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Die Villa Rustica bei Wachenheim

Die Römer vor der Haustür

Nur drei Kilometer entfernt von unserem Ferienhof liegt an der B 271 zwischen Wachenheim und Friedelsheim die Villa Rustica, ein großzügig angelegtes römi-sches Landgut. Das gut dokumentierte Freilichtmuseum ist frei zugängig - ein beliebter Ausflug in die frühe Siedlungsgeschichte der Pfalz.

1980 im Zuge der Flurbereini-gung für den Bau der Bundes-straße zufällig entdeckt, wur-den die Grundrisse der Gebäude inklusive Keller und Badeanla-gen mit hypokaustischer Fuß-bodenheizung für Herrschaft sowie Gesinde rekonstruiert. Tafeln und Schilder erläutern selbsterklärend die Grabungs-funde und geben, ergänzt durch Gartenanlagen mit Kü-chen- und Heilkräutern, alten Getreidesorten, Gemüsesorten und Färbepflanzen, ein an-schauliches Bild vom Lebens in diesem herrschaftlichen Land-gut. Die antike Anlage umfass-te 1,5 Hektar - ein stattliches Anwesen.

 

Über 2000 m² Wohnfläche im noblen Herrenhaus

Die Villa rustica Wachenheim war das erste in der Pfalz ent-deckte römische Landgut in derart aufwendiger Steinbau-weise, wie sie heute noch er-kennbar ist. Das sehr weiträu-mige, teilweise doppelstöckig gebaute Herrenhaus mit re-präsentativer Empfangshalle  umfasste eine Wohnfläche von
über 2.000 Quadratmetern.
Die Fassadenfront erreichte mit den verschiedenen Anbau-ten in den Seitentrakten eine Gesamtlänge von 65 Metern.

 

Die Nebengebäude östlich und nördlich des Hauptgebäudes 
umfassen einen großen Wirt-schaftsbau, der größtenteils als Stall genutzt wurde, und einen kleinen Wohntrakt, der über eine Kanalheizung ver-fügte. Nordwestlich davon und östlich des heutigen Eingangs-bereiches befand sich ein grö-ßerer Speicherbau, der einen älteren Räucherofen sowie eine Getreidedarre überlagerte. Re-konstruiert sind auch ein Brunnen, ein Ofen und ein Kalkbrennofen.

Villa Rustica Wachenheim
1,5 Hektar umfasst der römische Gutshof, die Villa Rustica. Foto: Stadt Wachenheim

Wechselhafte Siedlungsgeschichte

Nicht erst die Römer schätzten die Senke des in der Nähe verlaufenden Schwabenbaches als attraktives Siedlungsgebiet. Denn früheste Funde aus dem Villenbereich belegen, dass das
Areal bereits in der Jungsteinzeit, also vor rund 7.000 Jahren von Menschen bewohnt war, die der bandkermaischen Kultur zugerechnet werden. Weitere Spuren stammen aus der spä-ten Bronzezeit (1300 - 800 v. Chr.) und aus der jüngeren Eisenzeit (300 - 200 v. Chr.) und be-legen eine keltische Besiedelung,

Die Grabungen weisen den Beginn der römi-schen Besiedelung - zunächst mit einem Holz-haus - um etwa 20 n. Chr. nach. Vermutlich war der Hausherr aber kein Italo-Römer, sondern ein Germane, der von den Römern als loyaler Militärsiedler zur Versorgung der Limes-Legi-onen angesiedelt wurde.

Der Gutshof wurde sukzessive erweitert. Der
steinerne Ausbau, der größtenteils der heute sichtbar rekonstruierten Substanz entspricht,  erfolgte im 3. Jahrhundert n. Chr.  Offenbar überstand das Landgut die Einfälle der Aleman-nen im 3. und 4. Jahrhundert weitgehend unbe-schadet.

Anfang des 5. Jahrhunderts fiel das Hauptge-bäude einem Brand zum Opfer. Die Anlage blieb aber bis weit in das 5. Jahrhundert in reduzier-tem Umfang weiterhin bewirtschafte. In den beiden römischen Steinsarkophagen, die um oder nach 450 n. Chr. datiert werden und vor Ort ausgestellt sind, wurden möglicherweise die letzten Besitzer des Guts bestattet.

 

Belegt durch einen Bestattungsplatz im Nord-osten des Areals, bewohnte eine romanisch-germanische Bevölkerungsgruppe den weitge-hend verfallenen Hof weiter. Spätestens im 6. Jahrhundert wurde der Siedlungsplatz aufge-geben und die Ruine bis auf die Grundmauern zum Bau neuer Häuser abgetragen.


Beeindruckendes römisches Gehöft: Ausgrabung und Rekonstruktion der Villa Rustica bei Wachenheim.


Die Villa Rustica ist durch die Rebfelder auf gut ausgebauten Wirtschaftswegen von unserem Ferienhof aus bequem zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad zu errei-chen.

Dem Haidfeldweg nach Osten durch das Neubaugebiet folgend, gelangt man über den Linden und Holunderring zu einer Brücke, die die Bundesstraße überquert. Danach führt rechts der Wirtschaftsweg mit einigen Schlenkern östlich ent-lang der B 271 bis zur nächsten Brücke. Über sie gelangt man auf die Westseite der Bundesstraße, wo ein Stichweg links zum Parkplatz führt. An dessen Ende befindet sich der Eingang zum Kulturdenkmal Villa rustica.

Auf dem Rückweg kann man einen Abstecher nach Wachenheim machen, das viele Einkehrmöglichkeiten bietet, oder den Ausflug durch die Rebfelder auch Richtung Deidesheim erweitern.

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