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Vor der Haustür: Pfälzer Regionalgeschichte am Puls der Spätantike - Update

Rom, Trier, Wachenheim und Bad Dürkheim

Die Ausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“ rückt einen Zeitabschnitt in den Fokus, der in der Region auch rund um Bad Dürkheim viele Spuren hinterlassen hat. Aktuelle Forschungs- und Grabungsergebnisse belegen den nachhaltigen Einfluss Roms.


Dier spätantike Prachtstuhl, wie ihn jetzt das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt. Die Stuhlbeine sind zu fragil und liegen deshalb daneben. Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie Speyer
Dier spätantike Prachtstuhl, wie ihn jetzt das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt. Die Stuhlbeine sind zu fragil und liegen deshalb daneben. Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe, Landesarchäologie Speyer

Update 01.10.19: Bis 15. März 2020 zeigt das His-torische Museum der Pfalz in der Sonderausstellung  um Kaiser Valentinian I. den prachtvollen spätanti-ken Klappstuhl, ein archä-ologischer Sensationsfund von 2013, erstmals in der Pfalz.

Im Wald nahe Rülzheim (Landkreis Germersheim) hatte ein Amateur-Son-dengänger Ende 2013 das teilweise vergoldete und mit Silberfolie umwickelte Eisengestänge nebst Gold-applikationen und Silber-schalen in einer unerlaub-ten Grabung geborgen. Dabei wurde der Fundort für eine wissenschaftliche Aufarbeitung weitgehend zer-stört, die Fundstücke lagerte und behandelte der Raubgräber überdies zu Hause unsachgemäß, bis man ihm aufgrund seiner selbstrühmenden Internet-Veröf-fentlichungen auf die Schliche kam. Wegen Unterschlagung bekam er eine Bewäh-rungsstrafe von 15 Monaten.

Trotz des Frevels an dem einmaligen historischen Fund konnten Archäologen in mühevoller Puzzlearbeit mittlerweile Alter und Herkunft des Stuhls eingrenzen. In der Kittmasse, die zierliche Frauenfigürchen an der Lehne fixiert, fand sich
nämlich einen Olivenkern, der nach der C14-Methode, der Radiokohlenstoffdatie-rung, aus der Zeit zwischen 350 und 410 n. Chr. stammt.  Das Bleilot der Stuhl-füße, die in der Form an Löwentatzen erinnern, lässt überdies auf Abbaugebiete in Britannien oder der Eifel schließen und ist identisch mit dem bei der Apostelkan-ne im Trierer Silberschatz verwendeten Material. Der Stuhl könnte demnach also aus der Trierer Residenz Valentinians I. stammen.

Das exklusive Reisemöbel, sozusagen ein antiker Campingstuhl, gehörte vermut-lich einer Frau der gesellschaftlichen Elite. Weltweit ist kein weiterer Stuhl die-ser Art erhalten. Er war in seiner Form bisher nur von zeitgleich datierenden Ab-bildungen aus anderen Funden bekannt.


römisches Weingut Bad Dürkheim Weilberg Ungstein Ausgrabung
Die Ausgrabungen des Römischen Weinguts am Weilberg bei Ungstein. Foto: Stadt Bad Dürkheim

Im Jahr 364 n. Chr. beginnt für die Pfalz und den Nordwesten des Imperiums Ro-manum eine beson-dere Ära: Zum Kaiser des Römischen Rei-ches erhoben, wählt Flavius Valentinianus (321 - 375) die Mo-selstadt Trier - das damalige Augusta Treverorum - zu seiner bevorzugten Residenz.

Ein starker römischer Kaiser und seine Verbindungen zur Pfalz

römischer Kaiser Münze Valentinian
Kaiser Valentinian I. auf einer Münze: Foto: wikipedia

Valentinian I. gilt als einer der "starken" Kaiser seiner Zeit, der u. a. die Aufteilung der Herrschaft im - zwischen Britannien sowie der Süd- und Ostküste des Mittelmeers - riesigen römischen Reich auf zwei Regenten mit jeweils eigenem Hof und Verwaltungs-apparat vorbereitete.

Zum Schutz gegen die einfallenden Alamannen ließ er umfangreiche Befestigungsanlagen entlang der Rheingrenze errichten. Einige der Festungsbaumaß-nahmen soll er sogar persönlich überwacht haben. Die Versorgung der römischen Legionäre mit Nahrungs-mitteln - auch Wein - wurde durch große Gehöfte und Siedlungen im Hinterland gewährleistet. Valentinian ist damit der einzige römische Kaiser, der direkt mit der Regionalgeschichte der Pfalz verbunden ist.

Um so verdienstvoller, dass das Historische Museum, bekannt für seine fundierten und spektakulär inszenierten Ausstellungen, diese Episode der Pfälzer Geschichte in Erinnerung ruft. Eine Kooperation mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Speyer und dem Heidelberg Center for Cultural Heritage der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (HCCH) ermöglicht überdies die Einbindung neuester Forschungsresultate und aktueller Grabungsergebnisse, die zum Teil erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert und in der begleitenden Publikation vorgestellt werden. 

Vor unserer Haustür: Wahre Prunkvillen bezeugen eine wirtschaffliche Blütezeit

Beeindruckendes römisches Gehöft: Ausgrabung und Rekonstruktion der Villa Rustica bei Wachenheim.

Die Pfalz erfuhr für kurze Zeit eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte, die nach dem Zusammenbruch der römischen Verwaltung im 5. Jahrhundert n. Chr. jedoch allmählich ein Ende fand.

Während die Spätantike im Allgemeinen – oft zu Unrecht – als Zeit des Niedergangs und des Verfalls gilt, zeichnen die archäologischen Zeugnisse in der Pfalz ein anderes Bild dieser wechselvollen Ära. Aktuelle Forschungsergebnisse bezeugen für diese Zeit eine dicht besiedelte Landschaft mit zahlreichen größeren und kleineren Städten, befestigten Siedlungen und landwirtschaftlichen Betrieben, die wahren Prunkvillen ähnelten. So etwa die Villa Rustica zwischen Wachenheim und Friedelsheim oder das Römische Weingut am Weilberg bei Bad Dürkheim-Ungstein mit seinem einst 150 Meter langen Herrenhaus, über 30.000 Quadratmetern Wohnfläche auf mehreren Etagen und komfortablen Heizungssystemen sowie Badeanlagen. Beide römischen Kulturgüter liegen quasi vor unserer Haustür sind bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad von unserem Ferienhof zu erreichen. 


Die Ausstellung ist bis 15.03.20 während der üblichen Öffnungszeiten des Historischen Museums der Pfalz dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog. Das Begleitprogramm bietet Führungen und Vorträge an.

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