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Der Kriemhildenstuhl und das Weingut am Weilberg

Auf den Spuren der Römer

Das nachchristliche Rom hat rund um Bad Dürkheim viele Spuren einer Blütezeit hinterlassen. Im Kriemhildenstuhl oberhalb der Kurstadt wurde Sandstein gehauen. Am Weilberg kelterten die Römer einen wohl ziemlich sauren Wein. Unsere Wanderung führt durch Wald und Reben zu den Stätten der Spätantike. 

Am römischen Steinbruch oberhalb von Bad Dürkheim erläutern Informationstafeln die Kunst der spätantiken Steinhauer.
Am römischen Steinbruch oberhalb von Bad Dürkheim erläutern Informationstafeln die Kunst der spätantiken Steinhauer.

Wir folgen dem Fußweg neben dem Spielplatz im Haidfeldweg über den Steg beim Bahnhof, durchqueren den Kurpark und gelangen an der Tourist Information und am Dürkheimer Fass vorbei beim Weingut Fitz-Ritter in die Hinterberg-straße, der wir etwa 700 Meter bis zur Weinstube Keschdedell folgen. Dort führt ein Stichweg rechts über die Vigilienstraße und ein kurzes Stück der Sonnwend- und Halsbergstraße auf den Pfälzer Weinsteig. Gut beschildert, geht es unterhalb der Schäferwarte in mehreren Serpentinen weiter zum Fuß des römischen Steinbruchs, etwa 150 Meter über der Stadt.

Es ist einer der größten römischen Steinbrüche nördlich der Alpen. Im Mittelalter wurde der Steinbruch –  wie der vermutlich ebenfalls von den Römern angelegte Brunhildisstuhl in der Nähe – fälschlichweise mit den germanischen Burgunden und dem Nibelungenlied in Verbindung gebracht - daher der Name Kriemhildenstuhl. 

Die Kunst der römischen Steinmetze

Wissenschaftliche Ausgrabungen Ende des 19. bis in die 30er-Jahre des 20. 

Das Zeichen der 22. Legion
Das Zeichen der 22. Legion

Jahrhunderts

zeigen einen nahezu völlig vom Abraum freigeräumten, halbrunden Steinbruch, der von der 22. Legion der römischen Heeres betrieben wurde. Ihr Feldzeichen haben die Legionäre neben

Pferd im Sandstein. Fotos: wikipedia
Pferd im Sandstein. Fotos: wikipedia

anderen Darstell-ungen  - u. a. von Pferden - in den Sandstein getrieben.

Bei den Grabungen wurden auch einige Werkzeuge gefun- den, die etwas über die Technik der schweißtreibenden Arbeit des Abbaus  erzählen. Die bis zu zwei Kubikmeter großen Steinblöcke wurden zunächst mit eisernen Schrothämmern an zwei Seiten aus der Felswand freigehauen, dann wurde mit Setzkeilen an der Unterseite gelöst. Wie die Steinquader auf Kufen und Rollen ins Tal geschafft wurden, ist an der Transportrille noch guut zu erkennen. Weiter ging es 


Der römische Kaiser von Trier

Kaiser Valentinian I. auf einer römischen Münze.
Kaiser Valentinian I. auf einer römischen Münze.

Im Jahr 364 n. Chr. beginnt für die Pfalz und den Nordwesten des Imperiums Romanum eine besondere Ära: Zum Kaiser des Römischen Reiches erhoben, wählt Flavius Valentinianus (321 - 375) die Moselstadt Trier - das damalige Augusta Treverorum - zu seiner bevorzugten Residenz.

Valentinian I. gilt als einer der "starken" Kaiser seiner Zeit, der u. a. die Aufteilung der Herrschaft im - zwischen Britannien sowie der Süd- und Ostküste des Mittelmeers - riesigen römischen Reich auf zwei Regenten mit jeweils eigenem Hof und Verwaltungs-apparat vorbereitete.

Zum Schutz gegen die einfallenden Alamannen ließ er umfangreiche Befestigungsanlagen entlang der Rheingrenze errichten. Einige der Festungsbaumaßnahmen soll er sogar persönlich überwacht haben. Die Versorgung der römischen Legionäre mit Nahrungsmitteln - auch Wein - wurde durch große Gehöfte und Siedlungen im Hinterland gewährleistet. Valentinian ist damit der einzige römische Kaiser, der direkt mit der Regionalgeschichte der Pfalz verbunden ist.



entweder auf Karren oder auf Booten auf der Isenach und den Rhein abwärts nach Worms oder Mainz, wo der weißliche quarzitische Sandstein nachweislich verbaut wurde.

Der Kriemhildenstuhl ist Eigentum des Drachenfels-Clubs. Auf dem oberen Plateau, zu dem sich der Aufstieg allemal lohnt, ist eine Schutzhütte errichtet. Von hier aus hat man eine wunderschöne Aussicht über die Stadt und die Rheinebene. Direkt hinter der Schutzhütte beginnt der Ringwall einer keltischen Siedlung, der in zwei Kilometern Länge die ganze Bergkuppe umzieht. 

Wasser aus einer spätantiken Rinne und ein beeindruckender Ausblick

Die römische Wasserleitung versorgte einst einen Gutshof. Foto: Pfalz-Touristik
Die römische Wasserleitung versorgte einst einen Gutshof. Foto: Pfalz-Touristik

Die Route zum römischen Weingut am Weilberg führt zunächst zurück auf dem Weg, den wir gekommen sind, zur Schäferwarte und weiter am Haardtrand entlang durch den Wald, bis ein Naturpfad abwärts in die Weinlage des Dürkheimer Hochbenn führt. Wir halten uns links und folgen dem asphaltierten Wirtschaftsweg Richtung Annaberg, Auch hier waren die Römer schon unterwegs: Die bis heute erhaltene Wasserleitung gehörte einst zu einem Gutshof mit vier Gebäuden samt dem Luxus einer Fußbodenheizung und eines separaten Badehauses. 

Beim Hotel Annaberg folgen wir der Straße nach rechts, queren die L 517 Richtung Leistadt und gelangen weiter, der Beschilderung folgend, zum römischen Weingut.

Ja, auch die Römer wussten, wo es schön ist.  Der Blick durch die drei imposanten rekonstruierten Säulen öffnet das Panorama auf Weinberge, Pfälzerwald, Stadt und Rheinebene. Bei schönem Wetter reicht der Blick bis zum Schwarzwald.

30.000 Quadratmeter Wohnfläche und ein kleines Badehaus mit Schwitzbad

In imposanter Lage errichteten die Römer ein Weingut von stattlichen Ausmaßen. Der Blick schweift über die Reben des Weilberg weit bis in die Rheinebene und zum Pfälzerwald. Foto: Stadt Bad Dürkheim
In imposanter Lage errichteten die Römer ein Weingut von stattlichen Ausmaßen. Der Blick schweift über die Reben des Weilberg weit bis in die Rheinebene und zum Pfälzerwald. Foto: Stadt Bad Dürkheim

Vor fast 2.000 Jahren soll das Haupthaus eine imposante Frontlänge von 150 m gehabt haben. Es bot auf mehreren Etagen  30.000 Quadratmeter Wohnfläche. Die 15 stattlichen Räume des Herrenhauses und die seitlichen Annexe waren durch einen Portikus miteinander verbunden.

Bruchstücke von Säulen und Kapitelen zeugen von der handwerklichen Qualität dieses Umgangs. Die in der ursprünglichen Höhe und Größe wieder aufgerichteten Säulen erleichtern die Vorstellung der einstigen Bauweise.

Bei den Ausgrabungen im Rahmen einer Flurbereinigung im Jahr 1981 wurden die Fundamente von elf weiteren Gebäuden nachgewiesen. Der 150 Quadratmeter große, für den Umfang der Anlage eher bescheidene Badetrakt ist unterteilt in ein Kalt- und ein Warmbad, dazu ein Umkleideraum und ein Schwitzbad.

Die Archäologen waren sehr erfreut, dass die Mauern der Villenanlage überaus gut erhalten waren, teilweise bis zu 150 Zentimeter hoch. Vieles wurde allerdings, weil die Zeit für eine komplette wissenschaftliche Ausgrabung nicht zur Verfügung stand, wieder zugeschüttet und lediglich mit Plänen festgehalten, die auf Informationstafeln vor Ort dokumentiert sind.


Spätantiker Prachtstuhl. Fotos: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie Speyer
Spätantiker Prachtstuhl. Fotos: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie Speyer

Exklusives Reisemöbel

Ein Amateur-Sondengänger barg Im Wald nahe Rülzheim (Landkreis Germersheim) Ende 2013 ein teilweise vergoldetes und mit Silberfolie umwickeltes Eisengestänge nebst Goldapplikationen und Silberschalen. Die Fundstücke lagerte und behandelte der Raubgräber zu Hause unsachgemäß, bis man ihm aufgrund seiner selbstrühmenden Internet-Veröffentlichungen auf die Schliche kam. Wegen Unterschlagung bekam er eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten. 

Trotz des Frevels an dem archäologischen Sensationsfund konnten Wissenschaftler

Rekonstruktionszeichnung der  Stuhls von Rülzheim.
Rekonstruktionszeichnung der Stuhls von Rülzheim.

in mühevoller Puzzlearbeit Alter und Herkunft des Stuhls eingrenzen und ihn der kurzen wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit zuordnen, die die Pfalz unter römischer Verwaltung erlebte und die bis heute spür- und sichtbar ist.

In der Kittmasse, die die zierlichen Frauenfigürchen an der Lehne fixiert, fand sich nämlich ein Olivenkern, der nach der C14-Methode, der Radiokohlenstoff-Datierung, aus der Zeit zwischen 350 und 410 n. Chr. stammt.  Das Bleilot der Stuhlfüße, die in der Form an Löwentatzen erinnern, lässt überdies auf Abbaugebiete in Britannien oder der Eifel schließen und ist identisch mit dem bei der Apostelkanne im Trierer Silberschatz verwendeten Material. 

Das exklusive Reisemöbel, sozusagen ein antiker Campingstuhl, gehörte vermutlich einer Frau der gesellschaftlichen Elite. Weltweit ist kein weiterer Stuhl dieser Art erhalten. Er war in seiner Form bisher nur von zeitgleich datierenden Abbildungen aus anderen Funden bekannt.


Römische Weinpresse und Friedhof

Das bedeutsamste Nebengebäude der Römischen Weinguts ist ein Kelterhaus. Ein  rechteckiges Becken von 4 x 2 Metern mündet in ein fast quadratisches Becken. Ein weiteres rechteckiges Becken wurde später hinzugefügt. In die beiden äußeren Becken unterhalb der Villa wurden zur Erntezeit die Trauben eingefüllt und mit den Füßen zertreten. Der Most floss in das etwas tiefere mittlere Becken, wo er ausgeschöpft und in Fässer gefüllt wurde. Der Ertrag von 30 bis 40 Hektar Rebfläche konnte nach Schätzungen der Experten hier während des Herbstes verarbeitet werden.

Bei besonderen Gelegenheiten steigen Ungsteiner und die Mitglieder der 1. Römercohorte Opladen gerne in römischer Tracht in die Becken und führen diese Form der antiken Weinpresse vor. Ansonsten herrscht Ende Juni römisches Leben im Weingut, wenn das "Weinfest an der Römerkelter" gefeiert wird.

Aber nicht nur diese Kelter lieferte den Nachweis für Weinbau während der Antike in der Bad Dürkheimer Gegend. In einem stark verformten ehemals glockenförmigen Bleigefäß aus dem Schutt eines großen Nebenbaus, fanden sich in einer dicken Bleioxidschicht zahlreiche Rebkerne. Die wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass es sich neben Wildreben schon um frühe Formen der Riesling-, Traminer- oder Burgunder-Trauben handelte. Gezeigt werden auch sichelförmige Rebmesser oder zweizinkige Rotthacken.

Zu jedem römischen Gut gehört ein Friedhof. Zu den beiden Sarkophagen, die 1894 entdeckt wurden, gesellte sich 1981 bei den Grabungen ein weiterer. Südwestlich der Villa fand sich ein unzerstörter Steinsarg, ein ehemaliger Brunnentrog, in dem eine jugendliche weibliche Person bestattet war. Alle Sargfunde sind heute östlich des restaurierten Teils des Herrenhauses ausgestellt.

 Die Reste der Villa sind jederzeit zugänglich. Neben einem Kelterbecken und dem Mostsammelbecken wurden auch Teile des Wohngebäudes rekonstruiert. Dieses kann nur im 


Rahmen von Führungen durch das Römische Weingut Weilberg besichtigt werden.

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