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Ab 2025 im verbesserten Takt: Neue Regionalzüge ins Elsass

Der Régiolis mit der Bi-Bi-Technik

Ab Ende 2024 sollen zwischen Neustadt und Straßburg Direktzüge mindestens im Zwei-Stunden-Takt, eventuell sogar im Stundentakt fahren.  Für die neue Ära im regionalen Bahnverkehr zwischen Deutschland und Frankreich wird eine in beiden Ländern einsetzbare Version des französischen Triebwagens Régiolis entwickelt. 

Der ab 2025 geplante Taktfahrplan ist für den deutsch-französischen Bahnver-kehr der größte Fortschritt seit dem Start des ICE nach Paris. Nur zweieinhalb Stunden braucht man mit dem ICE von Kaiserslautern nach Paris. Der Regional-verkehr zwischen Deutschland und Frankreich ist leider nicht so attraktiv. Zwar sorgte 1997 die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen dem pfälzischen Winden und Wissembourg (Weißenburg) im beliebten Ausflugsziel Elsass bundesweit für viel Aufmerksamkeit. Danach gab es jedoch über 20 Jahre keine größeren Fortschritte mehr, sondern eher Stagnation und Rückschläge wie etwa den Wegfall von Direktzügen von Saarbrücken nach Straßburg. 

Großer Wurf in der deutsch-französischen Kooperation

Nun sieht alles danach aus, dass bald ein großer Wurf gelingt. Ab Ende 2024 soll der grenzüberschreitende Zugverkehr auf gleich sieben Strecken auf ein noch nie da gewesenes Niveau gebracht werden. Denn Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland haben mit der Région Grand Est, in der das Elsass und Lothringen aufgegangen sind, zukunftsweisende Vereinbarungen getroffen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines neuen, in Frankreich wie in Deutschland  einsetzbaren Schienenfahrzeugs. Neben Malu Dreyer, der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin, zeigt auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron großes Interesse an dem Projekt.

Bisher sind nur die relativ kleinen Triebwagen der Serie X 73.900 sowohl mit der französischen als auch der deutschen Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Aus diesen Fahrzeugen wird das bisher einzige Zugpaar gebildet, das Neustadt über Landau und Wissembourg mit Straßburg umsteigefrei verbindet – allerdings nur samstags und sonntags, weil die Triebwagen an Werktagen anderweitig gebraucht werden. Die rheinland-pfälzische Landesregierung strebt schon seit mehr als 20 Jahren einen Zwei-Stunden-Takt zwischen Neustadt und Straßburg an. Im Stundentakt wird bisher lediglich die Strecke zwischen Neustadt und Weißenburg befahren. In Weißenburg haben einige Züge - aber längst nicht alle - einen mehr oder weniger günstigen Anschluss nach Straßburg.

Hohe Entwicklungskosten auf mehreren Schultern

Der auch für Rollstohlfahrer bequeme Régiolis wird in den französischen Alstom-Werken gebaut und verkehrt seit 2011 mit bis zu 200 km/h in den Regionen der Grand Nation. Foto: Cramos
Der auch für Rollstohlfahrer bequeme Régiolis wird in den französischen Alstom-Werken gebaut und verkehrt seit 2011 mit bis zu 200 km/h in den Regionen der Grand Nation. Foto: Cramos

Die Entwicklungskosten für neue Fahrgeräte stellten bisher das größte Hindernis für eine Verbesserung des deutsch-französischen Regionalverkehrs dar. Indem nun drei deut-sche Länder und die Région Grand Est, die aktuell durch sieben Eisenbahnstrecken miteinander verbunden sind, in einem muster-gültigen Projekt der deutsch-französischen Partnerschaft enger kooperieren, werden die Entwicklungskosten auf mehrere Schultern verteilt.

Für die Bedienung dieser Linien werden rund 30 Triebwagen gebraucht. Die Région Grand Est ist bereit, die Hälfte der auf rund 38 Millionen Euro veranschlagten Entwicklungskosten zu übernehmen, der Rest wird auf die beteiligten deutschen Länder aufgeteilt. Auf den für den regionalen Schienenverkehr in der Pfalz zuständigen Zweckverband in Kaiserslautern entfallen rund sechs Millionen Euro. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) haben zugesagt, die Mittel aus dem Landeshaushalt zur Verfügung zu stellen. Zuschüsse sind aus dem EU-Förderprogramm Interreg zu erwarten.

Für verschiedene Antriebssysteme: Triebzüge aus dem elsässischen Reichshoffen

Wenn alle erforderlichen Beschlüsse der Beteiligten vorliegen, will die Région Grand Est die Fahrzeuge bei Alstom bestellen. Vorgesehen ist eine für den grenzüberschreitenden Verkehr geeignete Version des in Frankreich bekannten Régiolis-Triebwagens auf der Basis des Alstom Coradia Polyvalent. Für diesen Zugtyp ist im französischen Eisenbahnerjargon die Bezeichnung „Bi-Bi“ üblich. Das erste „Bi“ steht für einen Antrieb sowohl elektrisch (mit Strom aus einer Oberleitung) als auch mit einem Dieselmotor für nicht elektrifizierte Streckenabschnitte; das zweite „Bi“ steht für zwei Stromsysteme, in diesem Fall das deutsche und das französische Wechselstromsystem. 

Die Fahrzeuge werden im elsässischen Alstom-Werk Reichshoffen gebaut - ein Grund, der die deutsch-französische Kooperation unter industriepolitischen Gesichtspunkten sicher beflügelt.

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