Ein Ringeltaubenpärchen nistet im Lebensbaum

Gefiederte Gäste im Wellness-Ferienhof

Es kreucht und fleucht so manches Getier auf unserem Ferienareal. Amseln brüteten im Quittenbaum, Smaragdechsen aalen sich in der Sonne, und die harmlosen Feuerwanzen laben sich am Hibiskus-Tau. Anfang Mai hat sich ein Ringeltaubenpärchen unseren Lebensbaum als Nistrevier erkoren. 

Ringeltaube Bad Dürkheim Nest Brut
Bitte nicht stören - die Ringeltaubenmutter beim Brutgeschäft. Der Vater besorgt derweil unbesorgt das Futter. Foto: Klaus Kochendörfer

Kein schlechtes Plätzchen, so tief versteckt im dich-ten Nadelkleid des Thujabaums: Zwar nur leidlich ges-schützt vor Wind und Wetter, aber angenehm kühl und schattig an diesen ersten Hochsommertagen des Jahres,  lässt sich hier oben in knapp zehn Me-tern Höhe ganz ungestört und nahezu unbemerkt dem Brutgeschäft frönen. Nur die Morgensonne bringt Licht ins Nest und wärmt das in der Nacht durchgekühlte Federkleid. Wellness mit Hochgefühl für Ringeltauben. 

Ein sicherer Ort dazu.. Auch Nachbars pumeliger Kater, gern des nächtens lauernd unterwegs, wird sich durch das dichte Geäst nicht in solche Höhen wagen. Und der Bussard mag eh lieber Mäuse und kommt auch nur noch selten vorbei. Und wenn, dann hockt er unverkennbar und vor lauter Stolz kaum getarnt auf dem Giebelfirst des Hinterhauses, um sein früheres Jagdrevier, das Neubaugebiet, - ein wenig traurig? - ins Visier zu nehmen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt ...

Im kleinen Taubenhirn ist der Geburtsort gespeichert

Die größte Taube Europas, unschwer an der weißen Halskrause, dem rötlichen Grau des Brustgefieders und am orangeroten, zur Spitze hin gelben Schnabel zu erkennen, brütet auf meist zwei Eiern ungefähr zwei Wochen. Ab Mitte bis Ende Mai wird sich zum unauffällig sonoren Gurren der Adulten also auch das leise Gefiebe des Nachwuchs' gesellen, der um die Kropfmilch bettelt. Bald gibt's dann feste Nahrung, bevorzugt vegetarisch. Und Ende Juni dürfte das Jungvolk dann flügge sein.

Damit nicht genug. Die saisonal monogamen Ringeltauben brüten zwei- bis dreimal bis ins Spätjahr hinein und nutzen dazu bevorzugt das einmal gebaute Nest. Mehr noch: Tauben haben eine ausgeprägte Erinnerung an ihren Geburtsort und kehren zur Balzzeit gerne an ihn zurück. Nicht unwahrscheinlich, dass weitere Generationen auf unseren Bäumen heranwachsen, wenn ihnen ihre Kinderstube gefallen hat. 

Nicht jede Taube ist ein willkommener Gast

Derlei arttypisches Heimatbewusstsein der Tauben kann auch zum Problem werden. Wir hatten auf unserem Ferienhof auch schon die gemeine Stadttaube zu Gast, wohlklingender auch Felstaube genannt, bei Hygienikern  allerdings als "Ratten der Lüfte" in Verruf. Der unangemeldete Besuch dieser Artgenossen blieb in ziemlich unangenehmer Erinnerung.

Vor drei, vier Jahren hatten sich die frechen Dauer-Ausscheider einen Einschlupf unter das Dach ausgewählt, wo im Hochsommer die Brut fast von alleine von statten geht, und dabei gar den Schaumstoff des Isoliermaterials als Nestbaustein verwendet. Faules Gesinde! Durch ihr lautes Gegurre bereits vor Sonnenaufgang waren sie schon unangenehm aufgefallen, erst recht aber durch zentimeterdicke unappetitliche und ätzende Kotablagerungen auf Fenstergesimsen und ziemlich heftige "Hahnen"kämpfe der Heranwachsenden auf dem Dach. Und das drei bis vier Brutzeiten hintereinander, ohne Ortsveränderung einen ganzen Sommer lang! Jedes Mal das Theater, Gezeter und der Dreck mit den Alten und den Jungen und den jungen Jungen, den noch jüngeren Jungen und schließlich gar den Jungen von den Jungen. Ungezähmter Fortpflanzungsdrang, gepaart mit schlechten Manieren - unerträglich, zumal sich die Stadttauben als Lieblingsplatz für ihre Notdurft just den Fenstersims über dem Eingang zu unseren Ferienwohnungen ausbedungen hatten und als luftigen Donnerbalken missbrauchten.

Bis heute kommen in jedem Frühjahr ein paar Stadttauben, wohl die Jungen von den Jungen, im unverkennbaren Balzmodus und auf er Suche nach ihrem angestammten Nistplatz vorbei. Kopfnickend stolzieren sie dann auf dem Dach herum und sind offensichtlich tief entrüstet, frustriert. Die Einflugluken wurden nämlich zwischenzeitlich - nach aufwändiger Reinigung und Desinfektion der unansehnlichen Gelegereste - von innen verrammelt, und ein findiger Handwerker hat die beliebten Dachüberlappungen mit rutschigen Edelstahlblechen verkleidet. Das mag die Stadttaube gar nicht als Landeplatz. Seitdem ist Ruhe unter'm Dach und rund ums Haus.

Die geradezu vornehme Ringeltaube kommt mit ihrem selbst gebauten Nistplatz im hohen Baum und einer offensichtlich viel besseren Kinderstube weitaus sympathischer daher.

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