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Warum es bei uns keine Pfalzcard "geschenkt" gibt

Wir schenken Wohlgefühl und Erleben

Promoviert auch von politisch interessierter Seite, gibt es seit 01. April 2018, in über 100 Beherbergungsbetrieben die sogenannte Pfalzcard als, wie es heißt, "Geschenk" für den Gast. Klingt erst mal gut. Bei uns gibt es sie nicht - auch nicht für geschenkt. Nicht gut? Wir erklären aus unserer Sicht gerne, warum.

Ihr Gastgeber, Klaus Kochendörfer, kommentiert

Die Pfalzcard funktioniert auf der Basis einer Umlage, die der Gastgeber bezahlt. Für jede Nacht und jeden erwachsenen Gast werden drei Euro fällig, für jeden Jugendlichen 2,50 Euro pro Nacht . Für eine vierköpfige Familie, die eine Woche die Pfalz erkundet, kommen so 77 Euro zusammen, plus Mehrwertsteuer. Wir können uns beim besten Willen nur mühsam an eine Urlaubsfamilie erinnern, die in einer Ferienwoche ein Eintrittsbudget von knapp hundert Euro verbrauchte.

Die Umlage ist übrigens auch für Gäste zu entrichten, die gerne mal nur eine Nacht in ihrer Unterkunft verbringen. Hochzeitsgäste etwa, die mit dem Brautpaar den schönsten Tag des Lebens feiern wollen, dann ausschlafen und sonst nichts. Oder Etappenwanderer und Tourenadler, die sich die schöne Pfalz auf Schusters Rappen oder dem Zweirad  erschließen und nichts weiter als ein Dach über dem Kopf brauchen, um die müden Glieder zu recken. 

Einem geschenkten Gaul ....

"Geschenkt" bekommt der Pfalzcard-Gast um die hundert Freizeitangebote (Stand: März 2018). Mit 22 öffentlichen Pools - frei oder in der Halle oder gar mit Cabrio-Dach, mit oder ohne Sauna - dürfte die Pfalzcard die Bäderlandschaft der Region fast vollständig abbilden. Führungen und Museen - mit auch außergewöhnlicher Thematik - zählen ebenso zum Angebot wie lokale Kulturprogramme bis hin zu eigens veranstalteten Konzerten der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz (Platzkategorie 2). Eine recht illustre Vielfalt der Freizeitvergnügungen, für jedes Alter, für jedes Wetter - das soll gar nicht klein geredet werden.

Vor Einführung der Pfalzcard aber konnten die interessierten Gastgeber an Preis-Seminaren teilnehmen, bei denen es um die Wertigkeit eines
Unterkunftsangebots und seinen Marktpreis ging - ein Wink mit dem Zaunpfahl, wie Herbergsbetriebe die Umlage finanzieren könnten. Dem noch argwöhnend zaudernden Gastgeber hilft die Pfalz-Touristik e.V., die gemeinsam mit dem Verein Pfalz Marketing die Pfalzcard aus der Taufe gehoben hat, ganz unverblümt mit einem konkreten Hinweis auf's Pferd: "Der bestehende Übernachtungs- oder Wohnungspreis könnte natürlich 1 : 1 um den Umlagebetrag angehoben werden", heißt es als Quintessenz in einer offiziellen Anleitung. Natürlich ... 1 zu 1 ... eben mal draufschlagen ...

Es ist also durchaus nicht aus der Welt, dass letztlich der Gast das "Geschenk" der Pfalzcard selbst bezahlt. Vielleicht aber erinnert er sich an das Sprichwort vom geschenkten Gaul und fühlt sich gar als Goldesel missbraucht.

Immerhin: Stolze tausend Euro, so ließ die Geschäftsleitung der eigens gegründeten Pfalzcard GmbH in der Lokalpresse vernehmen, sei die Karte wert, wenn man alle Angebote an einem Tag nutzen würde. Mal abgesehen davon, dass kein Gast das wirklich will, geschweige denn realisieren könnte, selbst wenn er wollte: Was nützt einem Pfalz-Urlauber ein Freifahrschein im Verkehrsverbund zwischen dem Hauptbahnhof Würzburg und dem elsässischen Lauterbourg, es sei denn er wollte - in der Pfalz, der Heimat edler Tropfen, domizilierend - partout auch den Boxbeutel und Edelzwicker probieren und auch noch in Rheinhessen zur Weinverkostung Station machen? Zum Wohl, die Pfalz! 

"All inclusive" mit unübersehbaren Lücken

Nicht nur, dass die Pfalz sich mit der Pfalzcard unnötigerweise größer macht. Sie wird sogar, so ihr betörend einfallsreicher Slogan, "all inclusive". Also Wasser, Tischwein und lokales Bier "fer umme", alle anderen Getränke freilich extra auf Rechnung. So kennt man das ja.

Wahrhaftig: "Der Eintritt zum Dom ist und bleibt frei", bekräftigt das Domkapitular Speyer sein Credo seit eh und je, doch die Pfalzcard bringt den Feriengast sogar gratis zum Kaisersaal und hinauf auf den Südwestturm - näher zum Himmel geht nicht. Krypta und Kaiserlege indessen kosten extra, auch mit der Pfalzcard. Gleich nebenan besichtigen Pfalzcard-Gäste die Sammlungen des Historischen Museums der Pfalz kostenlos; die nicht minder sehenswerten Sonderausstellungen sind aber nicht inklusive. Einzig das Sealife Großaquarium - typisch Pfalz? - ist in der Domstadt wirklich "all inclusive". Das Technikmuseum am selben Ort fehlt dagegen ganz.

Alles inklusive in der Pfalz? Kurpfalz- oder Holiday-Park sucht man vergeblich im Pfalzcard-Freizeitangebot, wenn man sie dort finden wollte. Die Rietburgbahn, der einzige Sessellift der Pfalz? Fehlanzeige. Auch unser nächstgelegener Golfplatz in Dackenheim fehlt beispielsweise, wie überhaupt das "All inclusive"-Angebot rund um Bad Dürkheim eher mager ausfällt.

Erfolgreiche Marketing-Konzepte jedoch zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus: Sie sind überzeugend und glaubwürdig. Sie schaffen Zufriedenheit statt Verärgerung ob eines lückenhaften Angebots, das sich nur "all inclusive" nennt, aber nicht hält, was es verspricht. 

Die Konkurrenz der Bad Dürkheimer Gästekarte

Zu allem Überdruss trifft die Pfalzcard in Bad Dürkheim auf die Konkurrenz zur örtlichen Gäste- bzw. Kurkarte und damit auf eine auch von Touristikern ungelöste Gemengelage. Die Dürkheimer Gästekarte wird allerdings nicht verschenkt, sondern traditionell vom Gast bezahlt. Pro Nacht erhebt die Kurstadt in der Hauptsaison zwei Euro für Erwachsene, Jugendliche zahlen die Hälfte. Dafür ist beispielsweise der Gradierbau-Besuch umsonst  - wie mit der Pfalzcard nun auch. Der Eintritt ins Freizeitbad "Salinarium", in das Pfalz-Museum für Naturkunde oder die Hardenburg ist nur für den Pfalzcard-Inhaber kostenlos, während es mit der Gästekarte in diesen Einrichtungen Nachlässe auf den Eintrittspreis gibt. Kostenlose oder verbilligte Führungen hingegen werden  ausschließlich den Gästekarten-Besitzern angeboten. Busse und Bahnen, um beliebte Ausflugsziele zu erreichen oder die Beine eines müden Wanderers auf der Heimkehr zu entlasten, sind im näheren Umkreis Bad Dürkheims mit dem obligatorischen Gästebeitrag ebenfalls abgegolten.

Allein bei der Vorstellung aber, dass sich Gäste nun damit auseinanderzusetzen hätten, mit welcher Karte welches Schnäppchen zu machen wäre, droht selbst die allerbeste Urlaubslaune schnell abhanden zu kommen.

Unsere Gäste entrichten den kurstädtischen Obolus in aller Regel gern, jedenfalls klaglos und nehmen die Gästekarte erfreut, überrascht und dankbar entgegen. Denn ein paar Tage am Haardtrand zwischen Reben und Wald auszuspannen, verbinden die wenigsten Urlauber mit dem Abklappern einer ziemlich beliebigen Liste von Touristenattraktionen anhand einer Pfalzcard. Sie entdecken die Erlebnisorte im überschaubaren Ferienumfeld gerne, aber eher gelegentlich und am liebsten im genießerisch gemächlichen Erholugsmodus. Das Gros der Pfälzer Urlauber will abschalten vom Alltagsstress, sucht die Begegnung mit der Natur, genießt - nicht nur den Wein - und lässt  die Seele gerne baumeln. Dazu braucht der Pfalz-Besucher keine Pfalzcard, erst recht nicht, wenn er Bad Dürkheim als Ausgangsort für seine Erkundungen wählt.

Kaum verwundern kann deshalb, dass in der Kurstadt zum Auftakt der Pfalzcard-Kampagne mal grade ein einziger Gastgeber gelistet ist, der die Karte  "verschenkt". Geschenkt ...

Zu verschenken hat die Pfalz gleichwohl viel und zwar in kostbarer Fülle: Reichlich Sonne vom zeitigen Frühjahr bis spät in den Herbst, ein stets angenehm mildes Klima, freundliche Menschen, wohltuenedes Wohlgefühl, bodenständiges Genuss-Erleben nicht nur im Weinglas und höchste Lebensqualität, ja Lebenslust inmitten einer einmaligen Landschaft, die sich auch ohne Pfalzcard ziemlich problemlos und unkompliziert erschließt.

Tipps dazu gibt's bei uns gerne kostenlos.

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