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Haus Catoir: Veränderungen im Stadtmuseum

Erlebbare Stadtgeschichte mit Mehrwert

Bad Dürkheim bietet seit kurzem - und nicht nur an den wenigen Schlechtwetter-tagen - einen neuen touristischen Mehrwert. Das Stadtmuseum wurde in den letzten Jahren erweitert, runderneuert, modernisiert und barrierefrei gestaltet.

Das Stadtmuseum ist ein Aushängeschild der Kurstadt.
Das Stadtmuseum ist ein Aushängeschild der Kurstadt.

Teilweise mit digitalen Techniken präsentiert das Stadtmuseum im Haus Catoir, einem ehemaligen Weingut, nun die wechselhafte Stadtgeschichte auf eine moderne erlebbare Art. Eher un-bemerkt von der Öffentlichkeit, wurde das Hauptgebäude komplett neu gestal-tet, und im verbundenen Nachbarhaus in der Römerstraße kamen 220 Quadrat-meter Ausstellungsfläche hinzu, um den historischen Schätzen der Stadt mehr Raum zu bieten. Dabei kann das Museum auf dem großen Fundus der Museums-gesellschaft Bad Dürkheim schöpfen.

In der überzeugenden Gesamtkonzep-tion werden aktuelle Forschungsergeb-nisse berücksichtigt und die zum Teil bedeutenden und einzigartigen Objek-te zeitgemäß präsentiert.

Dank Aufzug auch für Rollstuhlfahrer interessant

Bei der Planung des Neubaus und bei der Konzeption der Ausstellung wurde bereits berücksichtigt, Menschen mit Beeinträchtigungen möglichst viel Komfort zu bieten. So wurde beispielsweise ein Aufzug eingebaut, mit dem auch Rollstuhl-fahrer sich die Ausstellung über mehrere Stockwerke erschließen können. Seit Juni 2017 ist das Stadtmuseum daher nach den Kriterien "Reisen für Alle" als behindertengerecht zertifiziert.


Ein Herzstück des Stadtmuseums: Der Nautilus-Pokal zeigt erstmals auch sein Innenleben. Fotos: Stadt Bad Dürkheim
Ein Herzstück des Stadtmuseums: Der Nautilus-Pokal zeigt erstmals auch sein Innenleben. Fotos: Stadt Bad Dürkheim

Der Nautilus-Pokal

Den Nautilus-Pokal schenkte Graf Friedrich Magnus zu Leiningen 1739 der Stadt. Nach einer  Odyssee durch verschiedene Museumsarchive hat das Geschenk im Stadtmuseum seinen würdigen Platz erhalten und wird jetzt besonders eindrucksvoll präsentiert. Hinter der Vitrine für das knapp 30 Zentimeter hohe Ausstellungsstück zeigt eine Großaufnahme das Innenere, das der Pokal ansonsten unter einer silbernen Kappe am gekappten Heck des Nautilus versteckt.

Nach Kenntnissen der Stadt ist der Pokal wohl etwa um das Jahr 1600 entstanden. In der Rennaissance zeigten Fürsten solche Pokale gern auf ihren Prunktafeln. Das Perlmutt-Gehäuse des Kopffüsslers, der wegen seiner heutigen geringen Verbreitung auch als "lebendes Fossil" gilt, ruht auf einem silbernen Fuß. Drei Vögel schmücken den Pokal.


Drei ganz neue Museumsbereiche

Drei wichtige und bisher in dieser Form nicht vorhandene Museumsbe-reiche sind neu eingerichtet worden, die gerade für Bad Dürkheim und für die Region sehr wichtig sind.

In der Abteilung „Klöster, Burgen, Schlösser und Grafen“ findet sich zum Beispiel das sogenannte Limburg-Fresko aus dem Anfang des 11. Jahr-hunderts, ein letzter Rest der roma-nischen Wandmalereien aus der Grün-dungszeit der Klosterkirche, das im

Sommer 1975 entdeckt worden war. Das Fresko ist aus dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer zurück-gekehrt und wird jetzt unter einer speziellen Schutzvorrichtung dauer-haft präsentiert.

Das Kaiser-Konrad-Siegel wird im Spätjahr 2019 ebenfalls nach Bad Dürkheim zurückkehren und seinen festen Platz in der Ausstellung fin-den. Dabei handelt es sich um eine von findigen Mönchen anfertigte mit-telalterliche Fälschung.

Neu ist auch der Ausstellungsbereich über die Grafen zu Leiningen, wo eines der Glanzstücke, der Nautiluspokal, im wahrsten Sinne des Wortes in völlig neues Licht gesetzt wird.

Dürkheimer Persönlichkeiten

In der ebenfalls neune Abteilung „Menschen aus Bad Dürkheim“ treffen Besucher auf die Dürkheimer Wohl-täter Valentin und Margarethe Ostertag, die jüdische Opernsängerin und Festspielorganisatorin Rosa Maas oder die Schöne Anna (Bergner), einst legendäre Wirtin und Köchin des Gasthauses "Vier Jahreszeiten", die im 19. Jahrhundert ein Pfälzer Koch-buch mit tausend Rezepten veröffent-lichte.


Der "rote Fitz" und die schwarze Fahne der aufständischen Winzer

Dort trifft man auch auf Johannes Fitz, wegen seines Rotschopfes auch"der rote Fitz"genannt,  Als Pfälzer Rebell führte der Dürkheimer Stadtrat beim Hamba-cher Fest 1832 im Protest gegen Pressezensur und hohe Zölle die Winzer im Zug auf das Schloss an. Mit dabei war die schwarze Fahne, die als historische Rarität erstmals dauerhaft ausgestellt und unter einer speziellen schützenden Glasschei-be auf Knopfdruck sichtbar wird mit der denkwürdigen  Aufschrift: "Wir Weinbau-ern müssen darben". 

Die neu gestaltete Diele des ehemaligen Winzerhofs, bisher Eingang ins Heimat-museum, beherrscht das imposante Welte-Mignon-Reproduktionsklavier, ein ganz seltenes Exemplar seiner Art, voll funktionstüchtig.

Die salzige Stadtgeschichte

Die neu konzipierte stadtgeschichtliche Abteilung im ersten Obergeschoss zeigt u. a. Dürkheims Erfahrungen mit dem weißen Gold. Salz spielte für die Entwick-lung der Stadt, und der Gradierbau (die Saline) für das Kur- und Heilwesen eine wesentliche Rolle. Der Besucher kann hier die wechselhafte Geschichte von der ersten Nennung im Lorscher Codex bis heute mit fast allen Sinnen erfahren. In der außergewöhnlichen „Klangbox" ist man vom Dürkheimer Wasser förmlich umgeben.

Der Wein und die Künstler

Die Sammlung über den Weinbau findet sich stilgerecht im Weinkeller des Hauses Catoir.
Die Sammlung über den Weinbau findet sich stilgerecht im Weinkeller des Hauses Catoir.

Bad Dürkheim und Wein gehören einfach zusammen. Selbst-verständlich zeigt das Stadtmuseum auch eine imposante Sammlung zum The-ma Weinbau. Sie ist wie bisher im Gewöl-be des jahrhunderte-alten Weinkellers des Hauses Catoir unter-gebracht und schafft das besondere Ambi-ente, in dem der Besucher Wissenswertes rund um die Weinproduktion erfährt. Wein, Sekt, Riesenfass und natürlich der Dürkheimer Wurstmarkt – das größte Weinfest der Welt mit 600-jähriger Tradition – werden modern und mit neuen Medien präsentiert.

Im Treppenhaus des Haus Catoir werden die Werke bekannter Künstlerinnen und Künstler der Stadt und der Pfalz wie Gretel Altvater, Otto Dill, Karl Dillinger, Valentin Dirion, Gustav Ernst, Fritz Herrfurth, Charles Jobmann, Ernst Pfau, Otto Schmitt-Gross, Erich Schug, Heinrich Strieffler, Leni Strigel, Else Wernz und August Wilde in wechselnder Ausstellung gezeigt.

Eien bedeutende Sammlung für die Zeitreise durch die Frühgeschichte

In der archäologischen Abteilung im Dachgeschoss wird die Vor- und Frühge-schichte der Dürkheimer Region von der Steinzeit bis in die fränkische Zeit dokumentiert. Voller Stolz kann die Stadt darauf verweisen, die bedeutendste archäologische Sammlung in der Pfalz nach der in Speyer zu besitzen.

Die Zeitresie führt von den frühesten Siedlern am Haardtranderzählen in der  der Jungsteinzeit  vor rund 6.000 Jahren über die nur wenige Jahrzehnte besiedelte Keltenstadt auf dem Kästenberg, das römische Leben in den Prunkvillen auf dem Annaberg und am Weilberg bis hin zum ersten Grafen, der vor 1.400 Jahren in Pfeffingen. als Gefolgsmann von Frankenkönig Chlodwig I. lebte.


Das Stadtmuseum im Haus Catoir ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist - noch - frei.

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