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Protestbanner Richtung Mainz am traditionsreichen Luitpoldsturm

Keine Windräder im Pfälzerwald

Die SPD in Rheinland-Pfalz steht vor einem Tabubruch: Nach der Wahl am 24. März 2021 will sie frühere Zusagen, im Pfälzerwald keine Windräder aufzustellen, kippen. Dagegen formiert sich Widerstand.

Einzigartig: Das Bosphärenreservat Pfälzerwald mit dem Luitpoldsturm. Jeder Energiespargel würde das Auge beleidigen Fotos: Initiative Pro Pfälzerwald
Einzigartig: Das Bosphärenreservat Pfälzerwald mit dem Luitpoldsturm. Jeder Energiespargel würde das Auge beleidigen Fotos: Initiative Pro Pfälzerwald

"Was geb ich fer moi Gebabbel vun geschdern", kommentieren Pfälzer die Erklärung von Ministerpräsi-dentin Malu Dreyer (SPD), im Falle eines Wahlsiegs das bisherige Windrad-Tabu im Pfälzerwald aufzuheben. Der Koalitionspartner FPD ließ durch seine Spitzenkandidatin für die Landtagswahl, Daniela Schmitt, erklären, sie schließe Windräder im Pfälzerwald weiterhin aus. Umwelt zu opfern, um Umwelt zu schützen, sei kein überzeugender Ansatz.

Nach Protesten der Bevölkerung und dem drohenden Verlust des Status eines Biosphärenreservats hatte die SPD-geführte Landesregierung, die in einer Ampel-Koalition von den Grünen und der FDP mitgetragen wird, nach der Landtagswahl 2016 Windenergie-Pläne im Pfälzerwald begraben. Unter dem Druck der Ziele der Energie- und Klimawende denkt zumindest die SPD nun offenbar anders darüber.

Pfälzer gehen "erneut auf die Barrikaden"

Klare Ansage vom Luitpoldturm Richtung Mainz: Keine Windräder im Pfälzerwald.
Klare Ansage vom Luitpoldturm Richtung Mainz: Keine Windräder im Pfälzerwald.

Immerhin erfuhren die Rheinland-Pfälzer davon noch rechtzeitig vor der anstehenden Landtagswahl. Die Reaktion erfolgte prompt und ist deutlich: "Falls Frau Dreyer und Frau Spiegel [Spitzenkandidatin der Grünen] bei dieser Wahl obsiegen, werden sie mit uns rechnen müssen: Die Initiative Pro Pfälzerwald wird gegen jegliche Pläne zur Windkraft im Biosphärenreservat erneut auf die Barrikaden gehen!“

Vom 1909 mit einem Volksfest eingeweihten Luitpoldsturm, beim Hermersbergerhof inmitten des südwestlichen Pfälzerwaldes gelegen und in vielerlei Hinsicht ein Symbol der Region, bläst heftiger Gegenwind. Bereits Ende 2012 hatten der  Pfälzerwald-Verein und die Initiative Pro Pfälzerwald den Protest gegen Windräder organisiert. Nun zeigt Richtung Mainz erneut ein großes Banner, was hier lebenden Menschen von den Energiemaschinen in ihrem Wald halten: "Windkraft im Pfälzer Wald - Nein danke".

Verschandelung des Landschaftsbilds und Prädikatsentzug drohen

Zugegebenermaßen ist der Pfälzerwald ist ein windlastiges Gebiet, das von eifrig kreisenden Rotoren reiche Ausbeute an Windenergie verspricht und damit einen erklecklichen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Im Gegensatz zu den Windkraftanlagen in den Küstenregionen würde Naturstrom aus dem Pfälzerwald auch auf kürzeren Wegen zu den (Groß-)Verbrauchern gelangen.

Die Gegner der Windkraft im Pfälzerwald betonen insbesondere das weitgehend unversehrte Landschaftsbild des Pfälzerwalds, der immerhin das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands darstellt. Die Windkraft-Gegner argumentieren u. a. auch mit dem faktisch drohenden Entzug des UNESCO-Prädikats "Biosphärenreservat" (ausführliche Begründung hier). 

Pro und Contra quer durch Parteien und Naturschutzorganisationen

Die Auseinandersetzung um die Windkraftnutzung im Pfälzerwalds geht quer durch Parteien sowie die Koalitionsregierung Rheinland-Pfalz und spaltet auch Naturschutzorganisationen.

 

Wenn Sie mich fragen:

Wir möchten als nachhaltig wirtschaftendes Touristikunternehmen, das seinen Stromverbrauch zu über 50 Prozent selbst gewinnt, Überschüsse ins Netz speist  und den Rest aus erneuerbaren Energien zukauft, den einmaligen Blick auf und über den Pfälzerwald für uns und unsere Gäste erhalten wissen. Und zwar ohne dass ein Energiespargel diese Pracht stört - auch in Randzonen oder in sog, "vorgeschädigten Flächen". Dort Windräder zuzulassen, wäre nämlich der Anfang vom Ende. Denn auch ein einzelnes Windrad schädigt seine Stellfläche und benötigt eine versiegelte Zufahrt. Die Politik liefert sich selbst damit den Vorwand, weitere zu bauen. So würde der Pfälzerwald in seiner ganzheitlichen Naturschönheit scheibchenweise zerhackt.

Es gibt - gerade auch in der sonnenverwöhnten Pfalz -  unauffälligere Systeme zur Nutzung erneuerbarer Energien, deren Potenzial vielfach immer noch brachliegt. Vor unserer Haustür entsteht ein großes Wohnbaugebiet, auf dessen Dächern, zumeist ideal nach Süden ausgerichtet, noch viel Platz für Solaranlagen wäre. Wer in der glücklichen Lage ist, bis zu einer Million und mehr für seinen Traum vom Eigenheim auszugeben, dem sind auch 20.000 Euro für die Energie vom Dach zuzumuten. Das geht im Grundrauschen der Gesamtinvestition unter, reduziert aber nachhaltig die Betriebskosten und bringt in diesen zinsarmen Zeiten sogar eine ordentliche und über viele Jahre sichere Rendite.  

Wenn in der ganzen Republik die Möglichkeiten der Photovoltaik und Solarthermie - auch durch gesetzliche Vorgaben im Baurecht bzw. kommunale Regelungen - und die Optionen der Windenergie an landschaftlich nicht so sensiblen Standorten ausgeschöpft sind, und der Naturstrom reicht dann immer noch nicht für die unbestritten dringend notwendige Energie- und Klimawende, dann bin ich bereit, neu über Windräder im Pfälzerwald nachzudenken.

Ernsthaft kommt ja auch keiner auf die Idee, einen Windenergiepark auf dem Zugspitz-Plateau bauen zu wollen - gewiss ein sehr windlastiger Standort.

Klaus Kochendörfer

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