Insgesamt darf deshalb sowohl von der Ertragsmenge als auch der Qualität her ein sehr guter, vielleicht sogar außergewöhnlicher Jahrgang 2018 erwartet werden.

Vereinzelt hängen Trauben noch in der Hoffnung auf edelsüße Spezialitäten.
Vereinzelt hängen Trauben noch in der Hoffnung auf edelsüße Spezialitäten.

Manche Beere hängt gar noch in den Reb-feldern. Denn der goldene Oktober hat nicht wenige Winzer dazu bewogen, die Trauben in ausge-suchten Weinlagen
für edelsüße Kres-zensen weiter rei-fen zu lassen. Bee-renauslese, Trocken-beerenauslese oder gar Eiswein sind Spe-zialitäten, die die Sonne im Spätherbst bis weit in den Winter hinein brauchen, um noch mehr Zucker zu anzureichern.

Vom "Frosttrotzer" zum "Millenniumsdorgler"

Dem Weinjahrgang einen Namen zu geben, hat in der Pfalz gute Tradition, die nach einigen Jahren Unterbruch 2017, dem Jahrgang der "Frosttrotzer", wieder aufgelebt ist. Gern orientiert man sich dabei an der Großwetterlage während der Wachstumsperiode. So wuchs 2011 der "Wetterkünstler" heran, 2007 kam der "Frühreife" ins Fass, während der Jahrgang davor "Klimawandler" tituliert wurde. Lassen der "Sonnenbitzler" (2003) oder der "Goldene Herbst" (1985) auf gute Jahrgänge schließen lassen,  so deuten "Regentrotzer" (1978) und "Spätzünder" (1956) auf ein eher durchwachsenes Weinjahr hin.

Auch Zeitgeschichte und die politische Großwetterlage spiegeln sich in den Pfälzer Jahrgangsnamen wieder. Der Jahrgang 1948 erinnert als "D-Mark-Hupser" an die Währungsreform, der 2001er heißt - in weiser Voraussicht auf die Währungsumstellung am 1. Januar 2002 - "Eurotiker". 1977 gab's den "Rentenseufzer", der Jahrgang 1979  wurde zum "Energiesparer" ernannt. 1990 lag der "Wiedervereiniger" auf der Hand, nachdem der Jahrgang zuvor schon als "Gorbi-Schoppen" Geschichte gemacht hatte.

Mit dem "Milleniumsdorgler" (1999) waren die Pfälzer ihrer Zeit sogar voraus, denn mit ihm konnte man erst in der Silvesternacht 2000/2001 auf die richtige  Jahrtausendwende anstoßen. Der Sekt perlte dann sicher fein im Glas ... 1999 war "Milleinnium" ja auch das "Wort des Jahres".

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