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Der Paradiesgarten der Pfalz

Eva ist schon da ... und wartet

Die Pfalz ist ein Garten Eden. Wer's nicht glaubt, der wandle durch die Rebfluren zum Paradiesgarten. Dort erwartet Eva den Besucher in ihren ganzen stolzen Pracht an einem verführerisch schönen Plätzchen oberhalb von Deidesheim. 

Mit stolzem Blick wacht Eva über den "Paradiesgarten" und heißt die Gäste willkommen. Sie hat nichts zu verbergen. Fotos: Kochendörfer
Mit stolzem Blick wacht Eva über den "Paradiesgarten" und heißt die Gäste willkommen. Sie hat nichts zu verbergen. Fotos: Kochendörfer

Sie ist des Wahrzeichen des Paradiesgartens und wacht über dem belieb-ten Rastplatz mit sei-nem berauschenden Blick über die Cittaslow Deidesheim ins Vorder-pfälzische Tiefland bis weit ins Rheintal sowie die edlen Rebhänge. Sie gruppieren sich  - in der Klassifikation des Ver-bands Deutscher Prädi-kats- und Qualitäts-weingüter (VDP) - zu einer Erste Lage. Weingüter von Rang und Namen pflegen im Para-diesgarten ihre Rebzei-len mit Achtsamkeit.
Hier gedeiht ein pfalz-typischer trockener Riesling prächtig, der seine Herkunft nicht verleugnet.

Weine aus diesem Terroir sind außergewöhnlich, haben Persönlichkeit und widerspiegeln den Charakter dieser - für den Weinbau vorteilhaft - nach Süden und Südosten ausgerichteten Hanglage. Der durch tertiäre und pleistozäne Ablagerungen vor Millionen von Jahren geformte, leichtgründige Boden bildet die

Dr. Bassermann-Jordan,  von Winning, Christmann, der Deidesheimer Winzerverein oder Reichsrat von Buhl ... - Weingüter von Rang und Namen pflegen im Paradiesgarten ihre Reben, die meist  Rieslingtrauben tragen und hier zur Vollendung reifen.
Dr. Bassermann-Jordan, von Winning, Christmann, der Deidesheimer Winzerverein oder Reichsrat von Buhl ... - Weingüter von Rang und Namen pflegen im Paradiesgarten ihre Reben, die meist Rieslingtrauben tragen und hier zur Vollendung reifen.

fruchtbare Grundlage. Das Licht verspricht hohe Besonnungsgrade in den Rebzeilen. Der Schatten von den Baumwipfeln des nahen Waldes sorgt für abendliche Frische. Die Hügelkette der Haardt schafft eine besonderes Kleinkli-ma und schützt in ihrem Lee die Weinlage vor übermäßigen Nie-derschlägen. Die sanfte Hangnei-gung lässt in frostigen Früh-jahrsnächten kalte Luftmassen schnell zur Rheinebene hin abflie-ßen und verhindert so Erfrierun-gen an austreibenden Reben. Dazu der sanfte Wind, die Hitze des Sommers oder kühle Herbstnäch-te im Wechsel der Jahreszeiten ... Wahrhaftig ein Paradies für reifende Trauben.

Die Eva - nackter Buntsandstein

Auch Eva passt sich den Verhält-nissen der Örtlichkeit an. Im Win-ter erstahlt sie in eiskaltem Weiß. Alabasterfarben zeigt sie sich im Schatten. In der Sonne spielt ihre Hautfarbe in frischen Gelb- und Ockertönen bis hin zum warmen bronzefarbenen Teint, 


den ihr der hinter'm Wald untergehende Energieplanet verleiht. Sie ist immer ein bisschen anders, aber immer da. Und immer nackt, wie Gott sie schuf und der Bildhauer sie gekonnt in den Pfälzer Buntsandstein meißelte. In der Linken verbirgt sie hinter ihrem Rücken - ein wenig schüchtern - ihr fallendes Gewand. 

Der beliebte Rastplatz bietet einen weiten fantastischen Blick über das Vorderpfälzische Hügelland bis in die Rheinebene.
Der beliebte Rastplatz bietet einen weiten fantastischen Blick über das Vorderpfälzische Hügelland bis in die Rheinebene.

Der geistlichen Obrigkeit war die Frauenskulptur stets ein Dorn im Auge

Eva durfte sich im Deidesheimer Paradiesgarten nicht immer so freizügig zeigen. Denn die wohlgeformte Frauenskulptur, die einst im hochdeputierten Weingut Dr. Deinhard - heute von Winning - den Vorgarten zierte, war dem Ortsgeistlichen immer schon ein Dorn im Auge. Er bangte um die Moral im Städtchen und haderte mit der sündhaften Darstellung weiblicher Formen. So fror Eva, jahrelang im kalten Kelterhaus eingesperrt, bis der Weingutsbesitzer sie aus der Stadt bringen ließ, hinaus in die Weinberge, an einen Platz, der ihrer Schönheit würdig war. Es schickte sich, dass der Rebhang etwa zur selben Zeit im Zuge einer Umlegung der Großlage Forster "Mariengarten" in "Pardiesgarten" umgetauft wurde - ein früher erfolgreicher Marketing-Gag der Deidesheimer Winzer. Und Eva war nun am richtigen Platz - im Paradiesgarten.

Doch auch an diesem ihr biblisch verbürgten Stammplatz fand die erste Frau keine Ruhe. Wiederum auf nachdrückliches Betreiben der geistlichen Obrigkeit bekam die Eva ein Korsett aus schmiedeeisernen Rebenranken verpasst, um ihre ärgsten Blössen zu verbergen. Mit den Jahren jedoch rostete das Eisen, und Eva begann ganz ohne eigenes Zutun, sich zu entblättern. 

Wieder mag ein Mann dies nicht erdulden. Es ist der Herr Regierungspräsident, der jetzt ins Geschehen eingreift. Ganz weltlich gesonnen, lässt er die Statue gänzlich von den rostigen Resten befreien. Seitdem bietet sie sich dem Wanderer im "Paradiesgarten" in praller Schönheit dar und träumt bis heute ungestört von ihrem Adam.

Deidesheim - "das andere Paradies"

Am Ortsrand von Deidesheim liegt wunderbar mitten in den Weinbergen die "Oase im Paradiesgarten", das Schwimmbad.
Am Ortsrand von Deidesheim liegt wunderbar mitten in den Weinbergen die "Oase im Paradiesgarten", das Schwimmbad.

Der Paradies-garten hat noch mehr zu bieten: Eine Oase zum Relaxen ist im Sommer das Deidesheimer Schwimmbad, das inmitten der Weinberge liegt und nicht nur Wasserratten ein abwechs-lungsreiches Freizeitvergnügen bietet: die "Oase im Paradiesgarten".

Der Name "Paradiesgarten" war denn auch Inspiration für die Namensgebung der Deidesheimer Stadthalle und für das Motto der Stadt – "das andere Paradies".

Der Prominenten-Weinberg im "Paradies" für Gorbatschow und Kohl

Blick auf den Prominenten-Weinberg.
Blick auf den Prominenten-Weinberg.

Last, but not least liegt der sog. Prominenten-Weinberg im "Paradies". Die schöne Eva hat ihn immer quasi im Blick. Hier sind große Persön-lichkeiten, die sich in Politik und Gesellschaft verdient gemacht haben und zum Teil Gäste in Deidesheim waren, mit  einem „Ehrenwein-stock“ verewigt.

160 Rebstockpächter gibt es mittlerweile. Unter ihnen finden sich Personen des öffent-lichen Lebens wie der ehemalige Präsident der Sowjetunion Michail Gorbatschow, die Ex-Premierminister Großbritanniens Margaret Thatcher und John Major, Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, Bernhard Vogel, der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, und Stefan Steinweg, Radrennfahrer und Olympiasieger 1992 im Bahnvierer, der heute in Wachenheim lebt. Erster Rebstockpächter wurde im Jahr 1983 übrigens der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Zuletzt wurde 2019 dem im Bad Dürkheim gebürtigen, international renommierten Gitarrenbauer Jens Ritter aus Deidesheim diese Ehre zuteil.

Einmal im Jahr im Herbst sind alle Rebstockpächter zum Lesen der Trauben im Promi-Weinberg mit anschließendem Vesper eingeladen. Mit dabei ist meist auch die Pfälzische Weinkönigin. Die Trauben werden wie in früheren Zeiten noch mit der Hand gelesen und mit Logeln aus den Zeilen herausgetragen. Vom Lesegut wird später im Weingut von Winning Wein gekeltert, von dem im nächsten Sommer jedem Rebstockpächter je eine Flasche zugesandt wird. Man kann diesen Wein auch käuflich im Deidesheimer Museum für Weinkultur, erwerben, das hinter dem Kult um die Ehrenweinstöcke steckt.


Den Paradiesgarten Deidesheim erreicht man bequem zu Fuß oder mit dem Rad auf dem Wanderweg Deutsche Weinstraße, der quasi an der Haustüre unseres Ferienhofs vorbeiführt.
Bis Deidesheim sind es auf gut ausgebauten Wirtschaftswe-gen durch die Rebfelder rund acht Kilometer. Unterwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Einkehr etwa in Wachenheim mit seiner sehenswerten Burgruine oder in Forst, dem Weinort mit den aller-besten Reblagen der Pfalz. Aber natürlich auch in Deidesheim. 

Die Eva findet sich etwas unterhalb des ausgeschilderten Rad- und Wanderwegs auf der Höhe von Deidesheim an einem nicht asphaltierten, parallel zum Hang verlau-fenden Weg. Der Deidesheimer Kirchturm gibt Orientierung. Eva freut sich, wenn ihre Gäste im Paradiesgarten einen guten Tropfen aus der Pfalz mitbringen - und das Leergut wieder mitnehmen.

Der Rückweg kann - anstrengender - über den Fernwanderweg Pfälzer Weinsteig (ca. 15 Kilometer) oder bequem mit dem Regionalzug der Deutschen Bundesbahn erfolgen.  

Pack die Badehose ein! Im Sommer bietet sich eine Erfrischung in der "Oase im Paradiesgarten", dem Deidesheimer Freibad, an.

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