Die großen Staatsbesuche beim Pfälzer Dr. Helmut Kohl

"Weltbühne Speyer"

In den Trauertagen um den Ehrenbürger Europas, Dr. Helmut Kohl, gewann eine Ausstellung des Historischen Museums der Pfalz besondere Aktualität. Just dort, wo der Lebensweg des "Kanzlers der Einheit" seinen würdigen Abschluss fand, war in einer weltbewegenden Umbruchszeit die "Weltbühne Speyer". Die sehenswerte Ausstellung wurde bis 18. Juli 2018 verlängert.

Michail Gorbatschow am 10.11.1990 auf Staatsbesuch in der Domstadt Speyer, zusammen mit Hannelore und Helmut Kohl. Foto: Historisches Museum der Pfalz, Speyer
Michail Gorbatschow am 10.11.1990 auf Staatsbesuch in der Domstadt Speyer, zusammen mit Hannelore und Helmut Kohl. Foto: Historisches Museum der Pfalz, Speyer

Als "Zeichen der Zeit" bezeichnete George H. W. Bush seinen Besuch in Speyer am 18.11.1990 - nur wenige Tage, nachdem Michail Gorbatschow in die Domstadt am Rhein gekommen war. Neben den Präsidenten der beiden damaligen Weltmächte USA und Sowjetunion waren während der 16jährigen Kanzlerschaft Kohls politische Größen wie Jacques Chirac, Margaret Thatcher und Boris Jelzin in Speyer zu Gast - und wurden dann auch meist nach Deidesheim zum Saumagen-Essen gelotst. 

 

"Seit meiner Kindheit

ist der Speyrer Dom
für mich Hauskirche."

 Dr. Helmut Kohl

 Königlichen Glanz brachten 1997 Juan Carlos und Sophia von Spanien nach Speyer. Papst Johannes Paul II. fuhr im Papamobil auf der Maximiliansstraße durch begeis-ternd jubelnde Menschenmengen. 


Die Ausstellung "Weltbühne Speyer" dokumentiert 19 Staatsbesuche und Großereignisse in großformatigen Bildern, Filmsequenzen und zeitgenössischen Zeitungen und Zeitschriften, stellt sie in den politischen Kontext vom Kalten Krieg bis zur Wiedervereinigung Deutschlands und lässt den Besucher eintauchen in die Weltgeschichte der 1980er- und 1990er-Jahre.

Wohl zunächst unbeabsichtigt, aber im Rückblick auf sein Lebenswerk erst recht bedeutsam, zoomt das Historische Museum auch eine Facette des Politikstils des Pfälzers heran, der seine Heimat nie verleugnete: Wenn es ernst oder kritisch wurde, bevorzugte Helmut Kohl den Rückzug in heimatliche Gefilde und im eher privaten Oggersheim die offene Aussprache unter wenigen Augen. Hier war er unbestreitbar Herr im Haus. Erreicht hat er damit - politisch - viel. Nebenbei gewann Speyer damit die Bedeutung als Begegnungsstätte der Mächtigen, welche die Stadt schon im Mittelalter innehatte.

Die Domstadt am Rhein wurde auf Wunsch des Verstorbenen zur letzten Ruhestätte des Wegbereiters der Europäischen Union - an einem symbol-trächtigen, historisch aufgeladenen Ort auf dem Friedhof des Domkapitels beim Konrad-Adenauer-Park. 

Der "Atem der Geschichte" - bis in unsere Tage spürbar

Der Dom zu Speyer spielte im Lebens Helmut Kohls eine besonderer Rolle und "atmet Geschichte". Im angrenzenden Garten des Domkapitels fand er seine letzte Ruhestätte. Foto: Wikipedia
Der Dom zu Speyer spielte im Lebens Helmut Kohls eine besonderer Rolle und "atmet Geschichte". Im angrenzenden Garten des Domkapitels fand er seine letzte Ruhestätte. Foto: Wikipedia

Der fast 1000 Jah-re alte Dom, in dem  am 1. Juli 2017 spät nachmittags seine Totenmesse gehalten wurde, ist ein besonderer Ort in Helmut Kohls Leben. Hier suchte er als Junge im Zweiten Weltkrieg Schutz vor Flie-gerangriffen. Dort fand auch das Re-quiem für seine erste Frau Hannelore statt, die im Familiengrab der Kohls in Oggersheim ihre letzte Ruhe gefunden hat.

Der romanische Monumentalbau war auch für den Historiker Kohl von Bedeutung - als Sinnbild des geeinten Europas und seiner christlichen Wurzeln. Der stattliche, als Weltkulturerbe gelistete Dom "steht für knapp 1000 Jahre deutscher und europäischer Vergangenheit", sagte Kohl am 2. Juli 1999 in der Dom-Krypta. Wer sich den Sinn für das Wesentliche bewahrt habe, der spüre im Dom den "Atem der Geschichte". 

Bill Clinton, zu Kohls Lebzeiten nicht auf der "Weltbühne Speyer" zu Gast, spürte ihn wohl. Der frühere amerikanische Präsident, der seinen Freund und politischen Weggefährten auf seinem letzten Weg begleitet und beim Trauerakt im Europäischen Parlament Straßburg in einer liebenswürdigen Rede gewürdigt hatte, bedauerte nach der Totenmesse zutiefst, den Dom nicht schon früher gemeinsam mit dem Ehrenbürger Europas besucht zu haben.

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