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68. Schwetzinger Festspiele 2019

Neuland auf der "Zauberinsel"

Die Schwetzinger Festspiele (26. April bis 25. Mai 2019) wollen in ihrer 68. Ausga-be "Neuland", so das Motto, entdecken. Die Uraufführung einer neuen Oper steht im Programm, und mit Andreas Ottersamer ist ein begnadeter Klarinettist gleich an drei Abenden zu Gast. Der Vorverkauf hat begonnen.

Eine wunderschöne Örtlichkeit nicht nur für die Musik: Schloss Schwetzingen mit dem Schlossgarten. Fotos: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
Eine wunderschöne Örtlichkeit nicht nur für die Musik: Schloss Schwetzingen mit dem Schlossgarten. Fotos: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Schwetzigen, im 18. Jahrhundert Sommerresidenz der Kurpfälzischen Kurfür-sten, ist mit Schloss und Schlosspark ein magisch schöner und musikgeschicht-lich bedeutsamer Ort. Schwetzingen steht für außergewöhnliche Opern- und Konzertereignisse. Darüberhinaus sind die Schwetzinger Festspiele in den letzten

Jahren zum Be-griff für ein Mu-sikfestival ge-worden, das nicht nur an einem wunderschönen realen Ort statt-findet, sondern auch auf einer Vielzahl von digi-talen Plattfor-men spielt. Das
Genusserlebnis 


Wenn der Kürfürst in Schwetzingen war
und ihm sein vortreffliches Orchester dahin folgte,
wähnte sich die Hofgesellschaft

in eine Zauberinsel versetzt,

wo alles klang und sang.
Aus dem Badehaus ertönte abends die wollüstige Musik,
ja aus allen Winkeln und Hütten des kleinen Dorfs
hörte man die magischen Töne seiner Virtuosen."

Christian Schubart (1739-1791),
Dichter, Organist, Komponist und Journalist



vor Ort - erst recht in der Haupternte von Deutschlands ältestem Spargelanbau-gebiet - findet seinen Nachhall im Radio und Fernsehen. 

Die Schwetzinger Schlossfestspiele - auch ein multimediales Ereignis

Das wissen nicht nur SWR 2-Hörer zu schätzen, die den Großteil der Konzerte auf ihrem Kultursender verfolgen können, sondern auch eine weltweite Hörergemein-de, die über die Europäische Rundfunkunion (EBU) dabei ist. Die Schwetzinger Festspiele sind das weltweit größte Radiofestival für klassische Musik.

 

Seit vielen Jahren begleitet auch das SWR Fernsehen die Schwetzinger Festspiele, und arte hat einen Livestream entwickelt, der die Konzerte in Videoform ins Internet bringt. Viele Aufführungen sind auch noch Monate nach dem Festival bei SWRClassic.de zu finden.

Zwei Erstaufführungen im stilvollen Rokokotheater

Das Rokokotheater - Aufführungsort für die beiden Opern.
Das Rokokotheater - Aufführungsort für die beiden Opern.

Sehr gespannt sein darf man auf die Urauffüh-rung des Musiktheaters "Der Fall Babel", in dem die Komponistin Elena Mendoza und der Regis-seur Matthias Rebstock nicht nur dem Mythos von der babylonischen Sprachverwirrung vom Kopf auf den Fuß stellen und ein Plädoyer für Toleranz und Vielfalt halten, sondern auch die Gattung Oper auf ungewöhnliche und kreative Weise hinterfragen. Mendoza, vielfach ausge-zeichnete Professorin für Komposition an der Universität für Künste in Berlin, und Rebstock arbeiten seit über einem Jahrzehnt zusammen und präsentieren in Schwetzingen ihr drittes Werk. Zwei Aufführungen finden im Schmucksaal des Hauses, dem Rokokotheater, am 26.04 und 28.04.19 statt.

Grandiose Musik auf einen grandiosen Text verspricht die einaktige Opéra Comi-que "L'isle déserte" von Franz Ignaz Beck, einem der faszinierendsten Komponis-ten des 18. Jahrhunderts, einem musikalischen Visionär, zudem einem echten Europäer mit Wurzeln in Mannheim. Seine Oper galt lange als verschollen, eine Handschrift der Partitur ist in Frankreich aufgetaucht. Die Handlung zeigt zwei Protagonisten, dich sich vor langer Zeit bei einer Überfahrt auf See verloren haben und sich nun in der Ödnis einer wüsten Insel wieder begegnen. Robinson Crusoe lässt grüßen. (Aufführungen im Rokokotheater am 17., 18. und 19.05.19)

Virtuose Begegnungen mit den Residenzkünstlern 2019

Dass zwischen Bach, Boulez und Folklore noch viel Neues zu entdecken ist, dafür steht der Residenzkünstler Jean-Guihe Queyras, ein Cellist der Extraklasse. Er ist in der Tradition ebenso zu Hause wie in der Moderne und begeistert immer wieder mit innovativen Programmen. Er tritt im Streichertrio am 01.05.19 im Mozartsaal auf und wagt mit Unterstützung von Laute und Perkussion am 04.05.19 in der Orangerie Grenzgänge "Jenseits von Thrakien".

Der zweite Residenzkünstler ist ein im Alter von zwölf Jahren zwar spät beru-fener, aber begnadeter Klarinettist: Andreas Ottensamer, Spross einer berühm-ten Wiener Musikerfamilie, hat sich innerhalb kürzester Zeit an die Soloposition bei den Berliner Philharmonikern gespielt. Gemeinsam mit den Wiener Virtousen erfüllt er am 21.05.19 mit Werken von Mendelssohn Bartholdy, von Weber, Mozart sowie Stamitz das Rokokotheater. Unterstützt von Horn und Klavier, setzt Ottensamer am 23.05.19 im Mozartsaal einen kammermusikalischen Akzent. Einen Abend später unternimmt er mit Violin- und Klavierbegleitung Grenzgänge zwischen Klassik, Folk und Jazz und bindet dabei die Schwetzingens "Alte Wollfa-brik", Avantgarde-Location der Metropolregion, erstmals ins Festivalprogramm mit ein.

Musikalische Kuriositäten und andere Raritäten

Als Festspiel-Dauerkonzert darf die von Georg Nussbaumer installierte innova-tive "Wetterorgel"gelten, die die permanenten Veränderungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Helligkeit, Windstärke und -richtung sowie Luftdruck in einen ewigen Orgelklang übersetzt. Die Orgel, Instrument des ewigen Atems, macht hörbar, was sich in der Atmosphäre des Schwetziger Schlosspark abspielt, und verbindet musikalische und meteorologische Aveantgarde des Mannheimer Hofes. Dort nämlich wurde nicht nur die Musik gepflegt, sondern in der Societas Meteo-rologica Palatina, von Kurfürst Carl Theodor 1780 gegründet, mit einheitlich ausgestatteten Wetterstationen Klimadaten weltweit erstmals systematisch erfasst.

Ein Klangforschungsabenteuer für jung und alt verspricht das Familienkonzert "Once around the world" am 02.05.18 im Rokokotheater zu werden. Die musikali-sche Weltreise mit 78 Umdrehungen für Erzähler, Grammophon, Animationsfilm und 14 Musiker macht anhand historischer Postkarten und Schellackplatten greif-bar, wie vielstimmig die Welt vor 100 Jahren war.  


Das komplette vielseitige Programm der Schwetzinger Festspiele ist im Internet dokumentiert. Dort sind auch Eintrittskarten zu ordern. Die Tickets berechtigen vier Stunden vor Veranstaltungsbeginn auch zum kostenlosen Besuch des riesi-gen uns auch in seinen verwunschenen Ecken sehenswerten Schlossparks.

Zum Festival ist Booklet erschienen, das alle Veranstaltungen und die Locations beschreibt. Der Magazinteil geht ausführlich und informativ auf die Hauptacts und ihre Protagonisten ein. Der Festivalführer kann kostenlos beim SWR im Internet bestellt werden. 

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